Serie Existenzgründung: Energie vom Baum des Lebens

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Tadios Tewolde, Geschäftsführer von Moringreen, hat in diesem Jahr den dritten Platz beim Gründerwettbewerb der Stadt Frankfurt belegt. Tewolde ist ein Sammler. Er sammelt Informationen, Eindrücke und Kontakte und schafft es, diese für den Aufbau seines noch jungen Unternehmens zu nutzen. Seine Herkunft und seine berufliche Erfahrung spielen ihm dabei in die Karten. „Rund ein Jahr hat es von der Idee bis zur Umsetzung von Moringreen gedauert. Seit 2013 ist das Produkt Moringa auf dem Markt“, sagt der Unternehmer. Dabei handelt es sich um ein naturbelassenes Nahrungsergänzungsmittel, das unter anderem die Entgiftung des Körpers unterstützt sowie bei Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsschwäche hilft.

Der studierte Ökonom ist in Eritrea geboren und hat schon einige berufliche Stationen hinter sich gebracht. Er arbeitete unter anderem für die Europäische Zentralbank, die Bundesbank und die Welthandelsorganisation WTO in Genf. In Chile hat er ein Auslandssemester absolviert und im Anschluss arbeitete er für die Delegation der Europäischen Kommission. „Irgendwann fühlte ich mich nicht mehr so vital und die Arbeit füllte mich nicht mehr aus. Ich wollte etwas mit Mehrwert machen“, so der Unternehmer über seine Sinnkrise.

 

"Back to the roots"

 

Was lag da näher, als zu seinen eritreischen Wurzeln zurückzukehren: „Meine Großmutter war eine geachtete Naturheilkundlerin, mein Vater Leiter eines Klinikums in Eritrea.“ Und mit der Wirkungsweise des über jahrhundertealten Baumes Moringa wuchs Tewolde praktisch auf. Da war es nur konsequent, dass er sich diese Expertise zunutze machte. „Vielen Menschen, die im Beruf stehen, geht es ähnlich wie mir. Der berufliche und der Alltagsstress zehren an ihren Nerven. Die Widerstandskraft des Körpers leidet.“ So wurde die Idee für das Unternehmen Moringreen geboren, das Moringa als Nahrungsergänzungsmittel vertreibt.

 

Gesagt, getan? Doch so einfach war es nicht. Denn die Wertschöpfungskette ist komplex. Viel Recherche, zahlreiche Reisen und Gespräche waren bis zur Markteinführung von Moringa notwendig. Von der Bürgschaftsbank Hessen hat Tewolde mit Unterstützung der IHK Frankfurt eine Finanzierung erhalten. Das BIEG Hessen hat ihn bei der Webseitengestaltung beraten. „Der Weg war manchmal steinig“, sagt er rückblickend. Eritrea stellte sich beispielsweise als nicht geeignet für den professionellen Anbau von Moringa heraus, da schlicht und einfach die Infrastruktur fehlte. Seine Wahl fiel letztendlich auf Äthiopien.

Seit der Gründung des Unternehmens hat Tewolde zwischenzeitlich einen geschäftlichen Kontakt zu 134 Farmern aufgebaut. „Solch eine Kooperative ins Leben zu rufen, war alles andere als leicht und hat einige Zeit gedauert.“ Zuerst habe er die Alten des Dorfes, dann die Farmer und die lokale Politik mit ins Boot geholt und ihnen von seiner Idee, Moringa in Äthiopien anzubauen und in Deutschland zu vermarkten, erzählt. Anschließend habe er die Farmer geschult und ihnen gezeigt, wann und wie man die Blätter des Moringa-Baumes am besten pflückt und trocknet. Nur zwei Mal im Jahr werden die Blätter des mehrere Meter hohen Baumes geerntet. „Um den Nährstoffgehalt der Blätter zu bewahren, pflücken wir nicht öfter“, erzählt Tewolde. „Ein Baum ist wie ein Mensch. Er muss erst wachsen und vitalisieren, damit er Nährstoffe abgeben kann.“

 



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Im getrockneten Zustand werden die Blätter anschließend nach Deutschland gebracht, wo sie weiterverarbeitet und veredelt werden. Dank moderner Anlagen und Herstellungsverfahren werden die Blätter schonend pulverisiert und anschließend in Kapseln gefüllt. „Diese Kapseln stellen eine gleichmäßige Dosierung des Nahrungsergänzungsmittels sicher.“ Grundsätzlich können die Moringa-Blätter nämlich auch getrocknet als Tee, frisch im Salat oder die Samen gepresst als Öl verwendet werden. Der Vertrieb durch Moringreen erfolgt über Apotheken und via Onlinehandel. Heilpraktiker sollen künftig eine weitere Vertriebsschiene bilden.

Nahrungsergänzungsmittel sind vor allem in Deutschland und in den USA weiter auf dem Vormarsch. Rund ein Viertel der Deutschen nehmen Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Nach Angaben der Marktforschungsfirma IMS Health erwirtschaftete die Industrie im Jahr 2010 damit mehr als 900 Millionen Euro. In den USA waren es zuletzt 16 Milliarden Euro. Von diesem Markt profitiert auch Tewolde. Zwar gebe es schon Moringa-Produkte in Deutschland zu kaufen, allerdings seien diese im Unterschied zu Moringreen nicht fair gehandelt und auch nicht unbedingt Made in Germany. „Zehn Farmer, mit denen ich zusammenarbeite, sind zudem bereits biozertifiziert. Der rein biologische Anbau erfolgt nach strengen Kriterien.“

 

Die Kraft der Natur

 

Die Pflanze wird in Afrika auch Vitaminbaum genannt. Diese Bezeichnung des Volksmunds kommt nicht von ungefähr, denn Moringa soll 18 der 20 Aminosäuren enthalten, eine Vielzahl an Antioxidantien, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Ein wahres Wundermittel der Natur also. Zahlreiche Studien haben sich bereits damit befasst. „Im Unterschied zum Samen ist das pulverisierte Moringa geschmacksneutral.“ Moringa könne aber noch viel mehr, fügt Tewolde hinzu. In Afrika filterten die Menschen beispielsweise Wasser mithilfe des Samens. Zwei bis drei Samen auf einen Liter Wasser, und in ein paar Minuten sei es zu 90 Prozent von Keimen und Schmutzpartikeln befreit.

Tewolde will sein Unternehmen weiterentwickeln: „Aktuell bin ich in Gesprächen für ein Crowdfunding.“ Hierbei stellen beispielsweise Investoren Kapital zur Finanzierung bestimmter Projekte zur Verfügung. Zum Crowdfunding wird meist im Internet aufgerufen. „Zudem werde ich die Biozertifizierung der Farmer weiter vorantreiben und nach Möglichkeiten suchen, um frische Moringa-Blätter nach Deutschland zu importieren.“ Der Baum biete zudem die Möglichkeit, aus dem Samen Moringaöl zu gewinnen. Doch bis es so weit ist, braucht es noch etwas Zeit. Denn mit herkömmlichen Verfahren könnten derzeit nur rund 15 Prozent als Öl gewonnen werden.

 

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