Fachkräftemangel im Mittelstand
Nicht ins Hintertreffen geraten

Hessens Mittelstand leidet besonders unter dem Fachkräftemangel. Im „Mittelstandsbarometer 2008“ von Ernst & Young klagen 85 Prozent der hessischen Firmen über eine vergebliche Suche nach qualifizierten Mitarbeitern, das sind fünf Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. 45 000 Stellen für Facharbeiter seien 2007 in Hessen unbesetzt geblieben. Es wird für Hessens Mittelstand also Zeit, sich auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels über neue Wege des Recruitings Gedanken zu machen.


Bis 1994 herrschte in Deutschland das Alleinvermittlungsrecht der Bundesanstalt für Arbeit. Erst am 1. April 1994 fiel das Monopol, und der Gesetzgeber hat die Tür für die gewerbliche private Personalvermittlung geöffnet. Forderungen wie „Personalvermittlung gehört generell in private Hände“ verwundern nicht, denn viele Personalentscheider sind von der Vermittlungsleistung der Arbeitsagentur enttäuscht und wenden sich lieber an private Personalvermittler. Schließlich ist der War for Talents bereits in vollem Gange. Das gilt insbesondere für Ingenieure, Pflegekräfte und spezialisierte Kaufleute wie Controller. 27 Prozent der deutschen Arbeitgeber würden mehr Festeinstellungen vornehmen, wenn sie nur das geeignete Personal finden würden, so das Ergebnis einer Umfrage des Personaldienstleisters Manpower.


Gerade mittelständische Unternehmen geraten im verschärften Wettbewerb um ein knapper werdendes Arbeitskräftepotenzial ins Hintertreffen. Der Grund: Vermeintlich sichere Arbeitsplätze bei Konzernen werden vorgezogen. Bekanntheitsgrad, Imagewert, attraktive Standorte, interessante Möglichkeiten der Personalentwicklung und nicht zuletzt die Bezahlung sind gerade für Berufsstarter ausschlaggebende Entscheidungskriterien. Dabei hat der demografisch bedingte Rückgang des Potenzials an Erwerbspersonen nach den Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamts noch gar nicht den Zenit erreicht. Erst ab 2010 wird es richtig ernst und ab 2020 soll es eine nochmalige Beschleunigung geben.


Wo Konzerne langsam damit beginnen, Strategien und Gegenmaßnahmen zu entwickeln, steht der Mittelstand der Situation noch relativ hilflos gegenüber: Die Suche und Auswahl von geeignetem Personal ist eine Aufgabe, die viel Detailarbeit, Erfahrung und Fingerspitzengefühl erfordert. Oft fehlt es an der nötigen Zeit, um sich intensiv mit dem Ausschreibungs- und Bewerbungsprozedere zu beschäftigen. Außerdem werden mittelständische Unternehmen von unpassenden Initiativbewerbungen oder Bewerbungen mit Qualifikationslücken überflutet, für deren Bearbeitung die Ressourcen fehlen. Hinzu kommt, dass nicht jeder Mittelständler über eine eigene spezialisierte Personalabteilung verfügt. Ergebnis: Die Unterlagen landen bei der Geschäftsführung und blockieren andere Aufgaben.

 

Private Personalvermittler helfen bei Personalsuche
Eine Möglichkeit auch für mittelständische Unternehmen ist es, einen externen Dienstleister einzuschalten. Die privaten Personalvermittler kennen den Markt und haben einen Bewerberpool mit geeigneten Kandidaten, die auch kurzfristig zur Verfügung stehen. Im Beratungsgespräch können den Bewerbern dann auch die Vorzüge des Mittelstands nahegebracht werden. Denn gerade in mittelständischen und nicht so bekannten Unternehmen, die nicht selten sogar Marktführer in ihrer Nische sind, finden qualifizierte Berufseinsteiger oftmals ein Arbeitsumfeld vor, dass ihnen Global Player kaum bieten könnten: ein spannendes Aufgabengebiet mit hoher Entscheidungskompetenz, schnellere Aufstiegsmöglichkeiten und kurze Dienstwege. Dies sind Pfunde, mit denen kleinere Unternehmen bislang viel zu wenig wuchern.


