Serie Existenzgründung: „Ich habe es einfach gemacht“

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​​Trotz vieler negativer Meinungen wagte Sevinc Yerli den Schritt in die Selbstständigkeit. Heute ist die Mutter von drei Kindern eine erfolgreiche Designerin und froh, diesen Schritt gegangen zu sein.


Sevinc Yerli ist 36 Jahre alt, gebürtige Türkin, Mutter von drei Kindern, gelernte Make-up-Artistin und Stylistin. Seit 14 Jahren reist sie einmal im Jahr für ein paar Wochen nach Los Angeles (LA), um die neuesten Modetrends kennenzulernen. In Venice Beach entdeckt sie einen Laden, der nur T-Shirts verkauft. Yerli gefallen die Oberteile so sehr, dass sie nach ihrer Herkunft recherchiert. Im LA Fashion District kommt sie mit Herstellern ins Gespräch, sieht, welche Möglichkeiten es gibt und wie die Shirts produziert werden. Ihre Inspirationen nimmt sie mit zurück nach Deutschland und beschließt, ihre ganz eigene Kollektion entstehen zu lassen. Das war vor gut eineinhalb Jahren. Mittlerweile hat sich ihr Label ChiliBangBang im deutschen Markt etabliert. Den Stil ihrer Kollektionen beschreibt sie selber als „ein bisschen Streetstyle und Glamour zusammengefügt, in hoher Qualität und für jede Figur geeignet“.

 

Gute Qualität für jedermann

 

Yerli liegt die Qualität der Kleidungsstücke sehr am Herzen. Nachdem sie die ersten Shirts in LA produzieren ließ, entschied sie sich doch für eine Produktionsstätte in Europa. Nicht nur die Einfuhr nach Deutschland, der Versand und die große Entfernung waren ein Problem, sondern auch die Stoffe, die Verarbeitung und die Beschaffenheit der Kleidungsstücke. Zurück zu ihren türkischen Wurzeln, lässt sie die T-Shirts schließlich in Istanbul produzieren, um ihren Kunden einen europäischen Standard zu gewährleisten. „Ich wusste, dass die Textilindustrie in Istanbul sehr gut ausgebaut ist“, so Yerli.

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Der Besuch verschiedener Messen in Deutschland, der Türkei, Frankreich und Italien brachte ihr wichtige Kontakte, die sie als Neuling in der Branche gut nutzen konnte. Ein Jahr lang hat sich Yerli in die Materie eingearbeitet, alles über die Stoffherstellung, die Produktion, den Verkauf und das Marketing gelernt. Die größte He­rausforderung auf dem Weg in die Selbstständigkeit war nicht die zu erlernende Masse an Informationen, sondern, die negativen Meinungen anderer zu vernachlässigen. Viele Menschen in ihrem Umfeld haben Yerli von diesem Schritt abgeraten. „Ich habe mein Ziel sehr genau vor Augen gehabt, die negativen Meinungen nicht an mich rangelassen und es einfach gemacht“, sagt sie.

 

Ein Name mit Geschichte

 

Der Name war schnell gefunden. Bang Bang ist ihr Lieblingslied von der Sängerin Nancy Sinatra und Chili steht für die Emotion, die in einer Frau ausgelöst wird, wenn sie eines ihrer Shirts trägt. Das Logo ließ ebenfalls nicht lange auf sich warten. Die bewusst gewählte Schriftart American Captain stellt die Verbindung zum Herkunftsland ihrer Idee dar.

Auch die professionellen Beratungsleistungen von Jumpp – Frauenbetriebe oder der IHK Frankfurt waren für die Gründerin enorm hilfreich. Hier lernte sie unter anderem, ihren Businessplan zu schreiben und zu verstehen. „Der Businessplan war nicht nur ein Vorzeigemittel für Banken, sondern auch mein Wegweiser“, sagt Yerli. Weiterhin holte sie sich bei diesen Einrichtungen auch alle Informationen über Förderungen, wie beispielsweise für Messen, Kredite oder Existenzgründerprogramme. „Auf dem Weg in die Selbstständigkeit ist die IHK für mich unverzichtbar gewesen“, betont sie.

