Finanzplatz Frankfurt
Mit vereinten Kräften

Als sich im August das Land Hessen, die Stadt Frankfurt, das Bankhaus Metzler, Commerzbank, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Dresdner Bank, DZ Bank, Frankfurter Sparkasse, Helaba, Morgan Stanley Bank Deutschland und Volksbank Frankfurt zur Initiative Frankfurt Main Finance zusammenschlossen, ahnte kaum jemand, wie dramatisch sich die Finanzkrise im Herbst verschärfen und vor welch große Herausforderungen sie den Finanzplatz Frankfurt stellen würde.

Gleichwohl sind die Ziele, die sich die Initiatoren damals auf die Fahnen geschrieben hatten, von der Krise nicht überholt worden. Im Gegenteil, sie sind wichtiger und richtiger denn je. Der Finanzplatz Frankfurt – und damit auch der Finanzplatz Deutschland – wird die Krise nicht nur meistern, sondern sogar gestärkt aus ihr hervorgehen, wenn alle wichtigen Akteure an einem Strang ziehen. Und eben diese Bündelung der Kräfte war ja das Motiv zur Gründung von Frankfurt Main Finance.

Zugegeben: Hohe Verluste bei deutschen Banken, daraus resultierender Stellenabbau und staatliche Rettungspakete – das scheinen auf den ersten Blick nicht die Fakten zu sein, aus denen eine überzeugende Finanzplatz-Story zu stricken ist. Werden jedoch Ursprung, Verlauf und Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise analysiert, dann ist zu erkennen, dass sie dem Finanzplatz Frankfurt in der Tat die Chancen bietet, seine Wettbewerbsposition zu verbessern und dass die Initiativen von Frankfurt Main Finance dafür das Fundament legen.

Beginnen wir beim Ursprung der Krise. Der Ausgangspunkt der Finanzkrise lag in den USA, nicht in Deutschland. Die Subprime-Krise wurde durch eine zu laxe Kreditvergabe in Kombination mit einer expansiven Geldpolitik und einer extrem niedrigen Sparquote der US-Bürger erst ausgelöst. Die massenhafte Verbriefung und der Verkauf dieser faulen Immobilienkredite hat aus der Subprime-Krise eine globale Finanzkrise gemacht. Da sich auch deutsche Banken – wenn auch in deutlich geringerem Maße als die amerikanischen und britischen Institute – an diesen risikoreichen Geschäften beteiligt haben, hat die Krise vor dem Finanzplatz Frankfurt nicht haltgemacht. Doch anders als in den angelsächsischen Ländern gab es in Deutschland keine Immobilien-Blase und die Sparquote der Bundesbürger ist traditionell hoch. Das deutsche Wirtschaftssystem ist im Kern gesund. Die Probleme Deutschlands sind daher nicht mit denen der USA oder Großbritanniens zu vergleichen. Und so verwundert es nicht, dass in New York und London bislang wesentlich mehr Arbeitsplätze im Finanzbereich abgebaut wurden als in Frankfurt.

Finanzplatz Frankfurt: Im internationalen Vergleich gut geschlagen
Trotzdem steht natürlich auch unser Finanzplatz vor großen Herausforderungen. Auch die deutschen Institute haben in den vergangenen Jahren teils gravierende Fehler begangen. Ohne ein koordiniertes Vorgehen der Branche und ohne Hilfe des Staates wird die Krise nicht zu meistern sein. Das bisherige Krisenmanagement gibt Anlass zum Optimismus. Die deutsche Politik hat sehr schnell und entschlossen reagiert und so das Vertrauen der Bürger in das Finanzsystem erhalten. Weder sind in Deutschland Banken zusammengebrochen noch haben sich Schlangen vor den Bankfilialen gebildet. Aber auch die Finanzbranche selbst hat sich während der dramatischen Entwicklung des vergangenen Herbstes im internationalen Vergleich gut geschlagen. Dank ihrer stabilen Infrastruktur und ihres führenden Handelssystems musste die Frankfurter Börse – im Gegensatz zu manch anderer ausländischen Börse – den Handel trotz des immensen Orderaufkommens nie aussetzen. Und nach wie vor gibt es in Deutschland aufgrund unseres Drei-Säulen-Systems und des bewährten Hausbank-Prinzips keine Kreditklemme. Die Statistiken der Bundesbank und der EZB sprechen hier eine klare Sprache – auch wenn in den Medien oft ein anderes Bild gezeichnet wird.

