Neue Dienstleistungsindustrie<br>Business Innovation Partnership

Beratung hat Zukunft. Nicht nur als Jobmotor, sondern vor allem als Pionier einer zunehmend global vernetzten Wissensgesellschaft. Dienstleistungen rund um den Globus integriert zu entwickeln, zu vermarkten und zu vertreiben und diese dabei auch noch zu optimieren, ist mittlerweile einer der Kerngeschäftsbereiche von Beratungshäusern und Dienstleistern. Insofern sind die Erfahrungen dieser Branche im Wachstumssegment „Wissensbasierte Dienstleistungen“ ein wichtiger intellektueller Beitrag zu den Herausforderungen, vor denen Deutschland steht.

Führende Analysten wie Lünendonk haben den aus diesen Entwicklungen resultierenden Änderungen in der Wertschöpfung sowie der Entstehung einer neuen Industrie einen Namen gegeben: Business Innovation Partnership. Was steckt dahinter? Der hohe Innovations-, Wettbewerbs- und Kostendruck zwingt derzeit Unternehmen aller Branchen mehr denn je, ihre Wertschöpfungs- und Kostenstrukturen intensiv zu überprüfen und umfassend neu zu organisieren. Dieser Trend wird sich auch in den kommenden Monaten und Jahren fortsetzen und auch bei der Umstrukturierung des Beratermarktes den Takt vorgeben.

Dabei wirkt neben der zunehmenden Globalisierung und der damit verbundenen Verlagerung klar definierter Prozesse in Niedriglohnländer insbesondere die Ausgliederung bestimmter Services aus den Konzernen in Shared Services-Organisationen als entscheidender Treiber. In vielen Branchen – beispielsweise Automobilindustrie, Textilund Elektronikindustrie – lässt sich beobachten, dass Wachstums- und Effizienzsteigerungen mit einer Kon-zentration auf den Teil der Wertschöpfung einhergingen, den das Unternehmen selbst am besten erstellen konnte. Alle anderen Teile der unterstützenden Prozesse wie etwa Personalmanagement, Controlling, Buchhaltung oder Einkauf werden durch spezialisierte Dienstleister übernommen.

Als unmittelbare Folge entsteht ein neuer Markt für Anbieter dieser Dienstleistungen. Dafür hat sich der Begriff „Business Innovation Partnership“ durchgesetzt. Der Name ist Programm: „Business“ steht für Geschäftsergebnisoptimierung und Projektmanagement-Know-how, „Innovation“ schafft Prozessopti-mierungen, über die in langfristigen Partnerschaften – bei Teilung von Risiken und Investitionen – Kostensenkungs- und Wachstumspotenziale realisiert werden. Innovationspartnerschaften als Kombination von Beratung und Betrieb begründen ein Modell der Zukunft.

Viele Unternehmen inner- und außerhalb Deutschlands nutzen bereits heute Out-, Co- und Netsourcing als strategische Instrumente, um mit Hilfe eines externen Partners eine fundamentale und ganzheitliche Veränderung im Unternehmen durchzuführen. Ziel ist in erster Linie, die Kernprozesse zu optimieren und die Organisation in die Lage zu versetzen, sich schnell und flexibel an die sich kontinuierlich verändernden Marktbedingungen anzupassen. Anders als bei einer singulären Auftragsvergabe optimiert der Business Innovation Partner gemeinsam mit dem Auftraggeber die ausgegliederten Prozesse. Diese Unternehmenskonzeptionen, die auf eine partner-schaftliche Auslagerung auch kerngeschäftsnaher, betriebswirtschaft-licher Bereiche oder vollständiger Geschäftsprozesse – inklusive der zugehörigen ökonomischen Verantwortung – zielen, gewinnen in Deutschland zunehmend an Bedeutung: Sie können die Investitions- und Innovationskraft sowie die Reaktions- und Transformationsgeschwindigkeit von Unternehmen signifikant erhöhen.

Hessische Unternehmen und die öffentliche Verwaltung können durch Prozessoptimierungen erhebliche Einsparungen realisieren und dabei gleichzeitig dem Standort Hessen treu bleiben. Bereits heute verfügt das Bundesland Hessen über ein breites Spektrum von Dienstleistern, die Geschäftsprozesse rund um IT, Buchhaltung und Controlling, Personalverwaltung, Logistik, Marketing sowie Forschung & Entwicklung übernehmen. Basierend auf Accenture-Analysen sowie Experteninterviews und Projekterfahrungen ist davon auszugehen, dass sich etwa die Hälfte der Unterstützungsfunktionen über Innovationspartnerschaften organisieren ließe. Allein die Top-100-Unternehmen in Hessen könnten dadurch in der Summe zwei Milliarden Euro einsparen. Macht – nach einer konservativen Schätzung – jedes fünfte Unternehmen mit, beliefe sich das Einsparungspotenzial auf 414 Millionen Euro.

Es ist also nicht zwangsläufig notwendig, Dienstleistungen jenseits der Grenzen einzukaufen. Eine Auslagerung an lokale Dienstleister in Hessen – eine Partnerschaft der kurzen Wege – reduziert zudem die Schnittstellenproblematik, schafft Effizienzgewinne und sichert Kostenvorteile. Beratung und Dienstleistung haben bereits heute eine außerordentlich hohe Bedeutung für den Standort FrankfurtRheinMain. Aufbauend auf der vorhandenen Infrastruktur in Dienstleistungsunternehmen und Beratungshäusern ließen sich über Business Innovation Partnerships Potenziale realisieren, die unternehmerisch sinnvoll sind und vor allem dem Standort nützen.


Karen Hoyndorf
Geschäftsführerin
Accenture, Kronberg

IHK WirtschaftsForum
März 2006
 
 

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