Viele Gemeinsamkeiten
Engagement deutscher Unternehmen in Japan und deutsch-japanische Kooperationen

Einem deutschen Geschäftsmann erscheint Japan auf den ersten Blick vielleicht als sehr fern. Vielleicht denkt er bei Auslandsaktivitäten und bilateralen Kooperatio-nen zunächst an Länder wie China, Indien oder Brasilien, die gerade im Trend liegen. Darüber sollte er aber Japan nicht vergessen: Das Land verfügt nach wie vor über ein beachtliches Potenzial, das noch viel stärker ausgeschöpft werden sollte. Hier bieten sich Großkonzernen wie auch kleinen und mittelständischen Unternehmen ideale Voraussetzun-gen für ein erfolgreiches Auslandsengagement.

Der DIHK führte im Frühjahr eine bundesweite Studie zum Thema „Investitionen im Ausland“ durch. Die Auswertung der Antworten der im IHK-Bezirk Frankfurt befragten 1 200 Mitgliedsunternehmen ergab, dass fast jedes zweite dort angesiedelte Industrieunternehmen in diesem Jahr beabsichtigt, Investitionen im Ausland zu tätigen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine deutliche Steigerung der Auslandsinvestitionen. Während ein Großteil dieser Investitionen in EU-Länder beziehungsweise nach Ost- und Südosteuropa fließt, sind laut der IHK Frankfurt allerdings auch die Regionen Nordamerika und Asien (ohne China) ungebrochen interessant für die Mitgliedsfirmen. Die Industrie- und Handelskammer begrüßt diesen Trend der fortschreitenden Internationalisierung, denn Auslandsinvestitionen fördern das Exportgeschäft der heimischen Unternehmen und sichern damit inländische Unternehmensstandorte und Arbeitsplätze.

Dass speziell Japan für deutsche Unternehmen interessant ist, ergab eine weitere Umfrage, die der DIHK in Zusammenarbeit mit den IHKs und AHKs durchgeführt hat: 22,7 Prozent der insgesamt 3 600 befragten deutschen Unternehmen gaben an, dass sie die Dynamik der Geschäftsentwicklung in Japan in den nächsten zwei bis fünf Jahren positiv einschätzen. Mit diesem Prozentsatz landete Japan als bestplatziertes Industrieland auf Platz zehn.

Und es stimmt: Japan ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, und bei aller Aufmerksamkeit, die China und Indien in den vergangenen Jahren erfahren, muss auch betont werden, dass das japanische Bruttoinlandsprodukt immer noch weitaus größer ist als das von China und Indien zusammen. Japan ist bekannt für seine Innovationsfähigkeit, und die Japaner sind davon überzeugt, dass die technologische Vorreiterstellung des Landes nur durch kontinuierliche Forschung, Entwicklung und hohe Innovationskraft aufrechterhalten werden kann. „Cooperation through Innovation“ war daher auch das Motto für die Partnerlandbeteiligung Japans an der diesjährigen Hannover Messe, welche die Japan External Trade Organization (Jetro) federführend organisiert hat, und die von den japanischen Ausstellern als äußerst zufriedenstellend beurteilt wurde. Auf der Hannover Messe wurde übrigens auch die BDI-Kampagne „Partner for Innovation“ vorgestellt, bei der Jetro von japanischer Seite beteiligt ist.