Richtet man den Blick nach vorne, so zeichnet sich ab, dass diejenigen Finanzplätze gestärkt aus der Krise hervorgehen werden, die Stabilität, Innovationskraft und technischen Fortschritt in einen Dreiklang bringen können. Dass der Finanzplatz Frankfurt das Potenzial dazu hat, zeigt das Finanzplatzbarometer der Frankfurt School. Das Finanzplatzbarometer wird vierteljährlich erhoben und gibt so einen objektiven Überblick über die Stärken und Schwächen des Finanzplatzes. Gute Werte trotz Krise verzeichnet das Barometer etwa bei den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie bei der Stabilität des Bankensystems.

Die Initiativen von Frankfurt Main Finance zielen darauf ab, diese Stärken herauszuarbeiten und international zu vermarkten. Dazu baut Frankfurt Main Finance auf die Vernetzung mit bereits bestehenden Aktivitäten unter dem Dach von Frankfurt Main Finance. Der Sentiment Index des Center for Financial Studies und das Finanzplatzbarometer der Frankfurt School ergänzen sich und sind die Grundpfeiler seines Finanzplatzmonitorings. Dieses Prinzip der Bündelung unter einer Dachmarke lässt sich besonders anschaulich auch an der im Dezember vergangenen Jahres vereinbarten Kooperation der Finanzstandorte Frankfurt und Moskau zeigen.

Vorhandene Kräfte am Standort bündeln
Der aufstrebende Finanzplatz Moskau musste in den vergangenen Monaten schmerzlich erfahren, auf welchen Feldern er noch Nachholbedarf hat – nämlich vor allem in den Bereichen Wirtschaftsrecht, Regulierung und Finanzaufsicht, Infrastruktur und Organisation der Wertpapiermärkte sowie Forschung und Lehre. In all diesen Bereichen kann der Finanzplatz Frankfurt exzellentes Know-how in die Kooperation einbringen. Exemplarisch seien hier Institutionen und Unternehmen wie die Deutsche Bundesbank und die Deutsche Börse sowie als Forschungs- und Bildungseinrichtungen das House of Finance und die Frankfurt School of Finance & Management genannt. Im Gegenzug lockt Moskau als Tor zum russischen Markt mit einem hohen Geschäftspotenzial für deutsche Unternehmen. Dementsprechend gehört der Ausbau des Geschäfts mit Osteuropa zu den Schwerpunkten der Vereinsarbeit.

Aufbauend auf bestehenden Kontakten zwischen der Stadt Frankfurt, dem Land Hessen und der Stadt Moskau bietet nun Frankfurt Main Finance die zentrale Serviceplattform für diese Kooperation. Dieses Modell lässt sich auch auf andere Kooperationen übertragen, denn die Herausforderungen, vor denen etwa die Finanzplätze im nahen Osten stehen, sind denen Moskaus sehr ähnlich. Gespräche haben bereits stattgefunden und noch in diesem Jahr sind erste Ergebnisse zu erwarten.

Bei allem berechtigten Optimismus für die Zukunft des Finanzplatzes Frankfurt, darf eines aber nicht vergessen werden: Die Konkurrenz schläft nicht. Die anderen europäischen Finanzplätze, wie etwa Paris oder London, erhalten seit jeher massive staatliche Unterstützung. Daran wird auch die Finanzkrise nichts ändern, im Gegenteil. Der Bund tut sich hingegen aufgrund unserer föderalen Struktur traditionell schwer damit, die führende Rolle des Finanzplatzes Frankfurts anzuerkennen und ihm eine ähnliche Unterstützung zukommen zu lassen. Umso wichtiger ist es, den Schulterschluss zu suchen und die hier am Standort vorhandenen Kräfte zu bündeln. Wäre Frankfurt Main Finance nicht bereits im August gegründet worden, müsste diese wichtige Initiative spätestens jetzt erfunden werden.     


Dr. Lutz Raettig
Sprecher des Präsidiums
Frankfurt Main Finance
Aufsichtsratsvorsitzender
Morgan Stanley Bank
Frankfurt am Main


Link

Weitere Infos online unter www.frankfurt-main-finance.com.


IHK WirtschaftsForum
April 2009