Serie Existenzgründung: "Helden des guten Geschmacks"

Serie Existenzgründung RoomHero 04|15

Die Goethe-Universität unterstützt Studierende bei der Gründung eigener Unternehmen. Ein Beispiel hierfür ist Roomhero: Die jungen Einrichtungsexperten sind angetreten, um den Möbelmarkt zu revolutionieren.

 

Lisa M. freut sich auf ihren neuen Job in Frankfurt. Dafür gibt sie ihr Leben in München auf und zieht in die Mainmetropole. Sie ist gespannt auf ihre neuen Kollegen, die unbekannte Stadt. Ihr graut es jedoch vor dem Einrichten ihrer neuen Wohnung. In ihrer Freizeit will Lisa M. nicht stundenlang durch Möbelhäuser irren, sondern lieber Frankfurt kennenlernen. Außerdem ist sie sich unsicher, in welchem Stil sie sich einrichten möchte.

 

Zugeschnittene Möblierungskonzepte

 

Zufällig hat Lisa M. von den Roomheros, den Raumhelden, gehört. Sie stellt online eine Anfrage und erhält kurze Zeit später ein auf ihre Wohnung zugeschnittenes Möblierungskonzept. Das kann sie sich bequem auf einer App in 3-D anschauen. In Echtzeit läuft sie dabei durch ihre Wohnung, kann Tische und Stühle verrücken und erleben, wie die neue Couch und Lampe in ihrem Wohnzimmer aussehen würden. Die vorgeschlagenen Möbel kann sie direkt online kaufen. Und weil sie zwei linke Hände hat, bestellt sie den Handwerker gleich mit.

 

„Dahinter steckt ein Algorithmus, der die Leistung eines Innenarchitekten online abbildet“, erläutert Daniel Kuczaj, Geschäftsführer, Roomhero. Die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden werden gezielt erfragt. „Am Ende können wir uns ein genaues Bild vom Kunden machen und ihm ein individuell auf ihn zugeschnittenes Einrichtungskonzept erstellen.“ Die vorgeschlagenen Möbel und Accessoires sind dabei alle vom Roomhero-Team ausgesucht und getestet. „Wir sind viel auf Messen unterwegs, um die Produkte mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden“, erzählt Mitgründer Dominik Schroeter.

 

Für jeden Geldbeutel etwas dabei

 

Vor der Marktreife des Produkts im Mai 2014 gab es einiges zu beachten. Zunächst galt es, den geeigneten Markt zu finden. „Wir wollten in einen Markt, der ein großes Volumen hat und einen unterdurchschnittlichen Onlineanteil. Dann haben wir uns noch das Wachstumspotenzial angeschaut.“ Am Ende habe der Möbel- und Einrichtungsmarkt alle Kriterien erfüllt, erklärt Kuczaj die Geburt der Geschäftsidee. Dann kam die Überlegung, dass jeder schön wohnen möchte, aber sich nicht jeder einen Innenarchitekten leisten kann. Auch die Zeit (oder Lust) für die Einrichtung einer Wohnung bringt nicht jeder auf. Die Gründer fragten sich: Warum muss das so sein? Und wie kann man das ändern? Die Geschäftsidee stand bald fest, nämlich einer breiten Masse Zugang zu einem Einrichtungsassistenten zu geben. „Der Vorteil ist, dass bei uns für jeden Geldbeutel etwas dabei ist“, so Kuczaj.

 

Mit dem Konzept liegt Roomhero voll im Trend des Webs 3.0, das den User an die Hand nimmt. Die unüberschaubare Fülle an Informationen im Netz wird so für den Kunden gefiltert und an seine Wünsche und Bedürfnisse angepasst zurückgegeben. Das Stichwort lautet Curated Shopping, eine Art betreutes Einkaufen. „Wir sind in Europa der erste Curated-Shopping-Anbieter für Möbel. Damit revolutionieren wir gerade den Möbelmarkt und die Art, wie Menschen einkaufen und sich einrichten“, sagt Kuczaj. Meistens fehle dem Kunden das räumliche Vorstellungsvermögen, „dafür gibt es uns“. Dem Kunden werde visualisiert, wie er tatsächlich wohnen wird. Und er bekommt die Leistung eines Innenarchitekten, ohne sie bezahlen zu müssen.

