Goldgräberstimmung vor den Toren Shanghais


Nach Angaben von Bernd Reitmeier, stellvertretender Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Shanghai, haben sich 1 900 der knapp 4 000 deutschen Unternehmen, die in der Volksrepublik China engagiert sind, in der Region Shanghai angesiedelt. Davon allein knapp 1 000 in der Millionenmetropole. Es sind Repräsentanzbüros, Beteiligungen an chinesischen Firmen oder eigene Niederlassungen.

Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie sehr das boomende Shanghai im Fokus von mittelständischen deutschen Unternehmen steht. Im Gewerbegebiet von Pudong, wo sich der zweite internationale Flughafen Shanghais befindet, und entlang der 30 Kilometer langen Transrapid-Strecke entstehen fast täglich neue Hochhäuser und Betriebsstätten. Eine spürbare Dynamik. Über die Autobahn gelangt der Besucher in das 2 500 Jahre alte, gut 100 Kilometer westlich gelegene, 5,8 Millionen Einwohner zählende Suzhou, es besteht zudem eine exzellente Verkehrsanbindung ins Umland. Unter den 16 800 Unternehmen in Suzhou mit ausländischer Beteiligung zählen 108 zu den Top 500 internationalen Unternehmen.

Ob in Suzhou, Changzhou, Taicang, Wuxi oder Wujing: Überall vor den Toren Shanghais gibt es ansprechende und verkehrstechnisch gut angebundene Gewerbeparks. Deren Geschäftsführer und Mitarbeiter werben engagiert um ausländische Investoren – mit der Vision, „beste Fertigungsstätte der Welt für die Welt“ zu werden. Allein in Taicang, am Yangtse-Fluss gelegen, sind in einem deutschen Gewerbepark zirka 64 deutsche Firmen-Niederlassungen – vorwiegend aus Süddeutschland – angesiedelt.

Deutsche Unternehmen haben in China ein hohes Ansehen. Sie haben mit ihrer Wirtschafts- und Technik-Logik für die Chinesen Vorbildcharakter. Die bewundern deutsches Organisationsgeschick, hohe Leistungsansprüche, deutsche Technologie- und Engineering-Kompetenz und Arbeitseffizienz. Deutsche Firmenvertreter – beispielsweise von Bosch Rexrodt (Changzhou), Interprint-China Decorative Materials, Karl Mayer Textile Machinery, Schaeffler oder Woco Group – äußern sich zufrieden über die Standortbedingungen und Arbeitszeiten in China.

Wenn die vor Ort tätigen deutschen mittelständischen Unternehmen auch von unterschiedlichen strategischen Überlegungen geleitet werden, so wiederholen sich die Argumente der Manager für ein Engagement in der Volksrepublik China. Sie wollen vom rasanten Wachstum des chinesischen Marktes mitprofitieren. Als Original Equipment Manu-facturer-Hersteller für die Automobil-industrie ist die Integration einiger Teilprodukte in die Wertschöpfungskette der Systemhersteller vor Ort unerlässlich. Zudem wollen sie die hohen Local Content-Vorgaben der Regierung erfüllen. Auch ist die erfolgreiche Teilnahme an zahlreichen Ausschreibungen nur über ein eigenes Unternehmen vor Ort möglich. Die deutschen Unternehmen wollen zudem die Kostenvorteile bei der Fertigung in China nutzen, sofern der Arbeitsanteil an den erzeugten Produkten einen nennenswerten Anteil hat. Gleichzeitig wird betont, dass umfassende Innovationsentwicklungen nicht in China, sondern in Europa durchgeführt werden. Dies ist ein Weg, um dem Risiko der Produktpiraterie in der Volksrepublik China wirksam vorzubeugen.   


Prof. Horst Schmidt-Bischoffshausen
Executive Advisor, Science & Technology
EBD Euro Business Development, Neubiberg
IHK Frankfurt am Main
International

IHK WirtschaftsForum
Dezember 2006