Durchstarten mit der KfW

Damit der Start in die Selbstständigkeit gelingt, unterstützt die KfW Mittelstandsbank Gründer und junge Unternehmen nicht nur durch verschiedene Finanzierungsangebote, sondern auch durch Beratungen im Vorfeld der Gründung.

 

Das Gründungsgeschehen in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Zu Beginn des neuen Jahrtausends, während der Rezessionsjahre nach dem New Economy Boom, gab es einen Anstieg der Gründerzahlen. Doch zwischen 2003 und 2008 halbierten sich die Gründerzahlen nahezu. Nach einer kurzen Erholung in den Jahren 2009 und 2010 setzt sich dieser rückläufige Trend nun fort. Im Jahr 2012 haben in Deutschland rund 775 000 Personen eine selbstständige Tätigkeit begonnen. Dies ist der niedrigste Stand seit dem Jahr 2000.

 

Von der konjunkturellen Entwicklung und der Situation auf dem Arbeitsmarkt gehen wesentliche Effekte auf die Gründungsaktivität aus. Bei geringer Arbeitslosigkeit und guten Karrieremöglichkeiten in abhängiger Beschäftigung wird eine Selbstständigkeit als Erwerbsalternative weniger häufig in Betracht gezogen. Die seit dem Jahr 2005 tendenziell zurückgehenden Arbeitslosenzahlen reduzierten entsprechend den Druck, sich für eine Selbstständigkeit zu entscheiden. Zudem hat die Ausgestaltung des Instrumentariums zur Förderung der Selbstständigkeit durch die Bundesagentur für Arbeit Einfluss auf das Gründungsgeschehen.

 

Die Finanzierungsstruktur von Gründungen zeigte sich in den vergangenen Jahren relativ stabil. In 2012 benötigten rund zwei Drittel der Gründer finanzielle Mittel für den Start in die Selbstständigkeit. Das andere Drittel kam völlig ohne Mittel oder allein mit Sachmitteln – wie dem eigenen Auto oder Computer – aus. Besteht Finanzierungsbedarf für eine Existenzgründung, ist dieser oft gering: Bei rund der Hälfte aller Gründer, die eine Finanzierung genutzt haben, bleibt er unter 5 000 Euro.

 

Die Unterstützung von Existenzgründern und jungen Unternehmen ist ein zentrales Förderfeld der KfW. Seit dem vergangenen Jahr wird die KfW-Gründungsförderung vollständig aus den ERP-Mitteln des Bundeswirtschaftsministeriums angeboten. Das Finanzierungsangebot für Gründer reicht von Krediten über eigenkapitalverstärkende Nachrangdarlehen bis hin zu Beteiligungen an jungen Technologieunternehmen. Kredite und Nachrangdarlehen werden vom Gründer über ein Kreditinstitut seiner Wahl – in der Regel die Hausbank – bei der KfW beantragt.

 

Klassisches Fremdkapital (Kredite) für Gründer bietet die KfW mit dem Programm ERP-Gründerkredit an. Dieser ist umfassend einsetzbar, sodass damit alle möglichen Kosten und Arten einer Existenzgründung finanziert werden können, wie Investitionen und betriebsnotwendige Kosten inklusive Anlaufkosten. Es können zudem Vorhaben gefördert werden, bei denen die Existenzgründer ihre Selbstständigkeit zunächst nur als Nebenerwerb ausüben möchten oder die in der Vergangenheit einmal gescheitert sind.

 

Für die Finanzierung von Nachfolgeregelungen im Zuge von Übernahmen und Beteiligungen wird oftmals der ERP-Gründerkredit- Universell genutzt, da auch große Vorhaben – mit Einzelkrediten von bis zu zehn Millionen Euro – mitfinanziert werden können. Auch Festigungsmaßnahmen bereits bestehender Unternehmen innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren nach Gründung oder Änderung des Unternehmens (zum Beispiel Aufnahme eines neuen Gesellschafters in eine OHG) können finanziert werden.

