Auslandsbanken: Vom Wettbewerb profitieren

Das Zusammentreffen von deutschen Banken und Auslandsbanken stimuliert den Wettbewerb. Denn Letztere ergänzen mit ihrer meist stärkeren Kapitalmarktorientierung das Leistungsangebot der heimischen Institute.

 

Frankfurt ist der Platz in Deutschland, an dem es mehr Banken ausländischer Herkunft als Inlandsbanken gibt: Von den 221 Banken am Standort sind 156 Töchter oder Niederlassungen von Auslandsbanken; 38 ausländische Institute sind zumindest mit einer Repräsentanz vertreten. Beachtlich ist dabei das hohe Maß an Kontinuität, mit dem die Institute ihre Präsenz in Frankfurt verfolgen. Auch im Zuge der Krise waren mit Ausnahme von fusions- oder übernahmebedingten Abgängen keine nennenswerten Verluste zu verzeichnen. Auch steigt das Geschäftsvolumen der in Frankfurt vertretenen Auslandsbanken trotz der schwierigen Rahmenbedingungen an den Kapitalmärkten – von 409 Milliarden Euro in 2011 auf 486 Milliarden Euro in 2012. Damit erreichen sie – gemessen an der Bilanzsumme – einen Marktanteil von gut zwölf Prozent; vor 30 Jahren waren es noch vier Prozent.

 

Der Standort Frankfurt ist bei Auslandsbanken deshalb so attraktiv, weil sie von dort den Zugang zur stärksten und krisenfestesten Volkswirtschaft der Europäischen Union für die Entwicklung ihrer Geschäfte nutzen können. Immerhin wird in Deutschland für 2013 ein – wenn auch geringes – Wirtschaftswachstum prognostiziert, wohingegen in der EU ein Rückgang von 0,2 Prozent erwartet wird. Gerade für Banken, deren Heimatmärkte weniger stark von der Industrie geprägt sind, gewinnt der deutsche Markt an Attraktivität durch die enge Verbindung der Finanzindustrie mit der sogenannten Realwirtschaft. Hinzu kommt ein eher politisches, schwer messbares Argument: Frankfurt ist mit dem Sitz der EZB und anderer Institutionen eine Art Kompetenzzentrum für die Regulierung der Finanzindustrie. Dieser Aspekt gewinnt mit der Bankenunion und der Beförderung der EZB zur Aufsichtsbehörde für die großen europäischen Banken noch an Gewicht.

 

Viel wichtiger als die Frage nach den Standortvorteilen ist aber die Frage nach den Vorteilen, die Kunden von der starken Präsenz der Auslandsbanken haben. Zunächst: Bankbeziehungen auf mehrere Adressen zu verteilen, das entspricht schlicht dem unternehmerischen Grundsatz einer vernünftigen Diversifikation. Genauer betrachtet sind es aber vor allem die großen Herausforderungen der Internationalisierung, die Auslandsbanken auch für die deutsche mittelständische Wirtschaft zunehmend interessant machen. Denn trotz der jüngsten Entwicklungen wie der europäischen Staatsschuldenkrise und nachlassender Dynamik in China: Am großen Trend, dass eine Teilhabe an prosperierenden Märkten nur über die Internationalisierung des Geschäfts erreichbar ist, ändert sich wenig.

 

Ebenso wenig mangelt es an Instrumenten für die Erschließung von chancenreichen Märkten für den Außenhandel. Ein differenzierter Blick auf die Außenhandelsstatistik zeigt jedoch: Das Potenzial für die entscheidenden Wachstumschancen deutscher Unternehmen liegt nicht dort, wo dank der einheitlichen Währung die Abwicklung am einfachsten ist. Diese Verschiebung in der Bedeutung der Exportmärkte führt notwendigerweise zu der Frage nach den wichtigen und notwendigen Bankdienstleistungen.

 

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist bei internationaler Vernetzung außerhalb des Euroraums das Management von Währungsrisiken. Die Absicherungsinstrumente dafür liefern vor allem internationale Banken, die auf allen Märkten zu Hause sind. Auch bei der Beurteilung von Risiken hilft die internationale Perspektive. So kann etwa bei einer Lieferantenfinanzierung ein internationales Haus durch die Kenntnis der lokalen Marktverhältnisse, lokaler Produktionsstrukturen sowie einzelner Zulieferer einen Mehrwert bieten. Kapitalstärke und Internationalität einer Bank kommen den Unternehmen zugute, wenn es darum geht, Transaktionsrisiken mitzutragen. Dies gilt für große Übernahmen oder Infrastrukturprojekte ebenso wie für kleine und mittlere Unternehmen.

