Bildung: Kapital für den Standort

1Wie geht es Ihnen mit dem Begriff Humankapital? Neuerdings zögere ich, diesen Begriff zu verwenden, schließlich hat die Gesellschaft für Deutsche Sprache ihn gerade erst zum Unwort des Jahres erklärt. Zweierlei lässt sich aus der Wahl der Jury ableiten: Erstens, das Thema Bildung wird wieder diskutiert. Zweitens zeigt sich, dass die Diskussion um die Notwendigkeit von Bildung noch immer ideologisch geführt wird. Dabei sagt der Begriff nicht mehr aus, als dass es sich bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines Unternehmens um Kapital im Sinne eines wertvollen Gutes handelt, das man umsichtig behandeln und in das man vor allem investieren muss.

Und Investitionen in die Bildung sind notwendiger denn je. Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist am Ende seiner Rationalisierungsbemühungen angelangt. Zukünftig wird er sich nur mit motivierten, kreativen und sich laufend weiterqualifizierenden Mitarbeitern in der globalisierten Wirtschaftswelt behaupten können. Dies ist kein Geheimnis und spätestens seit dem Pisa-Schock erklären nahezu alle Parteien und Organisationen: Bildung ist das wichtigste Kapital für den Standort Deutschland. Da verwundert es schon sehr, dass Unternehmer mehr als zurückhaltend in das Wissen und Können ihrer Beschäftigten investieren und Weiterbildung zur Privatsache ihrer Beschäftigten erklären.

Aber es gibt auch positive Entwicklungen. Die seit Anfang des Jahres in der EU gültigen International Accounting Standards empfehlen im Standard DRS 12 eine Dokumentation des „geistigen Kapitals“. Dadurch werden Ausbildung, Wissen und Erfahrung von Mitarbeitern zumindest buchhalterisch signifikant aufgewertet. Zu Recht, schließlich sind sie es, die Wettbewerbsvorteile und Unternehmenserfolg garantieren.

Auch die Politik hat sich längst des Themas angenommen. Doch anstatt neue Lösungswege zu beschreiten, wird wieder einmal – wie bei der Ausbildungsplatzabgabe – über regulative Maßnahmen nachgedacht. Der Versuch, Bildung „von oben“ vorzuschreiben, wird nicht funktionieren. Ähnliche Versuche haben bereits in Frankreich wenig gebracht. Auch wenn eine solche Verpflichtung der Bildungswirtschaft eventuell mehr Kunden brächte, spricht sich der IHK-Bildungsausschuss deutlich gegen einen derartigen Eingriff in die unternehmerische Freiheit aus. Genauso deutlich lehnt der Ausschuss staatlich subventionierte Weiter-bildungsangebote von Beruflichen Schulen und Hochschulen ab.

Statt auf Regulierung setzt der IHK-Ausschuss Bildungswirtschaft auf folgende Ziele: Die Angebote und Leistungen der Bildungswirtschaft müssen bekannter werden. Darüber hinaus sollten die Angebote transparenter werden, um einen fairen Wettbewerb der Konzepte und Leistungen zu ermöglichen. Lebenslanges Lernen muss für Beschäftigte ebenso selbstverständlich werden wie auf Unternehmerseite die Investition in Weiterbildung als Investition in die eigene Unternehmenszukunft.

Ich freue mich sehr, dass sich diese Ausgabe des IHK WirtschaftsForums ganz dem Thema Bildung widmet, und hoffe, dass das Engagement der IHK die notwendige Debatte zum Thema Bildungsstandort Hessen bereichern kann – nicht nur für die über 12 000 im Bildungssektor Hessens Beschäftigten, sondern vor allem für die Zukunft des Wissensstandortes Deutschland.
 

Bettina Ardelt 
Geschäftsführerin
RKW Hessen, Eschborn
Mitglied der IHK-Vollversammlung
Vorsitzende des IHK-Ausschusses Bildungswirtschaft
 

Foto: Jochen Müller
 
IHK WirtschaftsForum
Mai 2005
 
 

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