FrankfurtRheinMain
Interessanter Standort für japanische Firmen

Frankfurt ist für japanische Unternehmen seit Langem einer der wichtigsten Standorte auf dem europäischen Kontinent. Nach Angaben der Japanischen Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf, des größten Verbandes japanischer Unternehmen in Deutschland, gab es im September 2006 in der Region FrankfurtRheinMain insgesamt 171 japanische Unternehmen. Damit liegt Frankfurt – nach Düsseldorf mit 290 Firmen und München mit 174 Firmen – im deutschen Vergleich an dritter Stelle. Gegenüber 2003 verzeichnete die Japanische Handelskammer in Frankfurt eine leichte Zunahme und zwar um 13 neue Unternehmen.

Derzeit befinden sich sowohl die deutsche als auch die japanische Wirtschaft im Aufschwung, hiervon profitieren auch die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Japan befindet sich sogar in der bislang längsten Phase konjunktureller Erholung seit dem Zweiten Weltkrieg. Deutschland und Japan, die in Europa und Asien jeweils die größte Wirtschaftsmacht darstellen und weltweit die Plätze zwei und drei einnehmen, kommt eine entscheidende Rolle bei der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft zu.

Auch bei der Lösung globaler Probleme sind beide Länder gefragt. Auf internationaler Ebene spiegelt sich dies in der G8-Präsidentschaft wider, die im kommenden Jahr von Deutschland an Japan weitergegeben wird. Auf bilateraler Ebene haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Premierminister Shinzo Abe beim deutsch-japanischen Gipfeltreffen im Januar vereinbart, dass Japan Partnerland der Hannover-Messe 2008 sein wird. Dies verspricht einen weiteren Aufschwung der Wirtschaftsbeziehungen, vor allem im Technologiebereich.

Bei den in Frankfurt und der Region vertretenen Branchen liegen Elektrogeräte und Elektronik (18 Prozent), Transport, Verkehr und Reisen (13 Prozent) sowie Automobile, Finanzwesen und leichte Maschinen (zehn Prozent) vorne. Aufgrund der Bedeutung Frankfurts als Finanzmetropole sowie aufgrund seiner hervorragenden geografischen Lage als Verkehrsknotenpunkt im Luft- und Landverkehr, ist hier der Anteil des Finanzwesens sowie der Transport-, Verkehrs- und Reisebranche höher als in Düsseldorf oder München. Insgesamt spiegeln die Aktivitäten japanischer Unternehmen die Stärken der einzelnen Standorte in Deutschland wider. Vereinfacht sind dies in Frankfurt Logistik und Finanzwesen, in Düsseldorf die Chemie sowie in München Elektrogeräte und Elektronik sowie Maschinenbau.

Zwei der elf größten japanischen Unternehmen haben ihren Sitz in der RheinMain-Region, nämlich Panasonic Marketing Europe in Wiesbaden und Honda Motors in Offenbach. Außerdem sind zu nennen: Panasonic (Langen), Nikon Precision Europe (Langen), Canon (Gießen), Isuzu Motors (Ginsheim-Gustavsburg), Mitsubishi (Hattersheim), Nintendo (Frankfurt) oder Isuzu (Bensheim).

Die japanische Finanzwelt ist am Standort Frankfurt ebenfalls vertreten, vor allem durch die Mizuho Corporate Bank sowie einer Niederlassung des größten asiatischen Wertpapierhauses, der Nomura Bank. Diese japanischen Unternehmen schaffen in Frankfurt und der Region viele Arbeitsplätze und tragen gemeinsam mit den zahlreichen anderen ausländischen Investoren erheblich zur Wirtschaftskraft der Region und letztlich auch zum Steueraufkommen bei. Umgekehrt ist auch die japanische Politik sehr an der Ansiedlung deutscher und anderer ausländischer Investoren interessiert. So führt die Regierung Abe die unter der Vorgängerregierung gestartete Initiative „Invest Japan“ in enger Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft energisch weiter.

Dank des aktiven Engagements der Regierungen wie auch privater Unternehmen beider Länder, entwickeln sich die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Japan sehr positiv. So ist das Handelsvolumen zwischen 1996 und 2006 um mehr als 30 Prozent auf heute 37 Milliarden Euro gestiegen. Erwähnenswert ist, dass der deutsche Export nach Japan in 2006 einen historischen Höchststand erreicht hat. Umgekehrt konnte Japan den Höchststand seiner Exporte nach Deutschland aus dem Jahr 1991 noch nicht wieder erreichen.

Ebenfalls Rekordniveau erreichten im Jahr 2006 wiederum die japanischen Direktinvestitionen in Deutschland mit 1,13 Milliarden Dollar. Demgegenüber belief sich die Summe der Direktinvestitionen von Deutschland nach Japan in demselben Jahr auf minus 500 Millionen Dollar. Die Summe der Direktinvestitionen auf Basis einzelner Jahre kann erheblichen Schwankungen unterworfen sein.

Beim Blick auf die deutschen Investitionen in Asien, die sich derzeit stark auf China konzentrieren, sollte beachtet werden, dass das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) immer noch zweimal so groß ist wie das Chinas. Das japanische Pro-Kopf-Einkommen ist sogar 21-mal so hoch wie das chinesische. Der japanische Markt ist außerdem durch eine große Kaufkraft und hohe technische Standards gekennzeichnet. Ausländische Unternehmen bewegen sich in einem stabilen Rechtssystem, was die Risiken eines Engagements verringert.

Sicherlich stellt der japanische Markt sehr hohe Ansprüche an Qualität und Service, aber Unternehmen mit eigenständigen Produkten und Technologien können aufgrund ihrer Erfahrungen auf dem als unerbittlich geltenden japanischen Markt viel-leicht noch einiges hinzulernen für ihre Geschäfte in anderen Ländern. Das japanische Generalkonsulat hat sich in enger Zusammenarbeit mit der japanischen Außenhandelsförderung Jetro und der Development Bank of Japan zum Ziel gesetzt, die deutsch-japanischen Wirtschaftsbeziehungen auszubauen. 


Yoshitaka Hanada
Generalkonsul von Japan
Frankfurt am Main


IHK WirtschaftsForum
Juli - August 2007