Handel mit der MENA-Region weiter im Aufwind

Der Nahe und Mittlere Osten sowie Nordafrika, kurz MENA, ist neben Osteuropa die wichtigste Partnerregion vor den Toren der EU. Im Jahr 2006 stieg das deutsche Handelsvolumen mit den MENA-Ländern gegenüber dem Vorjahr um knapp 16 Prozent auf 28 Milliarden Euro. Trotz dieser bereits beeindruckenden Zahlen bestehen in nahezu allen Branchen noch ungenutzte Liefermöglichkeiten. Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen derzeit neue städtebauliche und touristische Großprojekte in den boomenden Wirtschaftszentren der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Jenseits dieser Superlative lohnt aber ein breiterer Blick auf diese Region: Nach den VAE ist Saudi-Arabien der zweitwichtigste Absatzmarkt für deutsche Güter in der Region. Hier liegt ein Viertel der weltweiten Erdölreserven, mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 349 Milliarden Euro ist Saudi-Arabien die größte Volkswirtschaft der MENA-Region. Die dritte Position bei den deutschen Ausfuhren belegt der Iran. Verschärft durch das seit April EU-weit geltende Embargo entwickeln sich die Zahlen jedoch seit 2005 rückläufig.

In Nordafrika verfügt vor allem das bevölkerungsreiche Ägypten über einen starken industriellen Sektor und bietet seit Jahrzehnten vielfältige Lieferchancen. Die größte Herausforderung wird es sein, nicht zuletzt mithilfe ausländischer Investoren, den ägyptischen Privatsektor zu stärken. Auch das kleinere Tunesien verfügt über eine diversifizierte und im regionalen Vergleich moderne Industrie und ist keinesfalls nur begehrtes Reiseziel für sonnenhungrige Touristen. Algerien und Libyen befinden sich derzeit mitten im Modernisierungsprozess und können dabei auf große Erdöleinnahmen bauen. Europas nächster Nachbar, Marokko, schließlich setzt mit einer überzeugenden Zwischenbilanz die Liberalisierung seiner Wirtschaft fort.

Der Markteintritt in der MENA-Region gilt immer noch als schwierig. Dabei wird oft übersehen, dass viele der berüchtigten bürokratischen Hürden bereits der Vergangenheit angehören. Saudi-Arabien beispielsweise hat schon im Vorfeld seines WTO-Beitritts die rechtlichen Rahmenbedingungen erheblich zugunsten ausländischer Investoren und Lieferanten reformiert. Exporte in die meisten Länder können heute zu günstigen Konditionen über das Hermes-Instrumentarium abgesichert werden. Bei allen bestehenden politischen Unwägbarkeiten hat die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte gezeigt, dass die Chancen dieser Märkte die Risiken bei Weitem übersteigen. Vom 17. bis 28. September können Sie sich im Rahmen der hessenweiten Veranstaltungsreihe "Hessen meets the Middle East and North Africa" aus erster Hand über Ihre Marktchancen in der MENA-Region informieren.


Stefan Messer
Vorsitzender der Geschäftsführung
Messer Group
Sulzbach
Mitglied der IHK-Vollversammlung und Vorsitzender des IHK- Außenwirtschaftsausschusses

IHK WirtschaftsForum
Juni 2007