Forderungsmanagement in Korea
Blauäugigkeit kann teuer werden


Korea entspricht hinsichtlich der Zahl der Insolvenzen und Forderungsausfälle gehobenem europäischen Standard. Dennoch führen unklare Vertragspflichten, Mängel oder auch interkulturelle Probleme immer wieder zu Zahlungsstörungen zwischen deutschen und koreanischen Geschäftspartnern. Daher ist die Unterstützung bei der Geltendmachung von Forderungen gegen koreanische Geschäftspartner eine der meistgefragten Dienstleistungen der AHK Korea.

Immer wieder agieren deutsche Unternehmen auf Auslandsmärkten blauäugig. Sie verzichten auf Vorkasse und Akkreditive, bisweilen sogar auf Bonitätsauskünfte. Die oft zwischengeschalteten Vermittler sind Ursache für Missverständnisse, ebenso wie schlechte Verträge. In Asien bedeuten Verträge zwar weniger als in Deutschland. Dies gilt allerdings nicht, wenn es erst zum Streit gekommen ist.

Insbesondere der Gläubigerschutz ist in Korea schwächer ausgestaltet als in Deutschland. Doch schwerer wiegen die Zeitdauer und die Kosten einer gerichtlichen Geltendmachung. Schon die Einschaltung eines koreanischen Anwaltes lohnt sich wegen der hohen Gebührensätze bei niedrigen Streitwerten nicht. International erfahrene Kanzleien nehmen zwischen 200 und 500 US-Dollar in der Stunde. Zudem sind Mandate unter 50 000 US-Dollar für diese Kanzleien oftmals uninteressant.

Für ein Gerichtsverfahren sind alle relevanten Dokumente in anwaltlicher Übersetzung ins Koreanische vorzulegen. Aber selbst im Obsiegensfall müssen die Anwaltskosten ebenso wie die Verfahrenskos-ten zum größten Teil selbst getragen werden. Das koreanische Recht hat vergleichbare Bestimmungen zur Anerkennung ausländischer Urteile vor dem deutschen Recht.

Ob allerdings ein koreanisches Gericht ein deutsches Urteil anerkennt, hängt vom Einzelfall ab. Deshalb muss unter Umständen ein neues gerichtliches Verfahren in Korea durchgeführt werden (bis zu drei Instanzen). Insofern empfiehlt sich die Einschaltung der Auslandshandelskammer schon aus Kostengründen.Schließlich ist zu berücksichtigen, dass mit Einleitung eines Prozesses nicht nur das Tischtuch zwischen den Parteien endgültig zerschnitten ist, sondern auch der deutsche „Prozesshansel“ als Geschäftspartner für Dritte diskreditiert ist. Denn nach konfuzianisch-koreanischer Tradition finden redliche Geschäftsleute durch Einschaltung eines Mittlers und somit ohne staatliche Autoritäten eine Lösung.

Bei Inkassoanfragen wird zunächst vorgeprüft, ob es sich um eine offensichtlich unbegründete Forderung handelt. Erfahrene koreanische Mitarbeiter hinterfragen dann telefonisch oder im persönlichen Gespräch die Gesamtsituation, insbesondere ob wegen Insolvenz oder Untertauchen des Schuldners weitere Bemühungen sinnlos sind. Erfahrungsgemäß gehen bei einer Insolvenz andere Gläubiger außer Bank und Staat leer aus.Argumente des koreanischen Schuldners sowie gegebenenfalls Lösungsvorschläge werden an den deutschen Gläubiger weitergeleitet und unter Hinweis auf den offiziellen Charakter der Auslandshandelskammer sowie die Einflussmöglichkeiten bei Behörden und Verbänden, aber auch durch die Androhung des Rechtsweges oder einer Anzeige, Druck aufgebaut. Die Verbindungen zu anderen Institutionen und Unternehmen geben der AHK zusätzliche Informationen und erhöhen den Druck auf den Schuldner, seine Kreditwürdigkeit zu bewahren.

Erfahrungsgemäß führt aber schon die emotionsfreie Erörterung in koreanischer Sprache zu konstruktiven Lösungsangeboten, zumal die AHK-Mitarbeiter dank ihrer guten Deutschkenntnisse und interkulturellen Kompetenz Missverständnisse identifizieren und ausräumen können. Schon dass die Forderung von einer in Korea ansässigen Organisation aktiv geltend gemacht wird, erhöht die Einigungs- und Zahlungsbereitschaft. Immerhin konnte die AHK Korea knapp 50 Prozent der Fälle zumindest teilweise erfolgreich abschließen und weitere 25 Prozent mit Einschaltung von Anwälten.

Nicht nur wegen der eingeschränkten Konvertibilität des koreanischen Won sind Zahlungspflichten meist in US-Dollar oder Euro vereinbart. Dies macht die Erfüllung durch finanziell klamme koreanische Schuldner besonders schwer, da sie für eine Auslandsüberweisung Geld auf ihrem Konto bereitstellen müssen und Einbehaltung durch ihre Hausbank droht. Das Angebot, in koreanischen Won und in bar schuldbefreiend an die AHK leisten zu können, wird immer wieder angenommen. Denn Barbestände werden für unterschiedlichste Zwecke gehortet, zudem kann ein Insolvenzantrag durch einen ausländischen Gläubiger vermieden werden. Seitens der AHK werden eingegangene KRW-Beträge zum Tageskurs in Euro an den deutschen Gläubiger ausbezahlt.

Für den Inkassoservice setzt sich das Honorar der AHK Korea aus Grundgebühr und Erfolgsgebühr zusammen. Die Höhe der Vergütung orientiert sich am Gegenstandswert und ist gestaffelt. So ist bei einem Gegenstandswert von bis zu 2 500 Euro im Voraus eine Grundgebühr in Höhe von 200 Euro fällig. Wenn die Forderung zum Teil oder vollständig beigetrieben wird, ist darüber hinaus eine Erfolgsprämie von 20 Prozent des beigetriebenen Betrages fällig. Mitglieder der AHK Korea erhalten einen Nachlass. Die Überwälzung der Kosten für den Inkassoservice auf den koreanischen Schuldner ist jedoch kaum durchsetzbar.

Angemerkt sei, dass die AHK in gleicher Weise einen Interventionsservice anbietet, der bei sonstigen Konflikten, wie zum Beispiel Qualitätsproben, Vertriebsmängeln oder Lizenzstreitigkeiten effizient Hilfe leistet.

     
Jürgen Wöhler
Geschäftsführer
AHK Korea, Seoul

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Oktober 2008