 

In der typischen Neugründungssituation mit begrenztem Finanzierungsbedarf, aber vergleichsweise hohen Risiken, bietet sich die Variante ERP-Gründerkredit-StartGeld an: Dessen wesentliches Merkmal ist die 80-prozentige Haftungsfreistellung. Die KfW entlastet dadurch die Hausbank von einem Großteil der mit der Kreditvergabe verbundenen Risiken. Diese Haftungsentlastung wird von der KfW gemeinsam mit dem Europäischen Investitionsfonds (EIF) getragen. Im Ergebnis ist der ERP-Gründerkredit-StartGeld eine Komplettlösung für Gründer mit einem überschaubaren Fremdfinanzierungsbedarf bis maximal 100 000 Euro.

 

Gründern fehlen häufig ausreichende Sicherheiten und Eigenkapital. Gerade bei größeren Investitionsvolumina kommt eine Finanzierung in der Regel nur unter Einsatz von hinreichendem Eigenkapital zustande. Um dies zu ermöglichen, vergibt die KfW im Programm ERP-Kapital für Gründung Nachrangdarlehen an Existenzgründer, die nicht über einen ausreichenden Grundstock an Eigenkapital verfügen. Das Nachrangdarlehen wird dem Existenzgründer persönlich gewährt und ist von ihm eigenkapitalwirksam in sein Unternehmen einzubringen. Durch den Verzicht auf Besicherung, die lange Laufzeit von
15 Jahren, die lange tilgungsfreie Zeit von sieben Jahren, die Gewährung in der Privatsphäre des Gründers und die Nachrangigkeit im Insolvenzfall haben die Nachrangdarlehen eigenkapitalähnlichen Charakter. Sie verbessern das Rating und bilden die Basis für die günstigere Aufnahme von Fremdkapital.

 

Besonders schwer haben es meist junge, innovative Technologieunternehmen, die nicht nur mit hohen Markt- und Technologierisiken kämpfen, sondern zudem regelmäßig einen hohen Finanzierungsbedarf haben und daher verstärkt auf Finanzierungspartner angewiesen sind. Mit dem Programm ERP-Startfonds geht die KfW zusammen mit einem privaten Kapitalgeber im Kofinanzierungsmodell „pari passu“ Wagniskapitalbeteiligungen ein. Kleine Unternehmen, die höchstens zehn Jahre alt sind, können aus dem Programm maximal fünf Millionen Euro an Beteiligungskapital erhalten.

 

Die Motive für Gründungen sind vielfältig. Gründer nehmen mit dem Beginn einer Selbstständigkeit in der Regel eine persönliche Chance wahr. Sie möchten beispielsweise eine Geschäftsidee umsetzen, sehen eine Alternative zu abhängiger Beschäftigung, treten eine Unternehmensnachfolge an oder wollen als eigener Chef sich selbst verwirklichen. Sie tragen das Risiko, ob sich ihr Geschäftsmodell am Markt durchsetzen kann. Auch die Finanzierung durch Kapitalgeber ist kein Selbstläufer. Die oft kleinen Kreditgrößen, das noch nicht erprobte Geschäftskonzept und das Erfordernis zu speziellen Ratingverfahren stellen Finanzierungshemmnisse dar. Entsprechend muss eine Gründung wirtschaftlich durchdacht sein und die Finanzierungsplanung hohe Priorität genießen. Immer wieder zeigt sich: Wer sich vor und nach dem Gründen beraten lässt, dem bereitet der Start oft weniger Schwierigkeiten.

Existenzgründung bleibt – trotz oder gerade wegen der zurzeit eher geringen Gründerzahlen – ein zentrales Themenfeld der Wirtschaftsförderung in Deutschland. Die KfW bietet ein vielfältiges Finanzierungs- und Beratungsangebot für Gründer und kooperiert mit den Kammern in mehrfacher Hinsicht: Diese beurteilen im Rahmen des Programms ERP-Kapital für Gründung als fachlich kompetente Stelle die Gründungsvorhaben, sind Regionalpartner in der Beratungsförderung und ein wichtiger Multiplikator in der Vermittlung von Informationen und Know-how.

 

Autorin:

Dr. Katrin Leonhardt

Direktorin, KfW Mittelstandsbank, Frankfurt,

infocenter@kfw.de

 

 

 

IHK WirtschaftsForum,

Juni 2013