British Columbia
Wilde Natur und Hightech

Wenn in Wirtschaftskreisen Kanada erwähnt wird, dann werden damit meist die Industrieregionen der Provinzen Ontario und Alberta assoziiert. Bei der kanadischen Provinz British Columbia fallen den meisten Befragten nur ein paar Dinge ein: Liegt an der Westküste, grenzt an Alaska und demnach muss es dort kalt sein, hat eine ausgedehnte Holzwirtschaft und bietet eine atemberaubende Natur. Wenig bekannt ist indes, dass British Columbia auch interessante Geschäftsmöglichkeiten bietet.

Alberta steht zum einen für die Energieträger Öl, Gas, Teersände, zum anderen für einen leistungsfähigen Tourismussektor in den Skigebieten rings um Banff und Lake Louise sowie an der Südseite der Rocky Mountains. Ontario hat mit großem Erfolg internationale Unternehmen angeworben und profitiert dabei von der geografischen Nähe zur US-Metropole Chicago und den angrenzenden Industriezentren. Im Rahmen der Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA können in Kanada produzierte Waren zollfrei in die USA geliefert werden.

Die Assoziationen, die British Columbia auslöst, sind hingegen nicht falsch, aber meist unvollständig. Keine Frage, in British Columbia gibt es traumhafte Landschaften. Wild und bizarr in den Rocky Mountains, reißende Gebirgsflüsse voller Fische, undurchdringliche Wälder mit Beeren und Bären. Das Klima wird durch die warmen Pazifikströme beeinflusst. Auch im Winter fallen die Temperaturen selten in Minusbereiche, und der Sommer wartet mit europäischem Klima auf. British Columbia ist neben Neuseeland die einzige Region auf der Welt, wo der Urlauber morgens auf einem Ozean segeln und abends skilaufen kann. Die jährlich mehr als 22 Millionen Besucher wissen diese Vielfalt zu schätzen. Als Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2010 wird das Land weiterhin steigende Besucherzahlen verzeichnen können.

Im Ausland weniger bekannt sind die guten Geschäftsmöglichkeiten in der Provinz British Columbia. Kaum einer weiß beispielsweise, dass Vancouver nach New York und Los Angeles die drittgrößte Film-, TV- und New Media-Produktionsstätte in Nordamerika ist. Gerade in Vancouver lassen sich Projekte aus diesen Branchen schneller abwickeln als andernorts, damit verringern sich die Finanzierungskosten.

British Columbia ist der zweitwichtigste Standort für Biotechnologie in Nordamerika, auch die IT-Branche wächst zweistellig. In und um Vancouver konzentrieren sich interessanterweise die Entwickler von Computerspielen. In Vancouver ist der drittwichtigste Hafen in Nordamerika. Containertransporte von Asien über Vancouver oder Prince Rupert in den mittleren Westen der USA brauchen fast drei Tage weniger als die gleichen Lieferungen über Long Beach oder Los Angeles. Um diesen Standortvorteil auszubauen, hat die kanadische Bundesregierung unter dem Stichwort „Pacific Gateway Strategy“ unlängst mehr als eine halbe Milliarde kanadische Dollar für den Ausbau der Infrastruktur, Häfen, Schienenanbindung, Verbesserung der Straßen und der Beschleunigung der Zollübergänge an der Westküste bereitgestellt. Public Private Partnerships oder BOT sind übliche Finanzierungsformen, aus denen sich auch für deutsche Unternehmen interessante Geschäftsmöglichkeiten ergeben.

Die Regierung der Provinz British Columbias unter Führung von Premier Gordon Campbell gilt als wirtschaftsfreundlich. Durch Steuererleichterungen sollen gezielt Investoren geworben werden. Über den International Financial Activities Act erhalten beispielsweise Unternehmen, die bestimmte Finanzaktivitäten über British Columbia abwickeln, eine Gutschrift auf die Körperschaftsteuer, deren Höhe in Kanada maßgeblich von der Provinzregierung bestimmt wird. Das gilt für den internationalen Vertrieb von Film- und TV-Verwertungsrechten ebenso wie für die Biotech-Branche.


Dr. Rainer M. Giersch
Director
Business Development Europe
Ministry of Economic Development, Marketing, Investment and Trade
British Co-lumbia, Kanada

IHK WirtschaftsForum
Januar 2007