Industrie - Rohstoffsektor wiederbeleben

 

Die deutsche Industrie wird langfristig ohne die nötigen Rohstoffe nur schwer konkurrenzfähig bleiben. Allerdings gilt Deutschland – abgesehen von den allgemein bekannten Kohle-Lagerstätten im Ruhrgebiet – gemeinhin als rohstoffarmes Land, dessen Volkswirtschaft umso mehr auf intellektuelles Kapital angewiesen ist. Doch angesichts der Rohstoffknappheit zeichnet sich ein Umdenken ab. Deutschlands Automobilindustrie beispielsweise, einer der größten Arbeitgeber des Landes, setzt stark auf das Thema Elektromobilität. Lithium-Ionen-Batterien sind notwendig als Energiespeicher für Elektrofahrzeuge. Außerdem werden diese Batterien auch als Speichermedium für Solarsysteme genutzt. Daher ist es kaum verwunderlich, wenn im sächsischen Erzgebirge ein Tochterunternehmen des deutschen Konzerns Solarworld nach Lithium bohrt. In der Nähe des Erzgebirgsortes Altenberg läuft aktuell das Explorationsprogramm.

 

Darüber hinaus suchen deutsche, kanadische und südafrikanische Unternehmen im Erzgebirge nach Zinn. Der Zinnbergbau in und um Altenberg geht zurück bis ins 15. Jahrhundert. In der ehemaligen DDR wurde in der Lagerstätte Altenberg zwischen 1986 und 1990 eine Jahrestonnage von etwa einer Million Tonnen Roherz abgebaut. Nach der Wende wurde der Betrieb jedoch eingestellt. Aufgrund der positiven Preisentwicklung von Zinn in jüngster Vergangenheit und verbesserter Aufbereitungsmethoden könnte sich ein Abbau wieder lohnen.

 

Im nordwestsächsischen Storkwitz befindet sich eine Lagerstätte der Seltenen Erden. Zu den Seltenen Erden gehört auch das Element Neodym, welches für den Bau von Hochleistungsmagneten für zum Beispiel Windkraftanlagen benötigt wird. Lanthan ist ein anderes Element der Seltenen Erden, das sich in der Batterie eines Hybrid-Autos wiederfindet. Diese und weitere Elemente der Seltenen Erden befinden sich in der genannten Lagerstätte. Ob deren wirtschaftlicher Abbau möglich sein wird, werden die Explorationsaktivitäten des Heidelberger Unternehmens Deutsche Rohstoff zeigen.

 

Mit der Technischen Universität Bergakademie Freiberg verfügt Sachsen über die älteste montanwissenschaftliche Bildungseinrichtung der Welt. Die Bergakademie versteht sich als Ressourcen-Universität: Im Sommer 2011 wurde das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie gegründet. Es wird gemeinsam durch das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und die TU Bergakademie Freiberg aufgebaut und vom Bundesforschungsministerium jährlich mit bis zu fünf Millionen Euro unterstützt. Mit der Gründung des Ressourcentechnologie-Instituts setzt die Bundesregierung eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag um. Sie bündelt dadurch strategisch wichtige Forschungskompetenzen zur Sicherung der Rohstoffversorgung der deutschen Wirtschaft.

 

In einem ganz anderen Teil Deutschlands, dem Münsterland, bohrt ein nordamerikanischer Ölkonzern nach Erdgas. Weitere deutsche sowie britische Unternehmen haben sich Explorationsrechte in dieser Region gesichert. Zumeist handelt es sich um sogenannte „unkonventionelle Lagerstätten“ zur Förderung von Kohleflözgas (CBM / Coal bed methane). Die Besonderheit von CBM-Projekten ist, dass künstlich Fließwege für das Gas geschaffen werden. Die RWTH Aachen betreibt ein Forschungsprojekt im Münsterland im Bereich CBM – mit dem langfristigen Ziel, eine Lagerstätte zu erschließen. Bei dem Projekt steht nach Angaben der RWTH Aachen der Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund. In den USA oder Australien ist das Thema CBM nicht neu, hierzulande befindet sich die Förderindustrie diesbezüglich noch im Anfangsstadium. Jedoch werden die Potenziale als signifikant eingeschätzt.

 

Die genannten Projekte zeigen, dass sich etwas tut im Rohstoffsektor Deutschlands. Um die Rohstoffinteressen der deutschen Industrie zu fördern und die weitere zukünftige Abhängigkeit von Lieferländern wie Russland (Gas) oder China (Seltene Erden) zu mindern, wurde die Rohstoffallianz gegründet. Mithilfe der Rohstoffallianz soll die Versorgung der deutschen Industrie mit Rohstoffen aus aller Welt gefördert werden. Zwölf der größten deutschen Industrieunternehmen sind Mitglieder der Allianz und gleichzeitig deren Gesellschafter. Die Rohstoffallianz will sich bei der Erschließung und Ausbeutung von Rohstoff-Vorkommen weltweit engagieren. Bei der Beschaffung auf internationalen Märkten wollen die Gesellschafter gemeinsam auftreten, um die Abnahme für die deutschen Industrieunternehmen zu bündeln. Diese Initiative wird von der Bundesregierung unterstützt und vom Bundesverband Deutscher Industrie in der Anfangsphase koordiniert.

 

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Rohstoffbeschaffung für die deutsche Industrie entwickeln wird, aber die Signale sind positiv. Denn nicht nur für die Großkonzerne Deutschlands ist das Thema Rohstoffe und deren Beschaffung von enormer Wichtigkeit, auch mittelständische Unternehmen (zum Beispiel Automobilzulieferer) werden zukünftig nur erfolgreich sein, wenn die notwendigen Rohstoffe zu vernünftigen Preisen zur Verfügung stehen. Die Bundesrepublik Deutschland importierte 2008 Rohstoffe im Wert von 126,7 Milliarden Euro. Die genannten Initiativen und Projekte werden diesen Betrag zwar nicht deutlich senken können, aber sie sind dazu geeignet, den Rohstoffsektor Deutschlands wiederzubeleben.   

  

 

Autor

 

Franci KnezeviC

Rechtsanwalt, Continents Consulting Services,

Frankfurt,

knezevic@continents-cs.com

 

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Juli 2012

 

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