Japan
Globaler Trendsetter

Japan zählt zur Spitzenliga der Industrienationen: Es ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, einer der wichtigsten Märkte mit hoher Kaufkraft, Innovationstreiber und gleichzeitig ein starker Wettbewerber deutscher Unternehmen, insbesondere in allen Hightech-Branchen. Als globaler Trendsetter für neue Technologien setzt Japan unverändert Maßstäbe und müsste daher – trotz der verständlichen Euphorie für neue Wachstumsmärkte – weiterhin im Zentrum der Aufmerksamkeit deutscher Unternehmen stehen.

Die Realität sieht anders aus. Viele deutsche Unternehmen beachten und gewichten die Vorgänge und Möglichkeiten in Japan vergleichsweise wenig. Dies wird besonders deutlich, wenn dies aus Japan heraus betrachtet wird. Vorbehalte und manchmal auch Vorurteile prägen für viele das Japan-Bild. Für andere führen die Sorge vor allzu mächtigem Wettbewerb, hohe Kosten und damit verbundene Risiken zu Zurückhaltung. Die abgeschottete „Japan AG“ sei besonders schwierig oder unzugänglich, heißt es oft.

Ist Japan wirklich ein so schwierig erreichbarer Markt? Sind vorhandene Hindernisse tatsächlich unüberwindbar? Der Markt ist ohne Frage anspruchsvoll. Fremde Spielregeln erfordern Anpassungsvermögen, Geduld und besondere Flexibilität. Doch die Erfolge deutscher Unternehmen vor Ort zeigen, dass sich der Aufwand lohnt. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan (DIHKJ) in Zusammenarbeit mit Simon-Kucher & Partners erwirtschaften neun von zehn der in Japan aktiven deutschen Unternehmen einen positiven Vorsteuergewinn, bei über der Hälfte von diesen liegt dieser in Höhe von zehn Prozent.

Die besondere Herausforderung für in Japan aktive deutsche Unternehmen besteht in den deutlich höheren Anforderungen japanischer Kunden. Besonders in Bezug auf Qualität, Service und Produktspezifikation stellen japanische Kunden im Vergleich zu deutschen zum Teil erheblich höhere Ansprüche. Wer sich darauf einstellt, kann nicht nur in Japan gute Geschäfte machen. Japan zwingt mit seiner Leitmarktfunktion Wettbewerber auf seinem Markt zu Weltklasseperformance, verbunden mit einer hohen Anpassungsfähigkeit an die örtlichen Charakteris-tika. Die dadurch im Unternehmen erzielten Lerneffekte können entsprechend auf Märkte außerhalb Japans übertragen werden und führen somit indirekt zu einer stetigen Leistungs- und Serviceverbesserung des Unternehmens insgesamt.

Japan ist aber nicht nur aufgrund seiner hohen Ansprüche, sondern auch wegen seiner weltweit anerkannten Innovationskraft ein interessanter Partner. Rekordzahlen bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie bei Patentanmeldungen und bahnbrechende Neuheiten in den Bereichen Automobil-, Informations- und Kommunikationstechnologie, Robotik und vielen anderen Branchen sind eindrucksvoll. Humanoide Roboter und die Entwicklung der OLED-Technologie sind nur zwei Beispiele für Forschungsfelder, in denen japanische Unternehmen und Forschungsstellen weltweit Akzente setzen. Japans besondere Stärke liegt auf dem Gebiet der Anwendungsforschung und Produktentwicklung, weniger in der Grundlagenforschung. Der größte Teil der Forschung erfolgt in privaten Unternehmen.

Japan schafft Trends und gibt Anreize an Unternehmen weltweit, um diese zu übernehmen beziehungsweise noch zu verbessern. Die japanische Regierung forciert die internationale Vernetzung Japans immer stärker. Denn angesichts einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung, eines Reformstaus, der Abhängigkeit von teuren Roh-s-toffimporten und der verschärften Wettbewerbssituation mit kostengünstigen Wachstumsstandorten in direkter Nachbarschaft, wird Japan dazu gezwungen, sich vor allem durch Innovationsfähigkeit einen
festen Platz im globalen Wettbewerb zu erhalten. Deutschland befindet sich in einer ähnlichen Situation wie Japan, vor allem der starke Wettbewerbsdruck führt dazu, dass die Innovationskraft auch hierzulande zum entscheidenden Kriterium wird. Die Politik fördert die Innovationskraft durch zahlreiche Projekte und Initiativen.

Japan ist auf der ständigen Suche nach innovativen Produkten und Produktionsverfahren. Eine transglobale Kooperation deutscher und japanischer Unternehmen bietet sich daher an. Voneinander lernen und gemeinsam an Lösungen für die Zukunft zu arbeiten, sollte das Motto für die künftige Zusammenarbeit lauten. Liegt eine komplementäre Interessenlage vor und werden die Beiträge zweier Unternehmen zu einem Forschungsprojekt als ausgewogen angesehen, so lassen sich die Hürden auf dem Weg zu einer erfolgreichen deutsch-japanischen Zusammenarbeit gemeinsam meistern. Improvisationen im Japangeschäft sind dabei zu vermeiden, sorgfältige Analysen der gegenseitigen Interessen, Ziele und Möglichkeiten signalisieren den engagierten Einsatz für das gemeinsame Projekt. Sie sind der Ausgangspunkt für eine Zusammenarbeit ohne Missverständnisse vor dem Hintergrund stark unterschiedlicher Kulturkreise der Partner.

Ein Schlüsselfaktor bei dem Engagement in Japan ist der Einsatz von geeignetem und qualifiziertem Personal. Die Aufgaben im Zusammenhang mit Forschungskooperationen einem Vertriebsmann neben den vorgegebenen Verkaufszielen als „Nebenjob“ anzudienen, ist nicht Erfolg versprechend. Hier sind Fachleute gefragt, die auch von japanischer Seite als ernst zu nehmende, kompetente Partner respektiert werden. Mitarbeiter, die nicht nur die Brücken zwischen beiden Seiten bauen können, sondern auch breit und gut vernetzt sind. Sie müssen die Beziehungsgeflechte der für das Projekt relevanten japanischen Stellen, Unternehmen und / oder Forschungsinstitutionen überschauen und damit umgehen können. In der Regel erfordert das eine ständige Präsenz auch auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung im Lande. Mit gelegentlichen Reisen einzelner Spezialisten allein wird das nur schwer gelingen.

     
Manfred Hoffmann
Geschäftsführer
Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan
Tokyo


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