Indien - Megamarkt im Aufwind

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

 
In der Wachstumsregion Asien reift mit Indien eine zweite Wirtschaftsmacht heran. Oftmals unterschätzt, weist der indische Subkontinent nach China nicht nur das kräftigste Wirtschaftswachstum der Welt auf, sondern hat weit mehr zu bieten als vielfach bekannt: gut ausgebildetes englischsprachiges Personal im ingenieurtechnischen und kaufmännischen Bereich, international äußerst wettbewerbsfähige Dienstleistungsunternehmen, vermehrte Erfolge im industriellen Bereich, eine schnell wachsende und kaufkräftige Mittelschicht und nicht zuletzt einen Investitionsbedarf, der allein in der Infrastruktur auf 500 Milliarden Dollar geschätzt wird. Die Handels- und Entwicklungsorganisation der Vereinten Nationen (UNCTAD) schätzt denn auch, dass Indien nach China und den USA in den kommenden Jahren die meisten ausländischen Direktinvestitionen anziehen wird.

Zahlreiche deutsche Firmen, sowohl Großunternehmen als auch Mittelständler, haben das Potenzial Indiens bereits erkannt und schätzen die Vorzüge, zu denen auch ein stabiles Rechtssystem zählt, das eine hohe Zuverlässigkeit im Tagesgeschäft sowie größeren Schutz vor Produktpiraterie bietet als in manch anderen Ländern des Kontinents. Dies macht Indien als Standort nicht nur für Outsourcing im IT-Bereich interessant, sondern auch für Forschung und Produktion in Hochtechnologiebereichen.

Weitere für Exportgeschäfte oder Investitionen viel versprechende Branchen sind: Automobilzubehör, Informationstechnologie, Elektrotechnik und Elektronik, Pharma, Feinchemie und Biotechnologie, der Werkzeug- und Maschinenbau, Nahrungsmittelverarbeitung, Textilien und Bekleidung, die Energiewirtschaft sowie der Film- und Entertainment-Bereich.

Der Verlauf der deutschen Exporte nach Indien spiegelt sehr deutlich das Erstarken der indischen Volkswirtschaft wider: 2004 stiegen die Lieferungen gegenüber dem Rekordjahr 2003 um voraussichtlich 34 Prozent auf ein Volumen von rund 3,3 Milliarden Euro. Das Wachstum verteilt sich auf alle wichtigen Branchen, an erster Stelle den Maschinenbau, dann Elektrotechnik und Elektronik sowie die Chemie. Rund 700 deutsche Unternehmen sind derzeit vor Ort vertreten; Neuinvestitionen werden häufig aus den reinvestierten Gewinnen getätigt und sind daher nicht aus den offiziellen Daten ersichtlich.

Nach Einschätzung der Deutsch-Indischen Handelskammer sind die meisten im Lande etablierten deutschen Unternehmen mit ihrem Engagement zufrieden. Seit der Marktöffnung Anfang der Neunzigerjahre hat sich im bilateralen Handels- und Kapitalverkehr vieles vereinfacht, auch eine Reihe von Einfuhrzöllen wurden abgebaut. In den meisten Wirtschaftsbereichen können ausländische Unternehmen heute schon Tochtergesellschaften zu 100 Prozent gründen. Mit weiteren Handels- und Investitionserleichterungen wird in den nächsten Jahren gerechnet.

Mit diesem Special wollen wir die Aufmerksamkeit auf einen Wachstumsmarkt lenken, der heute so attraktiv ist wie nie zuvor. Neben dem Engagement deutscher Firmen in Osteuropa und im Reich der Mitte sollten die zahlreichen Chancen, die der indische Subkontinent bietet, aus meiner Sicht noch weitaus stärker, auch von mittelständischen Unternehmen, genutzt werden.


Dr. Carl Voigt
IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des Außenwirtschafts-Ausschusses
Bereichsvorstand Coatings & Füllstoffsysteme, Degussa, Frankfurt am Main

 
Artikel zu Indien aus unserem IHK WirtschaftsForum 3/2005
 
  • Die Industrialisierung übersprungen
    Interview mit Bernhard Steinrücke, Geschäftsführer der Deutsch-Indischen Handelskammer (IGCC), Mumbai
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