Die junge Mutter brachte im Mai 2014 ihre erste T-Shirt-Kollektion nur mit eigenem Kapital heraus. Yerli versuchte von Anfang an, unternehmerisch zu handeln, das heißt, sie hält ihre Fixkosten bewusst so gering wie möglich. „Ich habe keine großen Büroräume und arbeite viel mit Freelancern, da ich nur das mache, was ChiliBangBang auch erlaubt.“

 

T-Shirts für jede Figur

 

Das Besondere an ihren Oberteilen ist neben dem extravaganten Design die Größe. Yerli bietet lediglich eine Konfektionsgröße an. Durch Bündchen, Kordeln oder andere Funktionen lassen sich die T-Shirts individuell an die Figur anpassen. Die Mutter von drei Kindern weiß, wie schwer es für eine Frau sein kann, ein T-Shirt zu finden, das richtig passt. „Ich wollte etwas machen, was langlebig und nicht abhängig von Lebensphasen ist, sondern die Frau auf eine lange Zeit begleitet“, sagt die Designerin.

Yerli profitierte schnell von den gewonnenen Messekontakten und ihrer Vertriebsstrategie, die Ware selber den Geschäften anzubieten. Bereits nach kurzer Zeit hatte sie ihre erste Mitarbeiterin, die ihr vor allen Dingen bei den Designs und der Entwicklung zur Seite steht. Mittlerweile besteht ihr Team aus sechs bis sieben Mitarbeitern, die zum Teil bei ihr angestellt sind oder auf freiberuflicher Basis für sie arbeiten. Auch auf ihre Grafiker, die Künstler aus verschiedenen europäischen Ländern sind und die ihre Ideen mit neuen Inspirationen kombinieren, ist sie stolz. Im Februar brachte sie dann ihre zweite Kollektion auf den Markt. Diese besteht weiterhin nur aus T-Shirts, was auch zukünftig so bleiben soll. Mitbewerber hat Yerli viele, aber Angst vor ihnen hat sie keine: „Sie inspirieren mich und ich hoffe, ich inspiriere sie.“ Ihre Vorbilder sind neben den Modedesignern Coco Chanel oder Marc Jacobs, deren Philosophie sie teilt, auch Philipp Plein, da er ebenfalls aus Nürnberg stammt und den internationalen Durchbruch geschafft hat.

Um den Vertrieb und das Marketing kümmert sich Yerli selber, da ihr diese Arbeit viel Vergnügen bereitet. Um die Distribution ihrer Kollektion europaweit auszubauen, arbeitet sie zukünftig mit einer Agentur zusammen. In Deutschland vertreibt sie die T-Shirts über ihren eigenen Internetshop und 30 Modeboutiquen. Werbung schaltet sie fast ausschließlich über soziale Netzwerke. „Ich glaube, dass das die Zukunft ist. Vom ersten Tag an war ich auf allen Kanälen aktiv“, erklärt sie.

 

Vorteile durch Vergangenheit

 

Um ihre Mode online und auf Messen professionell zu präsentieren, finden mehrmals im Jahr größere und kleinere Fotoshootings statt. Als gelernte Make-up-Artistin und Stylistin hat sie bereits jede Menge Erfahrung in diesem Bereich. Durch ihre Arbeit an der Famous Face Academy in Frankfurt, an der sie auch Schüler im Bereich Fotoshooting unterrichtet hat, sammelte sie Kontakte zu Fotografen, von denen sie heute noch profitiert. Neben den großen Shootings zum Start einer Kollektion macht die 36-Jährige auch gerne kleinere Shootings mit Nachwuchsfotografen: „Wir promoten uns gegenseitig und profitieren beide davon.“

Die nächsten Schritte bei ChiliBangBang sind nun der europaweite Vertriebsaufbau, und die Bekanntheit der Marke zu steigern. In fünf Jahren möchte Yerli mit ihren Kollektionen international in mehreren Ländern der Welt vertreten sein. Ihr Wunsch ist es, „dass ChiliBangBang viele Frauen überzeugt, selbstbewusst zu sein, sich zu lieben und sich nicht von Klischees einschüchtern zu lassen“.

 

 

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