 

Das Goethe-Unibators Netzwerk

 

Bei den sechs Gründern von Roomhero verteilt sich das Know-how auf viele Köpfe. Ob Marketing, Vertrieb, IT oder Konzeption – für alles gibt es einen Experten. Gebündelt wird das alles in den Räumen des Goethe-Unibators. „Das ist eine tolle Anlaufstelle für Start-ups“, sagt Marketingchef Norbert Apostel. „Uns war die Nähe zur Uni wichtig, weil wir auch viel forschen.“ Da ist es zudem noch von Vorteil, dass einer der Mitgründer Professor am Institut für Informatik ist. Der Goethe-Unibator bietet dem Start-up die Möglichkeit, Räume zu vergünstigten Konditionen zu mieten. „Mehr monetäre Hilfe gibt es nicht. Aber viel wichtiger ist uns das Netzwerk und die Kontakte, die wir hier knüpfen und nutzen können“, sagt Diplom-Designer Norbert Apostel.

 

Beworben hat sich das Roomhero-Team bei einem Pitch, der zweimal jährlich an der Frankfurter Universität stattfindet. Das beste Konzept wird in den Goethe-Unibator aufgenommen. Dann steht erst einmal die Unternehmensentwicklung im Vordergrund. Die Idee soll wachsen und gedeihen. „Dafür ist das hier die ideale Umgebung. Das Know-how wird gebündelt und wir bekommen geistige Unterstützung, weil hier ein Start-up-Spirit herrscht“, sagt Kuczaj. Das zahlt sich aus: Im November hat Roomhero den mit 10 000 Euro dotierten Goethe-Innovationspreis gewonnen. Die Finanzspritze war sicherlich von Vorteil, denn bisher ist die Gründung komplett aus eigener Tasche finanziert worden.

 

Der B2B-Einrichtungsservice zur "Work-Life-Balance"

 

Und wie geht es weiter? Dem Roomhero-Konzept stehen viele Märkte offen. „Wir wollten uns eigentlich so lange wie möglich unter dem Radar halten. Aber inzwischen kommen die Anfragen von allen Seiten“, sagt Kuczaj. Der größte Teil des bisherigen Kundenstamms liegt im B2B-Bereich. Viele Konzerne unterhalten eigene Mitarbeiterwohnungen, die sie ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Diese Appartements sollen geschmackvoll, jedoch kosteneffizient eingerichtet werden. Darüber hinaus stellen viele Unternehmen ihren Mitarbeitern den Roomhero-Einrichtungsservice zur Verfügung. „Auf diese Weise können Unternehmen die Motivation, Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern und deren Work-Life-Balance verbessern.“ Sie müssten ihre Wochenenden nicht in überfüllten Möbelhäusern verbringen und bekämen am Ende trotzdem eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung, so Kuczaj.

 

Hier sehen die Raumhelden noch viel Potenzial, ebenso im Bereich der Immobilienentwicklung, wo Roomhero seinen Geschäftskunden zusätzlich zu seinen Einrichtungsleistungen auch eine 3-D-Visualisierungssoftware anbietet, mit der potenzielle Mieter oder Käufer einer Immobilie diese bereits vor Realisierung virtuell durchlaufen und diverse Parameter wie Möblierung, Bodenbeläge oder Wandfarben sehen oder verändern können.

 

In diesem Jahr will das junge Frankfurter Technologie-Start-up richtig durchstarten. Hierfür sind die sechs kreativen Köpfe noch auf der Suche nach Investoren aus der RheinMain-Region. Denn dem Standort wollen sie auf jeden Fall treu bleiben. Da halten sie es nicht wie der Rest der Deutschen, denn die sind laut Aussage von Roomhero Umzugsweltmeister. Eigentlich die beste Voraussetzung für den Erfolg der „Helden des guten Geschmacks“.

 

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