Iran: Investoren halten sich zurück
Deutsch-iranischer Außenhandel durchläuft Höhen und Tiefen

Noch sind die Wirtschaftsdaten des Iran positiv. Die Zentralbank hat für die vergangenen Jahre ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich fünf Prozent verkündet. Mit 70 Millionen Konsumenten bietet das Land in vielen Bereichen große Potenziale für deutsche Unternehmen: Nahrungsmittel, pharmazeutische Produkte, Haushaltsgeräte, Energie, Wohnbauten werden im großen Stil benötigt und nachgefragt. Die Inflationsrate lag im vergangenen Jahr bei zwölf Prozent, die Arbeitslosenrate bei offiziell elf Prozent. Tatsächlich dürfte sie wesentlich höher liegen.

Iran importiert hauptsächlich Benzin, Eisen und Eisenwaren, Kfz-Teile, Maschinen und Anlagen, chemische Erzeugnisse sowie Nahrungsmittel. Der Erdölexporteur musste in den vergangenen Jahren tatsächlich mehr als 40 Prozent seines Benzinbedarfs importieren, da der Verbrauch stetig ansteigt, die vorhandenen Raffineriekapazitäten aber nicht zur Deckung des Inlandsbedarfs ausreichen.

Der deutsch-iranische Außenhandel durchläuft eigentlich seit seinem Beginn recht ausgeprägte Höhen und Tiefen. Seit Gründung der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer vor 32 Jahren lieferte Deutschland Waren im Wert von 74 Milliarden Euro in den Iran und bezog im gleichen Zeitraum Waren im Wert von 28 Milliarden Euro. Zwischen Deutschland und Iran wurden in den vergangenen 30 Jahren Waren im Wert von mehr als 100 Milliarden Euro gehandelt. Nicht eingerechnet darin sind Lieferungen, die über Drittländer, wie die Vereinigten Arabischen Emirate, in den Iran gelangten. Nachdem die deutschen Lieferungen in den vergangenen Jahren zweistellige Zuwachsraten verzeichneten – 2005 erreichten diese ein Plus von 24 Prozent – entwickeln sich diese seit Beginn des vergangenen Jahres rückläufig und verzeichnen für das Jahr 2006 ein Minus von knapp sechs Prozent.

Die 25 EU-Länder lieferten im Jahr 2005 Waren im Wert von 13 Milliarden Euro in den Iran, das entspricht einem Drittel der gesamten iranischen Importe. Im Jahr 2006 lieferten die EU-Länder Waren im Wert von elf Milliarden Euro. Wichtigstes Lieferland war mit Abstand wiederum Deutschland, gefolgt von Frankreich und Italien. Wenn auch die iranischen Handelszahlen noch nicht vorliegen, so steht doch fest, dass der Anteil der EU-Lieferungen im vergangenen Jahr zurückging. Während die EU-Länder aus Iran zu über 80 Prozent Erdöl einführten, lag der Schwerpunkt der EU-Lieferungen mit einem Anteil von 67 Prozent bei Maschinen und Fahrzeugen sowie Konsumgütern und Chemikalien mit Anteilen von jeweils zehn Prozent.

Investoren zurückhaltend

Die zum großen Teil staatliche Industrie des Landes soll verstärkt privatisiert werden, erst in diesem Jahr wurden viele Beschränkungen für in- und ausländische Privatinvestoren aufgehoben. Das deutsche Investitionsniveau im Iran bleibt aber noch hinter den Erwartungen zurück, obwohl zusätzlich zum iranischen Investitionsgesetz seit 2002 ein bilateraler Investitionsschutz- und Fördervertrag zwischen Iran und Deutschland existiert.

Im Zeitraum 1995 bis 2003 haben deutsche Firmen Investitionen in Höhe von 5,4 Millionen US-Dollar bei der iranischen Investitionsbehörde registrieren lassen. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank belief sich der Gesamtbestand der deutschen Direktinvestitionen in Iran im Jahr 2003 auf 58 Millionen Euro, während im gleichen Jahr umgekehrt 707 Millionen Euro in Deutschland direkt investiert wurden.

Ausblick

Die Folgen der schwelenden Krise zwischen der internationalen Gemeinschaft und dem Iran haben viele deutsche Unternehmen bereits erreicht. Eine bundesweite Umfrage des DIHK und der IHK Ostwestfalen bei über 120 im Iran engagierten Unternehmen ergab, dass bei einem Drittel der befragten Firmen das Iran-Geschäft rückläufig ist. Ebenfalls ein Drittel erwartet für die nahe Zukunft eine weitere Verschlechterung. Als Gründe werden vor allem Exportbeschränkungen, das internationale Umfeld sowie Kompetenzwirrwarr und schleppende Auftragsvergabe im Iran genannt.

Die deutschen Exportbeschränkungen wirken sich für ein Drittel der befragten Unternehmen negativ aus, die Hälfte rechnet mit einer weiteren Verschärfung der Richtlinien. 40 Prozent spüren eine Verschlechterung bei Zahlungsabwicklung und Zahlungssicherung im Iran-Geschäft. Vor allem die Vergabe von Akkreditiven wird schwieriger und teurer. Andererseits haben viele deutsche Unternehmen Erfahrungen mit den Aufs und Abs im Irangeschäft und sehen dies derzeit noch unter dem Motto „Iran ist Krisen gewohnt, irgendwie geht es immer weiter“. Das wirtschaftliche Zukunftspotenzial Irans rechtfertigt diese positive Sichtweise auf jeden Fall. 


Markus  Zenetti
Geschäftsführer
AHK Teheran

IHK WirtschaftsForum
Juni 2007