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Vom Prüfer zum Zukunftsgestalter
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater im Spannungsfeld von Marktanforderung und Berufsrecht

„Wer sich nicht nach dem Markt richtet, wird vom Markt bestraft.“ Diese Worte des deutschen Nationalökonomen Wilhelm Röpke treffen mittlerweile auch auf Wirtschaftsprüfer (WP) und Steuerberater zu. Die Mandanten fordern nicht mehr allein die klassischen Dienstleistungen wie Abschlussprüfungen und die Anfertigung von Steuererklärungen. Wer mit der Entwicklung des Marktes Schritt halten will, muss weitaus mehr bieten: ein Rundum-sorglos-Paket und die Rolle des zuverlässigen Partners für die Zukunftsgestaltung des Unternehmens - und das in Harmonie mit dem geltenden Berufsrecht.

Der Gesetzgeber hat in den vergangenen Jahren eine wahre Flut von Regularien erlassen. Hier bewegen sich die Berufsangehörigen jedoch in einem hochkomplexen Spannungsfeld. Gerade bei Prüfungsmandaten gibt es die Tendenz – insbesondere, was gestaltende Beratungstätigkeiten angeht –, den Spielraum immer weiter einzuschränken. Getrieben sind diese Bestrebungen im Wesentlichen vom so genannten Selbstprüfungsverbot. Das heißt der Sorge, der Abschlussprüfer könnte gezwungen sein, einen Sachverhalt zu prüfen, den er selbst vorher gestaltet hat – so dass ihm eventuell die Objektivität fehlt, hier kritisch und unabhängig seine Meinung zu bilden.

Gänzlich unübersichtlich werden die Anforderungen im internationalen Umfeld. Bei global agierenden Unternehmen muss die prüfende WP-Gesellschaft die speziellen Vorschriften aller Länder (allen voran die in den USA im Rahmen der SEC) beachten: Ein völlig unbedeutender, aber unzulässiger Auftrag, irgendwo in der Welt bei einem Konzerntochterunternehmen durchgeführt, kann das gesamte Mandat weltweit gefährden. Die WP-Gesellschaften betreiben deshalb einen enormen organisatorischen Aufwand, um sicherzustellen, dass überall auf der Welt die Vorschriften eingehalten und weltweit mögliche Interessenskonflikte oder Beeinträchtigungen der Unabhängigkeit als Abschlussprüfer ausgeschlossen werden.

Aber gerade bei der Prüfung und Analyse von Geschäftsprozessen entstehen oft Ideen für eine Neugestaltung der Abläufe. Wesentlich für den Wirtschaftsprüfer ist hierbei, dem Prüfungsmandanten sein Wissen zur Verfügung zu stellen, ohne dabei seine Unabhängigkeit zu gefährden. Viele Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben deshalb interne Standards und Regularien entwickelt, die diese Problematik im Einzelnen regeln – unter Berücksichtigung des berechtigten Interesses des Prüfungsmandanten nach bestmöglicher Betreuung und Beratung.

Denn der Wirtschaftsprüfer ist auch Beratungspartner. Er kennt das Unternehmen, ist breit ausgebildet und aufgestellt – mit Branchenexpertisen in allen Feldern der Industrie und des Handels, im Krankenhausbetrieb, aber auch in der öffentlichen Verwaltung, die sich zunehmend betriebswirtschaftlichen Ansätzen – auch und insbesondere in der Rechnungslegung – öffnet. Da-zu verfügen die großen WP-Gesellschaften über die internationalen Erfahrungen einiger zehntausend Mitarbeiter in jeweils über 100 Ländern. Kleinere WP-Unternehmen fokussieren sich auf bestimmte Branchen und Märkte, hauptsächlich des Inlands, sowie auf Spezialaufgaben für die Wirtschaft und die öffentliche Hand.

Das „prüfungsnahe“ Beratungsfeld ist breit – ebenso wie die He-rausforderungen, denen sich Unternehmer wie Management stellen müssen. Wenn nach berufsständischen Grundsätzen wie auch nach nationalen und internationalen Regularien bestimmte Beratungsleistungen dort nicht erbracht werden dürfen, wo man auch prüft und testiert, greifen Unternehmen zunehmend auf Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zurück, die nicht im Unternehmen prüfen, aber über das gleiche Know-how und Netzwerk verfügen wie der eigene Abschlussprüfer.

Das ist einleuchtend: Denn wer prüft, findet Schwachstellen, erkennt Muster und Potenziale und kann daraus den Weg zum Klassenbesten ableiten. Wer international prüft, kann Bilanzierungsvorschriften, Steuersysteme und lokale (Finanz-) Marktstrukturen vergleichen und optimieren, aber auch neue Ideen und Partner in den heimischen Markt holen und begleiten – zum Beispiel an Unternehmenskäufen interessierte ausländische Investoren als so genannte strategische Investoren der gleichen Branche oder Finanzinvestoren wie Private Equity-Häuser. Für solche Unternehmenskaufs- oder Transaktionsprojekte werden Fragen des Steuerrechts, der Offenlegungspflichten oder Bilanzfolgen gestaltungsentscheidend.

Wirtschaftsprüfer, Anwälte und Steuerberater müssen hier nahtlos zusammenarbeiten. Deshalb haben nahezu alle großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gerade am internationalen Standort FrankfurtRheinMain auf Transaktionen spezialisierte Einheiten geschaffen, in denen das wirtschaftsprüferische und steuerliche Transaktions-Know-how gebündelt wird. Kommen noch angeschlossene Anwälte hinzu, ist das multidisziplinäre Beratungsteam aus einer Hand komplett.

Der laufende Umbau der Deutschland AG und der zunehmende Eintritt ausländischer (Finanz-) Investoren werden insbesondere den Transaktionsmarkt weiter beflügeln und den Wirtschaftsprüfungsunternehmen hervorragende Wachstums-chancen bieten, die diesen Markt multidisziplinär und spezialisiert bedienen können. An die Unternehmen werden aufgrund der sich wandelnden Finanzierungskultur – weg von der Hausbank-Fremdfinanzierung, hin zu neuen Finanzierungsinstrumenten wie Eigenkapital, Mezzanine- oder Asset-backed-Finanzierungen – höhere Transparenz- und Renditeanforderungen gestellt. Dies ist ebenfalls ein attraktives Beratungsfeld für die Wirtschaftsprüfer. Und eines ist gewiss: Der Standort FrankfurtRheinMain wird von dieser Dynamik überdurchschnittlich profitieren.


Matthias Beck
Partner, Ernst & Young, Revisions- und Treuhandgesellschaft
Eschborn

IHK WirtschaftsForum
März 2006


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