 

Generell nehmen mit zunehmender Komplexität des Geschäfts die Risiken zu. Ein wirksames Risikomanagement zu etablieren, gehört deshalb auch für mittlere Unternehmen zu den größten Herausforderungen. Es geht darum, eine Kultur des Risikobewusstseins auf allen Entscheidungsebenen zu etablieren. Vor allem wenn es um ganzheitliches Risikomanagement geht, haben die während der Finanzkrise gemachten Erfahrungen dafür gesorgt, dass Banken hier mittlerweile Beratungsexpertise bieten können.

 

Um langfristige Stabilität und Wachstum zu sichern, stellen Unternehmen ihre Finanzierung zunehmend breiter auf und öffnen sich auch stärker den Kapitalmärkten. Dies bedeutet nicht zwangsläufig den Abschied vom klassischen Bankkredit. Der spielt mit seiner Flexibilität und den Möglichkeiten einer optimalen Abstimmung auf die Kundenbedürfnisse nach wie vor eine entscheidende Rolle im Finanzierungsmix. Auf diesem Feld dominieren weiterhin die deutschen Banken, Sparkassen und Volksbanken. Unter den 25 Häusern mit den größten Engagements im Kreditgeschäft mit Firmenkunden sind jedoch immerhin 13 Auslandsbanken zu finden.

 

Nicht zuletzt wegen der steigenden Eigenkapitalanforderungen an die Banken wird die Finanzierung der Unternehmen über den Kapitalmarkt künftig zunehmen. Dabei kommt es noch stärker auf die intelligente und durchdachte Zusammenstellung aller zur Verfügung stehenden Instrumente an. In den nächsten drei bis vier Jahren stehen im Emea-Raum hohe Volumina an Refinanzierungen an. Was den deutschen Unternehmen dabei hilft, ist ihr starkes Kreditprofil. International stark vernetzte Banken sind in der Lage, die Refinanzierung zu diversifizieren – nach Märkten, Währungen und Investorengruppen.

 

Dasselbe gilt für die Platzierung von Eigenkapital: Die Platzierungskraft einer international vernetzten Bank kann eine Kapitalerhöhung deutlich erleichtern. Das gilt auch für eigenkapitalbezogene Instrumente wie Hybrid- und Wandelanleihen. Viele Unternehmen steuern ihre Verbindlichkeitsprofile auch dadurch, dass sie bereits begebene Anleihen zur Verlängerung des Laufzeitenprofils zurückkaufen oder umtauschen. Unternehmen brauchen weltweit vernetzte und in komplexen Finanzierungen erfahrene Banken, um diese Instrumente gewinnbringend für sich einzusetzen.

 

Je unsicherer die Kapitalbeschaffung über die Fremd- und Eigenkapitalmärkte, umso mehr gewinnt die Eigenfinanzierungskraft durch ein überlegtes Management der Betriebsmittel an Bedeutung. Das vorübergehende Austrocknen der kurzfristigen Kapitalmärkte oder die substanzielle Verteuerung von Kreditlinien haben die Absicherung und Optimierung der unternehmensinternen Liquidität über regionale Cash-Management-Konzepte, sogenannte Inhouse Banks, und die zentrale Steuerung des Zahlungsverkehrs in den Blick gerückt. Generelles Ziel solcher Instrumente ist es, Prozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen sowie einer stringenten Kostenkontrolle zu unterwerfen. Dies kann dadurch erreicht werden, dass in Wachstumsregionen – wie beispielsweise Asien – bestehende lokale Bankverbindungen bei einer global tätigen Bank zusammengeführt und die internen Cash-Management- und Treasury-Funktionen vereinheitlicht werden.

 

Künftig wird es verstärkt auf das Zusammenspiel der einzelnen Wertschöpfungsstufen und -orte ankommen: Waren- und Zahlungsströme werden von den jeweiligen Interessenlagen und Entscheidungsfaktoren der Beteiligten gesteuert und bestimmen wiederum die bestmöglichen Umschlagplätze, Liquiditätsanforderungen und Kapitalsammelstellen. Ein derart verstandenes Netz reflektiert sich am besten in der Aufstellung einer internationalen Bank. Die zunehmende Integration der internationalen Finanzsysteme ermöglicht eine effizientere Verteilung von Kapital und sorgt so für mehr Wachstum.

 

 

Autorin:

Dr. Ingrid Hengster

Mitglied des Vorstandes

KfW Bankengruppe

 

 

 

                                                                           IHK WirtschaftsForum,

                                                                                                  Juni 2013