Sonderwirtschaftszonen: Günstige Rahmenbedingungen
Inzwischen gibt es in Russland 13 Sonderwirtschaftszonen. Sie wurden geschaffen, um neue Investoren zu gewinnen und technologische Cluster zu bilden

Das Instrument der Sonderwirtschaftszonen ist in Russland noch vergleichsweise jung. Erst im Jahr 2005 wurden die rechtlichen Voraussetzungen hierfür geschaffen. Ziel der Sonderwirtschaftszonen ist es, neue Investoren anzulocken und Technologiecluster zu bilden. Drei Typen von Sonderwirtschaftszonen wurden seitdem gegründet, mit den Schwerpunkten Industrie- und Produktion, Einführung innovativer Technologien sowie Tourismus und Erholung.


Daneben gibt es bereits seit Jahren die Sonderwirtschaftszonen in Kaliningrad und Magadan, die einen zollfreien Warentransport erlauben und vor allem für die Lohnfertigung genutzt werden. Außerdem sind noch spezielle Touristen- und Hafenzonen vorgesehen, die jedoch anderen Gesetzen unterliegen.

Seit 2008 werden darüber hinaus fünf IT-Technologieparks entwickelt, die zwar keine steuerlichen Vergünstigungen anbieten, aber wichtige Infrastruktur bereitstellen. Meist ist die Geltungsdauer der Vergünstigungen auf 20 Jahre beschränkt.

Bereits recht weit vorangeschritten ist die Sonderwirtschaftszone Selenograd, die im Dezember 2005 auf dem Terrain des Innovationskomplexes des Moskauer Staatsinstituts für Elektronentechnik gegründet wurde. Die Stadt Selenograd liegt etwa 37 Kilometer nordwestlich vom Moskauer Stadtzentrum entfernt auf einer Anhöhe. Auf einer Gesamtfläche von mehr als einer Million Quadratmetern entsteht ein Forschungs- und Entwicklungsverbund im Bereich Mikroelektronik, Optik, neue Materialien sowie elektronischer Gerätebau, an dem sich unter anderem internationale Marktführer wie Motorola oder Texas Instruments beteiligen.

Im Juni besuchte eine hessische Unternehmerdelegation unter Leitung des hessischen Wirtschaftsministers Dieter Posch die Sonderwirtschaftszone. Hintergrund dieses Besuchs ist eine neue Partnerschaft zwischen Selenograd und dem Frankfurter Stadtteil Riedberg, die sich in ihrer jeweiligen Metropolregion als Standorte für Wissenschaft und Technologie positionieren und daher einige Gemeinsamkeiten aufweisen. Von hessischer Seite beteiligten sich unter anderem die Kooperationsgemeinschaft Science City Frankfurt Riedberg sowie die Universität Frankfurt und eine Reihe von hessischen Unternehmen.

Für den 26. November ist im Rahmen des 6. Nanotechnologieforums Hessen eine Ausstellung russischer Unternehmen, darunter auch Vertreter aus Selenograd, geplant.
In den 13 Sonderwirtschaftszonen sind derzeit mehr als 170 russische und internationale Unternehmen angesiedelt. Mehr als 1,5 Milliarden Euro wurden investiert, davon die Hälfte von staatlicher Seite. Ein wesentlicher Vorteil für die Unternehmen besteht in den schnelleren administrativen Genehmigungsverfahren, die im One-Stop-Shop-Prinzip abgewickelt werden. Behörden und Zolldienste haben eigene Vertreter vor Ort.

Bei den industriellen Sonderwirtschaftszonen stellt sich teilweise das Problem, dass wirklich große ausländische Unternehmen häufig vorziehen, eigene Wege zu gehen und selbst bei Gebietskörperschaften günstige Rahmenbedingungen verhandeln. Mittelständische Unternehmen wollen sich hingegen ungern im Vorhinein auf große Investitionssummen festlegen. Der Vorteil bei den Sonderwirtschaftszonen zur Einführung innovativer Technologien, zu denen auch Selenograd gehört, ist, dass hier keine Mindestinvestitionssummen gefordert werden wie bei den industriellen Sonderwirtschaftszonen.
IHK Frankfurt am Main
International


Infos und Kontakt

Ein Überblick zu den Sonderwirtschaftszonen ist abrufbar auf der Website der Repräsentanz der Handels- und Industriekammer der Russischen Föderation in Deutschland unter www.hik-russland.de/sonderwirtschaftszonen.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) hat im Mai eine Vereinbarung mit der Verwaltung der russischen Sonderwirtschaftszonen getroffen, um neue mittelständische Investoren zu gewinnen.

Kontakt:

Elena Harrer
Expont Trading und Consult
Vertretung des BVMW
Moskau
Telefon 06172 6877 85

IHK WirtschaftsForum
November 2009