Umsetzungsberatung ist Pflicht

In unserer arbeitsteiligen Wirtschaft ist es mittlerweile selbstverständlich, externes Know-how zur Gestaltung notwendiger Veränderungsprozesse hinzuzuziehen. Eine schlanke Organisation ist in ihren unternehmerischen Aktivitäten ganz auf das Tagesgeschäft ausgerichtet und ergänzt dieses bei Bedarf durch Projektarbeit von externen Spezialisten auf Zeit. Gerade für mittelständische Unternehmen mit den meist knappen Personalressourcen bietet sich daher der Einsatz von qualifizierten Unternehmensberatern an.

Die Unternehmensberater in Deutschland können nach drei aufeinander folgenden Jahren mit schwächerer Branchenkonjunktur wieder eine deutlich anziehende Nachfrage nach Beratungsleistungen verbuchen: Im Jahr 2005 ist der Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 7,3 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro (2004: 12,3 Milliarden Euro) gestiegen. Die Investitionsbereitschaft auf der Klientenseite hat sich nach einem verhalten angelaufenen ersten Halbjahr 2005 im dritten und vierten Quartal positiv entwickelt und stabilisiert. Die Unternehmen planen auch wieder Budgets für Wachstumsprojekte ein.

Deutschlands Beraterstädte und –zentren

Anders als in den Consultingmärkten in Großbritannien mit London oder in Frankreich mit Paris, haben sich in Deutschland anstelle eines nationalen Zentrums mehrere regionale Zentren mit einer hohen Dichte an Beraterfirmensitzen gebildet. Da zahlreiche Beratungsgesellschaften bundesweit oder international für ihre Klienten tätig sind, ist eine gute Anbindung an die Verkehrsinfrastruktur von herausgehobener Bedeutung für ihre Standortentscheidung und nicht so sehr, ob die beratenen Unternehmen vor Ort ansässig sind.

Gut 23 Prozent der deutschen Unternehmensberatungen haben ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen, aus dem Bundesland Bayern sind knapp 20 Prozent der Marktteilnehmer für ihre Klienten tätig. Damit besitzen diese beiden Bundesländer mit Abstand die höchste Beraterdichte. Mit zur Spitzengruppe zählen auch Baden-Württemberg mit 13 Prozent sowie Hessen mit 11,4 Prozent. Bei der Analyse der urbanen Beraterdichte kristallisieren sich fünf Städte als Beraterhochburgen heraus, Frankfurt spielt hierbei eine wichtige Rolle. Auf 1000 Einwohner kommt in Düsseldorf etwa eine Beratungsfirma, in Frankfurt sind es 0,85 Beratungsfirmen, in München 0,74 und in Hamburg sowie in Stuttgart jeweils rund 0,5. Mit etwas Abstand folgt Köln mit 0,41. Die Bundeshauptstadt Berlin weist hingegen nur eine Firmendichte von 0,24 auf.

Wachstumsprojekte

Der Marktanteil des Beratungsfeldes Strategieberatung am Gesamtumsatz der Branche ist 2005 deutlich angestiegen. Er beträgt nun gut 30 Prozent nach 24,5 Prozent im vergangenen Jahr. Getrieben wurde diese Entwicklung hauptsächlich durch die gestiegene Nachfrage der Unternehmen nach wachstumsorientierten Beratungsprojekten, die auch durch die zunehmende Investitionsbereitschaft in Industrie und Wirtschaft erkennbar wird. Die Organisations- und Prozessberatung bleibt auch 2005 das größte Beratungsfeld, auch wenn der Anteil am Branchenumsatz auf 34 Prozent leicht zurückgegangen ist (2004: 35,5 Prozent). Verantwortlich ist die zurückgehende Klientennachfrage nach grundlegender Sanierungsberatung, die zuletzt – besonders seit 2001 – dynamisch angewachsen war.

Die Nachfrage nach IT-Beratungsleistungen hat sich 2005 im Vergleich zum Vorjahr rückläufig entwickelt. Der Anteil ging um 3,5 Prozent von 28,5 auf 25 Prozent zurück. Hierfür war die noch spürbare Investitionszurückhaltung der Klienten in den ersten beiden Quartalen verantwortlich, die auch vom anziehenden Geschäft des zweiten Halbjahres nicht ausgeglichen werden konnte. Gefragt waren im vergangenen Jahr IT-Beratungsthemen wie Risikomanagementsysteme, IT-Sicherheit, IT-Unterstützung von ganzheitlichen Dienstleistungsprozessen in den Unternehmen und maßgeschneiderte Lösungen im Zusammenspiel von Individual- und Standardsoftware. Auch der Marktanteil der Human-Resource-Beratung am Gesamtumsatz war 2005 leicht rückläufig. Er fiel um knapp ein Prozent auf 10,5 Prozent (2004: 11,5 Prozent).

