Life Sciences
Das FIZ als Netzwerkpartner

Indiens Pharmaindustrie gewinnt an Bedeutung, der Pharmamarkt wächst rasant. Um neue Absatzmärkte und Forschungskooperationen zu erschließen, spielen lokale Netzwerkpartner eine immer größere Rolle.

Gut die Hälfte der indischen Pharmaprodukte wird im heimischen Markt abgesetzt, der andere Teil geht ins Ausland. Der Hauptanteil der Exporte entfällt auf Generika. Bereits im Jahr 2011 sollen in Indien entwickelte und patentierte Medikamente einen Exportumsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar erreichen. Das ist insofern bemerkenswert, als Indien bis 2004 die eigene Medikamentenentwicklung nicht vorantrieb.

Zwar konzentrieren sich die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen (FuE) auf die Auftragsforschung für westliche Industriestaaten. Doch geben führende indische Unternehmen bereits knapp ein Zehntel ihrer Einnahmen für FuE aus und erweitern die eigenen Kompetenzen durch strategische Partnerschaften mit dem Ausland – so auch mit Deutschland. Beispielsweise erwarb der indische Pharmakonzern Dr. Reddy’s den deutschen Generikahersteller Betapharm und Indiens führendes Biotech-Unternehmen Biocon kooperiert mit dem hessischen Unternehmen Axicorp. Auf diese Weise erschließen sich indische Unternehmen gleichzeitig Deutschland als Absatzmarkt. Die Hersteller setzen dabei auf hohe Absatzvolumen, da die Gewinnmargen aufgrund der Rabattverträge mit deutschen Krankenkassen abnehmen.

Um die Potenziale einer länderübergreifenden Zusammenarbeit vom ersten Moment an zu nutzen und einen erfolgreichen Technologietransfer in Gang zu setzen, braucht es Netzwerkpartner. So bietet das FIZ Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie als marktorientiertes Technologiezentrum insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen der Life-Sciences-Branche Unterstützung beim Marktzugang ihrer Produkt- und Dienstleistungsideen. Hierfür ist die Bereitstellung von maßgeschneiderten Büro- und Laborflächen für die Ansiedelung internationaler Unternehmen am Standort Frankfurt ein wesentliches Element der Innovationsinfrastruktur.

Darüber hinaus fördert das FIZ durch sein interdisziplinäres Netzwerk und seine Partnerschaften die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie internationale Kooperationsansätze in der Forschung und Entwicklung. Ein Beispiel hierfür ist die im FIZ ansässige indische Evolvus-Gruppe, die unter anderem Auftragsfertigung und klinische Forschung für internationale Pharma- und Biotechnologieunternehmen erbringt.

Die Suche nach einem Standort in Europa führte Evolvus 2004 nach Frankfurt in das FIZ. Den Ausschlag hierfür gab die marktorientierte Aufstellung des Innovationszentrums, die sich vom reinen Inkubator-Konzept deutlich abhebt. Des Weiteren versprach sich das Unternehmen auch neue Marktchancen durch das bestehende Netzwerk, kombiniert mit der strikten Anwenderorientierung. Evolvus konnte durch die Kooperation mit dem FIZ und den Zugang zum Netzwerk mehrere Projekte in Europa erfolgreich umsetzen und bereits neue Kooperationen anstoßen. So arbeiten Evolvus und das FIZ gemeinsam mit deutschen Geschäftspartnern auch an einem Projekt zur Nutzung pflanzenbasierter Inhaltsstoffe. Dieses Beispiel macht deutlich: Durch strategische Partnerschaften eröffnet die Dynamik des indischen Pharmamarktes sowohl deutschen als auch indischen Unternehmen neue Produkt- und Absatzchancen.  


Autor

Dr. Christian Garbe
Geschäftsführer
FIZ Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie

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FIZ Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie
Altenhöferallee 3
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IHK WirtschaftsForum
Juni 2010