Wachstumsmotor Umweltwirtschaft

Die Preise für fossile Energieträger und andere Rohstoffe steigen seit Jahren. Das Signal, dass diese natürlichen Ressourcen knapper werden, ist eindeutig. Immer konkreter werden zudem die potenziellen ökonomischen Risiken und Lasten des Klimawandels und anderer Umweltprobleme.

Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass in fast allen Ländern der Erde der Umwelt-, Klima- und Energiepolitik inzwischen eine hohe Priorität beigemessen wird. Den Regierungen steht ein breiter umweltpolitischer Instrumentenmix zur Verfügung, der in den nächsten Jahren stärker zum Einsatz kommen wird. Das Ziel lautet effizienter Umgang mit knappen Ressourcen sowie Reduktion von Treibhausgasemissionen und anderen Schadstoffen. Für Unternehmen und private Haushalte ist gleichermaßen bedeutend, dass Klima- und Umweltpolitik kein Strohfeuer sein wird. Viele Weichen sind bereits gestellt worden, die die grundsätzliche Richtung für die nächsten Jahre vorgeben. Auch die Energie- und Rohstoffpreise dürften in den nächsten Jahren tendenziell eher weiter steigen.

Die hier skizzierten Rahmenbedingungen bedeuten natürlich eine große Herausforderung für die Wirtschaft. Deutschland hat allerdings einen Vorteil: Hiesige Unternehmen liegen in vielen Bereichen der Umwelttechnologie international an der Spitze, weil Deutschland schon früh strenge gesetzliche Umweltstandards eingeführt hatte. Diese haben Innovationen in der Umwelttechnologie gefördert. Umweltverträgliche Produkte und Produktionsprozesse sind ein Markenzeichen der deutschen Industrie. In den nächsten Jahren bieten sich enorme Exportmöglichkeiten, da viele Länder erst damit beginnen, Umweltbelangen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Dank des zeitlichen Vorsprungs gegenüber anderen Ländern sind die Chancen der deutschen Wirtschaft folglich sehr gut, Kompetenzen zu bündeln und Maßstäbe bei der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren zu setzen. Aber Wirtschaft und Politik können sich nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern müssen durch intensive Anstrengungen, vor allem aber mehr Forschung gewährleisten, dass wir unseren Vorsprung gegenüber Amerika und Asien zumindest halten können.

Zu den Sektoren, für die die anstehenden Herausforderungen in erster Linie auch Chancen bedeuten, zählen alle Formen von erneuerbaren Energien sowie effiziente traditionelle Kraftwerkstechnik, Technologien rund um die Wasserwirtschaft, verbrauchsarme Antriebstechnologien und Leichtbauweise im Fahrzeugbau, Prozessautomation, Recycling- und Filtertechnologien oder neue Verfahren der Gebäudedämmung. Auf der Verliererseite werden vor allem jene Branchen und Unternehmen stehen, die mit Rohstoffen und Energie nicht sparsam umgehen und die die Umweltpolitik für eine Modeerscheinung halten.


Prof. Norbert Walter
Chefvolkswirt
Deutsche Bank
Frankfurt am Main

IHK WirtschaftsForum
Juli August 2008
 

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