Lean-Management

Deutlich mehr als die Hälfte der Nachfrage (57,8 Prozent) nach Beratungsleistungen verteilt sich auf zwei Klientenbranchen. Dabei ist seitens des verarbeitenden Gewerbes der Bedarf nach Unterstützung durch externe Spezialisten nochmals gestiegen. Rund 35 Prozent des Branchenumsatzes wird durch die Projektarbeit bei Firmen der klassischen Industrie erzielt, da hier der Druck – sowohl der Konzerne als auch der mittelständischen Unternehmen – zu höheren Kosteneinsparungen und verstärkten Innovationsanstrengungen besonders hoch ist. Zudem haben die notwendigen Anpassungen mitt-lerweile nach der Produktion auch in höherem Maße die Verwaltungseinheiten erreicht, so dass im Zuge der Lean-Management-Anstrengungen die Beratungsintensität zunimmt.

Die Nachfrage der Finanzdienstleister als zweitstärkste Klientenbranche hat 2005 ein leichtes Minus zu verzeichnen. Der Umsatzanteil sank allerdings nur geringfügig von 23 Prozent in 2004 auf 22,5 Prozent. Davon entfallen 12,0 Prozent auf Beratungsleistungen bei Kreditinstituten und 10,5 Prozent bei Versicherungen. Nach wie vor steht die Finanzdienstleistungsbranche unter gewaltigem Konsolidierungsdruck, der nach den zum Teil hohen Verlusten der vergangenen Jahre unter anderem zum Rückzug aus Geschäftsbereichen geführt hat. Die Investitionsbereitschaft bewegte sich daher auch 2005 auf schwachem Niveau. Durch den Auf- oder Wiederausbau des Privatkundengeschäftes, ein wieder erstarkendes Handelsgeschäft und ein anziehendes Investmentbanking wird aus Sicht des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) der Beratungsbedarf absehbar wieder ansteigen.

Umsetzungskompetenz ohne Alternative

Nach dem positiv verlaufenen Geschäftsjahr 2005 gehen die deut-schen Unternehmensberater auch mit Optimismus ins Jahr 2006. Über 80 Prozent der Beratungsgesellschaften prognostizieren für das neue Geschäftsjahr einen Umsatzzuwachs. Dem verbreiteten Optimismus der Branche liegt eine Reihe von Faktoren zu Grunde, deren Entwicklung zum Teil bereits 2005 erkennbar war. Neben den sich zur Daueraufgabe entwickelnden Kostensenkungsprojekten oder den Projekten zur Prozessoptimierung in den Unternehmen werden die strategischen Mergers & Akquisitionsaktivitäten nationaler und internationaler Unternehmen, die geplanten Neuemmissionen an der deutschen Börse und die steigenden Investitionen von Private-Equity-Firmen im Rahmen von Buy-out-Transaktionen zu steigender Beratungsnachfrage führen. Aber auch mit der stärker genutzten Alternative in Industrie und Wirtschaft, Wachstum über strategische Kooperationen und Allianzen zu erreichen, gehen vorbereitende und begleitende Beratungsprojekte einher. Der Zwang zur Internationalisierung im Mittelstand nimmt zu und damit die Notwendigkeit, fundierte Standortana-lysen durchzuführen, die Strukturen bei Lieferketten und Vertrieb zu gestalten oder mit gezielten Marketingaktivitäten die neuen Märkte zu erschließen.

Hohe Bedeutung wird seitens der Klienten dem Thema Umsetzungskompetenz beigemessen, wobei der Nachweis von realisiertem Nutzen und Nachhaltigkeit der Ergebnisse im Zentrum des Interesses steht. Damit steigen Anforderungen an die Unternehmensberater hinsichtlich Industrie-Know-how und Seniorität, aber auch der besonders geforderten sozialen Kompetenz in den Veränderungsprozessen. Für viele Beratungsfirmen wird die Herausforderung 2006 und in den kommenden Jahren darin bestehen, die Qualität ihrer Funktions- und Branchenspezialisten weiter zu steigern und deren Lösungskompetenz anhand von BestPractice-Beispielen zu dokumentieren, denn die eigene Positionierung im Markt wird immer entscheidender für den Markterfolg.   


Rémi Redley
Präsident
Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU, Bonn

IHK WirtschaftsForum
März 2006
 
 

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