Biomasse - Gefragte Alternative

Was früher nur dem Bürger auf dem Land mit seinem Holzofen oder in der Holzindustrie bekannt war, wird heute als eine wirtschaftliche und klimaschonende Option im Bereich der dezentralen Wärmeversorgung mit Nahwärmenetzen angesehen. Insofern werden dezentrale Biomasseanlagen künftig nicht nur Teil der Energieversorgung sein, sondern ein wesentliches Standbein der Grundversorgung mit Wärme darstellen.

 

Im Bereich der zentralen und dezentralen Wärmeerzeugung werden in Deutschland zurzeit überwiegend fossile Brennstoffe (Gas, Kohle, Erdöl) eingesetzt. Der Anteil der Biomasse ist noch immer sehr gering. 2010 betrug nach Angaben des Bundesumweltministeriums der Anteil der Biomasse am Endenergieverbrauch in Deutschland 10,2 Prozent. Für das Bundesland Hessen stellt der Abschlussbericht des hessischen Energiegipfels im November 2011 fest, dass der Biomasse als regenerativem Energieträger im Rahmen der Energiewende in Hessen eine hohe Bedeutung an der Energieerzeugung zukommen kann. Im Vergleich zu den Verbrauchsdaten von 2008 (sieben Terawattstunden) ist nahezu eine Verdopplung der Energieerzeugung denkbar. Das bedeutet, dass weiteres Potenzial für den zukünftigen Ausbau der Wärmeerzeugung mit Biomasse in Hessen vorhanden ist.

 

Im Rahmen der Privatisierung der Energieversorgung hat sich das Energie-Contracting im Bereich der dezentralen Wärmeversorgung mit nachwachsenden Rohstoffen zu einer am Markt nachgefragten Alternative entwickelt. Die auf Energieversorgung spezialisierten Unternehmen bieten dabei verschiedene Modelle an. Kennzeichnend für alle Angebote ist, dass Energieversorgungskonzepte passgenau auf die Bedürfnisse des Kunden entwickelt werden, welche auf dessen spezifische Bedingungen eingehen und die aktuellen Regelungen und Gesetzesvorgaben miteinbeziehen.

 

Der Contractor übernimmt den Bau und den Betrieb der Anlage und trägt damit auch die daraus resultierenden Risiken. Es wird eine zuverlässige und preisstabile Versorgung gewährleistet. Das beinhaltet auch Spitzenlasten und die Absicherung von Störfällen. Die Betriebssicherheit für den Unternehmer steigt und die Liquidität des Unternehmens wird geschont. Contractoren verfügen über Erfahrung in der Projektentwicklung und im Betrieb von Energieanlagen. Dieses Know-how nutzt dem Wärmekunden bei der Planung und dem Betrieb von Energieanlagen, weil der Contractor seine Anlagen mit neuer und effizienter Technik betreibt und entsprechend bemüht sein wird, diese beständig zu optimieren.

 

Ein besonderer Vorteil der Biomasse ist, dass die Kosten durch den Einsatz regionaler Biomasse als Energieträger kalkulierbar werden. In diesem Zusammenhang wird die Betriebsdauer neuer, dezentraler Energieanlagen zur Wärmeversorgung auf 15 bis 20 Jahre geplant. Weiterhin reduziert der Einsatz regenerativer Energieträger den CO2-Ausstoß und verbessert die CO2-Bilanz der im Unternehmen hergestellten Produkte. Der CO2-Footprint lässt sich somit in der Kommunikation zum Kunden nutzen. Für Unternehmen bietet er die Chance, sich gegenüber den Wettbewerbern inhaltlich abzugrenzen.

