Wachstumsregion Südchina
Attraktive Möglichkeiten für ausländische Investoren in den neuen Schlüsselbranchen

 
Die Wirtschaft Südchinas, besonders des Perlflussdeltas, ist seit Jahren durch eine enorme Dynamik gekennzeichnet und bietet auch ausländischen Unternehmen attraktive Möglichkeiten. Dennoch steht die Region vielfach nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, wenn deutsche Unternehmen über die Expansion ihrer Geschäftstätigkeiten in China nachdenken. Dabei boomt die Provinz Guangdong mit der Hauptstadt Guangzhou und der Sonderwirtschaftszone Shenzhen in vielen Bereichen.
 
Guangdongs Wirtschaftswachstum erreichte in der ersten Jahreshälfte 2006 wieder 14 Prozent und lag damit 3,5 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Die neuen Schlüsselbranchen, die für das Wachstum im Perlflussdelta zu einem wesentlichen Teil verantwortlich zeichnen, sind Elektronik, IT-Industrie, Maschinenbau, Raffinerie und Chemie. Diese erwirtschaften heute bereits über die Hälfte der Industrieproduktion. Rund ein Drittel der gesam-ten chinesischen Ex- und Importe werden in der Region abgewickelt. Guangdong ist damit seit Jahren Chinas stärkste Provinz im Außenhandel. Ausländische Direktinvestitionen in das Perlflussdelta stiegen im ersten Halbjahr 2006 um über zwanzig Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dazu kommt der stärkste Privatsektor und das höchste Pro-Kopf-Einkommen im Land. Das relativ hohe Wohlstandsniveau hat eine Sogwirkung auf die umliegenden Provinzen, von denen aus eine große Zahl an Wanderarbeitern ihr Glück in Südchina suchen. In der Folge sind trotz der in den vergangenen Jahren gestiegenen Lohnkosten diese immer noch vergleichsweise günstig.
 
Daneben bietet das Perlflussdelta ausländischen Investoren eine Reihe weiterer Vorteile. Das hohe Wohlstandsniveau ermöglicht es, die Produkte schon vor Ort zu verkaufen. Die Produktionsstätten in Guangdong sind bekannt für die hohe Qualität ihrer Erzeugnisse. Ein anderer Pluspunkt ist das engmaschige Lieferantennetz im Delta. Dies wird durch die vergleichsweise gute Infrastruktur begünstigt, die im Rahmen des laufenden Fünf-Jahres-Planes (2006-10) noch weiter und schneller ausgebaut wird. Eines der wichtigsten Projekte der nächsten Jahre ist die Fertigstellung der neuen Autobahn von Guangzhou nach Hongkong, die die Fahrzeit auf eine Stunde verkürzen wird.
 
Gerade ausländischen Investoren ist die Nähe von Macao und Hongkong als Freizeit- und Kulturmetropolen, Finanzzentrum und Umschlagplatz wichtig. Die geplante Integration der süd-südwestlichen Provinzen zu einer Wirtschaftsunion mit Zoll- und Dienstleistungsfreiheit im Rahmen des 9+2-Projektes (Yunnan bis Fujian sowie Hongkong und Macao) wird, wenn umgesetzt, zur Entstehung eines Wirtschaftsraums führen, der der Größenordnung der Europäischen Union entspricht. Schließlich sind die Behörden und Unternehmen im Perlflussdelta im Vergleich mit anderen Provinzen flexibler, was dazu beitragen kann, Kosten einzusparen.
 
Zugleich stehen aber auch dringliche Aufgaben an. Der Dienstleistungssektor und die Struktur der Exportgüterindustrie weisen nach der rasanten Wirtschaftsentwicklung in vielen Bereichen noch Modernisierungsbedarf auf. Die volkswirtschaftlichen Kosten der Umweltzerstörung haben ein Maß erreicht, das das Wirtschaftswachstum stark beeinträchtigen könnte. Zugleich bereitet aber auch die chronische Energieknappheit Probleme. Die Provinzregierung hat gemeinsam mit Hongkong diese Probleme ins Zentrum ihrer Politik gerückt und fördert die Zukunftsbranchen der Umweltschutztechnologien und regenerativen Energien. Für deutsche Unternehmen können hieraus überlegenswerte Alternativen für ihr China-Engagement resultieren.
 
Eine weitere wichtige Branche, die von der lokalen Regierung stark gefördert wird, ist der Hightechbereich. Dabei nimmt Shenzhen eine Spitzenposition ein. Die Stadtregierung unternimmt erfolgreiche Anstrengungen, um die Stellung der Stadt als einer der Hightech-Standorte Chinas zu behaupten und weiter auszubauen. Dabei soll Hightech in Shenzhen zunehmend nicht nur produziert, sondern auch entwickelt werden. Die Stadtregierung investiert zwölf Prozent ihres Haushalts in den Forschungs- und Technologiebereich. Unterstützt wird die Arbeit durch die Hochtechnologieforschung der China Academy of Science, die im örtlichen Hightech-Park nutzbringend in direkter Nähe zu den Unternehmen ein Institut aufgebaut hat.
 
Ein bekanntes Aushängeschild für Hightech made in Shenzhen ist die Messe China Hi-Tech Fair (CHTF), die in diesem Jahr zum neunten Mal stattfinden wird, und sich als wichtige Messe an einem der bedeutendsten Hightech-Standorte in China etabliert hat. Im vergangenen Jahr präsentierten sich mehr als 3 200 Aussteller aus 42 Ländern, 33 chinesischen Provinzen und Städten sowie aus Hongkong, Macao und Taiwan auf der CHTF. Zu den Schwerpunkten, die insbesondere für ausländische Unternehmen von Interesse waren, zählten Umwelttechnologie, Automation sowie Mess- und Sicherungssysteme.      
 
 
Alexandra Voss
Geschäftsführerin
German Industry and Commerce South China
AHK Guangzhou
 
IHK WirtschaftsForum
April 2007