Gerade in der heutigen Zeit ist es für ein einzelnes Unternehmen oder Land nahezu unmöglich, alleine effektive Forschungs- und Entwicklungsarbeit im Hightech-Sektor zu betreiben, da dieses sehr zeit-, geld- und personalintensiv ist. Länderübergreifende Allianzen werden dringend benötigt – und auf japanischer Seite auch ausdrücklich gewünscht. Besonders deutsche Unternehmen genießen einen guten Ruf in Japan. Die beiden Länder haben in wirtschaftlicher Hinsicht auch sehr vieles gemeinsam: Als hoch industrialisierte Länder mit relativ geringen eigenen Ressourcen stehen sowohl Japan als auch Deutschland vor den gleichen Zukunftsaufgaben und müssen Lösungsansätze für die gegenwärtigen Probleme finden. Um dieses zu meistern und auch weiterhin in der globalisierten Welt eine führende Rolle zu spielen, sind deutsch-japanische Geschäftsallianzen vor allem im Hochtechnologiebereich äußerst empfehlenswert. Deutschland ist für Japan nach wie vor der wichtigste Handelspartner innerhalb der EU, während Japan für Deutschland der wichtigste Handelspartner im asiatisch-pazifischen Raum ist. Gerade die Stärke der beiden Wirtschaftsmächte und ihre Innovationsfähigkeit bieten unzählige Möglichkeiten zum Ausbau der deutsch-japanischen Zusammenarbeit.

Solch eine Zusammenarbeit auf deutsch-japanischer Ebene ist allerdings bei Weitem nicht nur für Großunternehmen interessant, sondern speziell auch für kleine und mittelständische Firmen, die zukunftsweisende Technologien oder Produkte anbieten. Es ist dabei wichtig, beiden Seiten viele Gelegenheiten zu bieten, bei denen sie einander kennenlernen können, um letztendlich die bestmöglichen Geschäftsallianzen zu schmieden. Hier kommt die Jetro ins Spiel, eine staatliche Organisation zur Förderung des Außenhandels und eine Institution des öffentlichen japanischen Rechts mit Sitz in Tokyo.

Sie wurde 1958 von der japanischen Regierung gegründet und hat heute 73 Büros weltweit sowie weitere 38 in Japan. Seit Anfang der Sechzigerjahre ist die Jetro auch in Deutschland vertreten, und zwar in Berlin, München und Düsseldorf. Jedes der deutschen Büros hat eine regionale Zuständigkeit, zum Beispiel befasst die Jetro in Düsseldorf sich mit den Bundesländern Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland und ist daher der erste Ansprechpartner für Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Frankfurt.

Jetro bietet eine Vielzahl von Foren und Programmen, die eine ers-te Kontaktaufnahme zwischen den einzelnen Unternehmen erleichtern. Bespielsweise fördert Jetro deutsche beziehungsweise japanische Aussteller bei einer Reihe von namhaften Messen und organisiert in den meis-ten Fällen auch Kontaktbörsen. In Japan unterstützt Jetro deutsche Unternehmen vor allem auf den Messen Ceatec (IT), Nanotech, bei der Jaima Show (Analytische Instrumente) und der Nagoya Eco Clean Car (Automobiltechnologie), während in Deutschland die Cebit, die Biotechnica und die Hannover Messe eine große Rolle für japanische Aussteller spielen.

Aber auch Unternehmen, die bereits erfolgreich nach Japan exportieren und nun über eine eigene Niederlassung oder ein Joint Venture in Japan nachdenken, können die Dienstleistungen der Jetro nutzen. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang vor allem die sogenannten Invest Japan Business Support Center (IBSC). In diesen finden interessierte Unternehmen voll ausgestattete Büroräume, die für bis zu 50 Werktage kostenlos genutzt werden können. Darüber hinaus werden die Unternehmen in den IBSC von den Jetro-Experten in allen Fragen rund um die Firmengründung, Behördengänge, Steuern, Visa und die Geschäftstätigkeit in Japan beraten.

Insgesamt unterstützt das Düsseldorfer Büro jährlich circa 100 deutsche Unternehmen, von denen durchschnittlich mehr als 15 anschließend eine Niederlassung in Japan gründen. Wenn die Unternehmen sich einmal bei der Jetro registrieren, können sie das vielfältige – und in den meisten Fällen auch kostenlose – Dienstleis-tungsangebot völlig unkompliziert in Anspruch nehmen und von der langjährigen Erfahrung der Berater sowie den guten Beziehungen zu den japanischen Präfekturen und Ministerien profitieren.

     
Masahiro Iwasaki
Generaldirektor
Jetro Düsseldorf


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Weitere Infos online unter www.jetro.go.jp/germany und/ oder www.investjapan.org/de.