Monitoring - Rohstoff Wasser

 

Wichtige Standortfaktoren der Industrie sind neben der Verkehrslage zu Rohstoffquellen oder Absatzmärkten, neben der Infrastrukturausstattung sowie der Steuer- und Abgabenhöhe der Kommune vor allem die Kosten für die Energieversorgung. Dazu zählen nicht allein die derzeit in den Medien oft angeprangerten Strom- oder Gaspreise, sondern auch die Höhe der Wasser- und Abwasserkosten. Um Transparenz zu erzeugen sowie die lokale und regionale Diskussion über die Wassergebühren und -preise voranzutreiben, haben die hessischen Industrie- und Handelskammern zum dritten Mal nach 2005 und 2009 die Gebühren und Preise für Frisch- und Abwasser untersuchen lassen.

 

 

Die Wasserversorgung in Hessen erfolgt durch etwa 400 verschiedene privat-rechtliche sowie öffentlich-rechtliche Wasserversorgungsunternehmen, die 426 hessische Städte und Gemeinde versorgen. Das Ergebnis der Studie „Frisch- und Abwassermonitor für das Bundesland Hessen” zeigt, dass es große Unterschiede zwischen den Standorten in Hessen gibt. Die Kosten für Frischwasser variieren von der günstigsten zur teuersten Kommune um 435 Prozent, die Kosten für Abwasser um etwa 390 Prozent.

 

Die großen Unterschiede bei den Preisen und Gebühren für Wasser und Abwasser führen dazu, dass ein typischer Industriebetrieb im Bereich der Oberflächenbehandlung (Galvanikunternehmen) mit einem Wasserbedarf von etwa 25 000 Kubikmetern pro Jahr und einem Abwasseraufkommen von etwa 20 000 Kubikmetern im Durchschnitt 127 500 Euro für die Versorgung und Entsorgung zahlen muss. Je nach Standort fallen im günstigsten Fall 63 000 Euro an, in der teuersten Kommune sind es 192 000 Euro. Die Preise beziehungsweise Gebühren für eine typische Großbäckerei mit einem Wasserverbrauch von 18 000 Kubikmetern pro Jahr und einem Abwasseraufkommen von 17 500 Kubikmetern liegen zwischen 53 000 und 156 000 Euro.

 

 

Im Bezirk der IHK Frankfurt gehen die Preise beziehungsweise Gebühren für Frisch- und Abwasser um circa 125 Prozent auseinander. Für Unternehmen fallen in der Stadt Frankfurt die günstigsten Kosten für Frisch- und Abwasser an, in der Gemeinde Grävenwiesbach die höchsten Kosten. Im hessenweiten Vergleich führt Frankfurt die Rangliste auf den oberen Plätzen an. Auch wenn das Land Hessen mit seinen Frisch- und Abwasserpreisen leicht unter dem deutschen Durchschnitt liegt, besteht eine vollkommen überzogene Spreizung der Preise und Gebühren zwischen den Kommunen.

 

 

Eine höhere Transparenz auf dem hessischen Wassermarkt ist dringend erforderlich. Die kommunale Wasserver- und -entsorgung muss auf den Prüfstand. Naturräumliche Gegebenheiten, ökologische Rahmenbedingungen sowie Alter und Zustand der Versorgungsnetze sind externe Einflussfaktoren, die Einfluss auf Kostenstrukturen und damit die Preisbildung haben. Unabhängig davon sind die Kommunen aber aufgefordert, ihre Kosten zu prüfen und effizientere Strukturen aufzubauen. Durch interkommunale Kooperationen und Bündelung von Kompetenzen können Synergien bei der Erstellung und beim Betrieb von Netzen und Anlagen genutzt werden und Kostenvorteile an die Kunden weitergegeben werden. Auch eine stärkere Wahrnehmung der Aufgaben der Kommunalaufsicht durch das hessische Innenministerium kann nach Meinung der Industrie- und Handelskammern die interkommunale Zusammenarbeit voranbringen und mittelfristig auch zu einer Gebührensenkung führen. Nur so kann die Qualität des Gewerbe- und Industriestandortes Hessen weiter gehalten werden.  

 

 

Autor

 

Detlev Osterloh

Geschäftsführer,
IHK Frankfurt, Innovation und Umwelt

d.osterloh@frankfurt-main.ihk.de

 

IHK WirtschaftsForum

Juli 2012

 

 

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