Die Vermittlungsleistung privater Arbeitsvermittlung ist seit 1994 kontinuierlich gestiegen: Bis heute wurden dadurch insgesamt rund 600 000 Arbeitssuchende vermittelt. Laut Bundesverband Personalvermittlung (BPV) stiegen die Vermittlungen im Jahr 2006 durchschnittlich um 50 Prozent. Das Wachstum lag in 2007 ebenfalls im zweistelligen Bereich und der Trend soll sich fortsetzen. Auch in der Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit hat die private Personalvermittlung in den vergangenen Jahren kontinuierlich Fortschritte gemacht. Früher sahen sich beide als Wettbewerber, mittlerweile sehen sich beide als Partner. Die privaten Vermittler tragen wesentlich zur Beschleunigung des Abgleichs von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt bei. Es gibt Schätzungen, die besagen, dass die BA nur noch an rund einem Viertel der Vermittlungen beteiligt ist.


In der Regel werden den Kunden neben einer Auswahl von Basismodulen auch Leistungen wie Bewerbermanagement, Outplacement und Personalentwicklungsberatung angeboten. Über den gesamten Einstellungsprozess werden der Kunde und auch der Bewerber begleitet. Ausgangspunkt für die Personalvermittlung ist stets die Definition einer Stellenbeschreibung. Gemeinsam mit dem Unternehmen werden die Anforderungen präzisiert und ein Anforderungsprofil der zu besetzenden Stelle formuliert. Somit wird sichergestellt, dass der Personalvermittler ein genaues Bild von den fachlichen und persönlichen Kompetenzanforderungen hat und zielgerichtet den passenden Mitarbeiter findet. Dabei wird im Folgenden in erprobten Testsystemen festgestellt, welche Fähigkeiten die Bewerber tatsächlich haben und ob sie in das bestehende Team passen. Dadurch lässt sich nicht zuletzt auch das Risiko von Fehlbesetzungen minimieren. 



Thomas Schonscheck

Director

Permanent Placement

Manpower

Frankfurt am Main

Vorstandsmitglied

Bundesverband Personalvermittlung (BPV)

Bonn

schonscheckthomas@manpower.de




IHK-Projektgruppe Personalberatungen


In einem kleinen Initiativkreis, dem sieben Personalberater und -dienstleister angehörten, wurden mögliche Inhalte und Ziele einer IHK-Projektgruppe Personalberatungen ausgelotet. Klar war von Anfang an, dass die neue Projektgruppe sich mit aktuellen Trends befassen sollte. Also mit Globalisierung, neuen Medien, Migration und Demografie, aber auch mit regionalen und mittelständischen Themen. Aus diesen Gedanken wurde das Leitthema „The Next Society“ entwickelt. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist es, den Unternehmen in Veranstaltungen, durch Artikel im IHK WirtschaftsForum sowie auf den IHK-Internetseiten praxisrelevante Informationen und Tipps zu geben.


Was bedeutet dieser Wandel für Personalberater und welche Konsequenzen ergeben sich daraus, wie verhalten sich Angebot und Nachfrage und wie lässt sich eine Portfolio-Optimierung gestalten? Die in der Projektgruppe engagierten Personalberater wollen Antworten auf diese und andere Fragen, zum Nutzen der gesamten Branche und der im IHK-Bezirk zugehörigen Unternehmen. Die Projektgruppe wird durch das WZB Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung unter der Leitung von Prof. Jutta Almendinger unterstützt.


Dr. Wolfgang Koch, Geschäftsführer der S.U.P Societät für Unternehmensplanung, Frankfurt, moderiert die Treffen der Projektgruppe. Zur Auftaktveranstaltung erklärte er, dass es Aufgabe der Projektgruppe sei, sämtliche Bereiche der Personalberater und Personaldienstleisterszene abzudecken. Neben Vertretern der Executive-Search-Sparte sollten daher auch Unternehmen der Zeitarbeits-, Outplacement-, Personalentwicklungs- und Coachingbranche eingebunden werden. Mitglied in der Projektgruppe soll bei natürlichen Personen der IHK-Zugehörige, bei juristischen Personen sollen dies die zur gesetzlichen Vertretung Befugten sein.



Infos und Kontakt

Team Unternehmensförderung

IHK Frankfurt am Main

Starthilfe und Unternehmensförderung


IHK WirtschaftsForum
Mai 2008