Die Standortanalyse

I. Der Standort


Bei der Gründung eines Unternehmens kommt der Wahl des Standorts eine herausragende Bedeutung zu. Vor allem im Einzelhandel, in der Gastronomie und bei sonstigen Dienstleistern, die sich an den Privatkunden wenden, kann schon der Standort für den künftigen Erfolg oder Misserfolg ausschlaggebend sein.


Jeder Existenzgründer sollte daher eine eigene Standortanalyse anstellen. Dazu können zunächst allgemeine Informationen aus Fachzeitschriften, Datenbanken, von Verbänden und statistischen Ämtern herangezogen werden.


Die eingeholten Informationen müssen aber auf jeden Fall um eigene Nachforschungen vor Ort ergänzt werden. Persönliche oder telefonische Gespräche mit potenziellen Kunden, Lieferanten, künftigen Wettbewerbern, lokalen Werbegemeinschaften, Stadt-/ Gemeindeverwaltungen und IHK können wertvolle Beiträge leisten.


Dazu gehört je nach Branche auch eine persönliche Beobachtung der Passantenströme. Nur etwa 10% der Einzelhandelskunden nehmen in der Regel Fußwege über 10 Gehminuten hinaus in Kauf. Autofahrer meiden Anfahrten, die länger als 30 Minuten dauern.


II. Vor allem folgende Standort-Faktoren sind zu beachten:


1. Bedarf


An welche Kunden wendet sich der Unternehmensgründer? Wie ist deren Bedarf einzuschätzen? Einwohnermeldeämter geben Auskunft über die Zusammensetzung der Bevölkerung. Anhaltspunkte lassen sich gegebenenfalls schon aus dem Sortiment der Mitbewerber gewinnen. Statistische Ämter verfügen über interessante Strukturmerkmale der Haushalte.


2. Kaufkraft


Das statistische Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland gibt Auskunft über die örtliche Kaufkraft. Attraktive Angebote im Umkreis können allerdings zu Kaufkraftabflüssen führen.


Die Gesellschaft für Konsumgüterforschung GfK, Nürnberg, stellt umfangreiche Untersuchungen an, die entgeltlich erworben werden können. Die Nielsen-Marktforschung, Frankfurt am Main, gibt eine sogenannte Kaufkraftkarte heraus, die darüber informiert, wie viel wofür wo im Bundesgebiet vom Kunden ausgegeben wird.


3. Konkurrenzsituation


Welche Mitbewerber sind bereits vertreten? Wie und zu welchen Preisen ist deren Produktpalette ausgerichtet? Wie gehen die Mitbewerber bei ihren Werbeaktionen vor?


4. Lage


Die Verkehrssituation muss angesichts der großen Mobilität der Kundschaft gebührend berücksichtigt werden. Für den Individualverkehr sind Parkplätze äußerst wichtig. Wie steht es um die Anbindung des öffentlichen Personennahverkehrs?


Eine hohe Passantendichte wie in Innenstadtlagen, Fußgängerzonen und Passagen ist sicher vorteilhaft. Damit sind jedoch immer höhere Laden- oder Büromieten verbunden, weshalb sorgfältig abgewogen werden sollte, ob eine 1a-Lage wirklich erforderlich ist. Die Nähe von Geschäften anderer Branchen mit hoher Kundenfrequenz, Arztpraxen oder Banken spricht für einen günstigeren Standort. Befinden sich Geschäfte mit ergänzendem Angebot in der Nähe, so dass Synergieeffekte genutzt werden können? Die Existenz von Verbrauchermärkten, Fachmärkten oder SB-Warenhäusern im Einzugsbereich wirkt sich je nach Beschaffenheit des eigenen Warensortiments negativ oder positiv aus.


Das produzierende Gewerbe ist auf gut ausgebaute Verkehrswege angewiesen. Die Gewerbesteuerbelastung hängt vom jeweiligen Hebesatz der Kommune ab. Bei ansonsten ähnlichen Rahmenbedingungen kann sich ein Vergleich lohnen.


5. Gewerberaum


Grundsätzlich muss eine Genehmigung zur gewerblichen Nutzung als Laden, Büro, Werkstatt oder Lager vorhanden sein. Über die zulässige Nutzung erteilt das zuständige Rathaus/Bauverwaltung Auskunft. Die Räumlichkeiten müssen den baurechtlichen Bestimmungen und der Betriebsstätten-Verordnung (z. B. Aufenthaltsraum für Personal) entsprechen. Ansprechpartner sind Berufsgenossenschaft und Staatliches Amt für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik. Fläche und Zuschnitt der Räume sollten sinnvoll zu nutzen sein. Bestehen gegebenenfalls Erweiterungsmöglichkeiten? Große Schaufenster sind immer vorteilhaft.


Soll das Unternehmen von einer Wohnung aus betrieben werden, ist die Zustimmung des Vermieters bzw. der Miteigentümer erforderlich. In der Regel ist eine Tätigkeit als Handelsvertreter, Schreibbüro usw. unproblematisch, sofern kein wesentlicher Publikumsverkehr damit verbunden ist. Eine intensive Nutzung könnte jedoch als Zweckentfremdung von Wohnraum unzulässig sein. Das Amt für Wohnungswesen beim Rathaus erteilt im Zweifel Auskunft.


Produzierende Betriebe müssen umfangreiche Umweltschutzbestimmungen einhalten.


Zu allen Fragen steht die Industrie- und Handelskammer als Ansprechpartner zur Verfügung.