 

Holz, als wichtigste Form der Biomasse, ist ein erneuerbarer Energieträger. Er ist gut lagerfähig und behält seine gespeicherte Energie so lange, bis sie im Verbrennungsprozess genutzt wird. Neben Holzhackschnitzeln aus Waldholz und der Landschaftspflege werden Holzpellets eingesetzt. Eine Alternative zu Holz ist aus biogenen Reststoffen (Grünschnitt und Landschaftspflegematerial) hergestellte Biokohle. Hierbei handelt es sich um einen homogenen Biobrennstoff. Er hat einen hohen Brennwert, ist dauerlagerfähig und im Rahmen der energetischen Nutzung (ebenso wie Holzhackschnitzel und Pellets) CO2-neutral. Die Risiken der energetischen Nutzung von Biomasse sind im Vergleich zu den fossilen Brennstoffen sehr gering und entfalten keine langfristigen Belastungen. Die Aufbereitung, der Transport, die Lagerung und die Verbrennung von Biomasse sind risikoarm.

 

Trotz des hohen Waldanteils von 42 Prozent in Hessen, ist hier die Biomasse nur begrenzt für die energetische Nutzung verfügbar. Dies hat dazu geführt, dass ein damit einhergehendes Versorgungsrisiko von Biomasseheizwerken über langfristige Lieferverträge und die unternehmerische Einbindung der Biomasseproduzenten aufgefangen wird. Darüber hinaus ist die Organisation der Logistik vom Feld oder aus dem Wald in das Biomasseheizwerk häufig eine Kernkompetenz der am Markt tätigen Unternehmen.

 

Der Aufbau neuer und der Ausbau bestehender Nahwärmenetze mit einer zentralen Energieerzeugung bringt Standortvorteile für Kommunen und Unternehmen in Wohn- und Gewerbegebieten im Altbestand und ermöglicht Neuansiedlungen. Die Nutzung eines Nahwärmenetzes und einer gemeinsamen Energieerzeugung erhöht den Komfort für die Wärmekunden. Die Verwendung von Kombianlagen – das heißt Biomasse in der Grund- oder Mittellast und dazugeschaltete Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen auf Basis von Erdgas oder Erdöl – stellen eine solide Alternative dar, um einerseits die Energiekosten mittelfristig planbar zu gestalten und um andererseits die Versorgungskontinuität sowie die Verbesserung der CO2-Bilanz zu gewährleisten.

 

Im Planungsprozess ist es besonders wichtig, das Risiko sich ändernder Wärmeabnahmemengen zu berücksichtigen. Modulare oder containerbasierte Anlagenkonzepte bieten in diesem Fall Möglichkeiten, die Fragestellung im Vorfeld zu lösen. Allerdings ist nach der Planung und dem Bau der Heizzentrale und des anschließenden Nahwärmenetzes sicherzustellen, dass die kalkulierten Wärmemengen auch kontinuierlich benötigt und abgenommen werden, da andernfalls die spezifischen Wärmekosten steigen.

 

Unternehmen und Liegenschaften mit einem hohen Wärmebedarf und größere Einzelobjekte mit Heizanlagen über 900 Kilowatt und einem Alter der Heizanlagen von zehn Jahren und älter sind besonders prädestiniert für einen Umstieg auf eine Biomasseheizanlage. Je älter somit die Heizanlage ist, desto wirtschaftlicher ist ein Umstieg auf Biowärme. Neben dem Alter und der Leistung der Heizanlage ist ein wichtiges Kriterium der hohe und kontinuierliche Wärmebedarf. Bei diesen Kunden werden die Energiekostenvorteile und CO2-Einsparungen durch den Einsatz regenerativer Energieträger am deutlichsten messbar sein. Darüber hinaus bietet das Contracting eine ständige Versorgungssicherheit, die Übernahme aller Bau- und Betriebsrisiken und die Gewähr, dass stets neueste, effiziente Technik zum Einsatz kommt.       

 

Autor

 

Jobst Kühn von Burgsdorff

Geschäftsführer, MBS LignaTherm, Hofheim

 

IHK WirtschaftsForum

Juli 2012

 

IHK Hessen innovativ

IHK Hessen innovativ

Unsere Newsletter

Umwelt-InfoInnovationsnachrichtenBiotech-NewsletterBIEG-Newsletter

Industrielle Abfallwirtschaft

Industrielle Abfallwirtschaft