Start des Modellprojekts zum Ausbildungseinstieg für Jugendliche mit schlechten Startchancen

Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung

2005-08-23

Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Abeln übergibt Förderbescheid in Höhe von rund 529.000 Euro an INBAS - Start des Modellprojekts zum Ausbildungseinstieg für Jugendliche mit schlechten Startchancen

Keinen Ausbildungsplatz bekommen, weil die Startchancen schlecht sind? Den geeigneten Auszubildenden noch nicht gefunden – oder unsicher, selber auszubilden? Hier soll das Modellprojekt „Qualifizierungsbausteine im Betrieb – QuiB“, ein vom Hessischen Wirtschaftsministerium gefördertes und dem Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik INBAS GmbH in Offenbach entwickeltes Projekt, weiterhelfen. Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Abeln gab heute mit der Überreichung des Förderbescheides an Nader Djafari, Geschäftsführer des Projektträgers INBAS, in der IHK Frankfurt den Startschuss für ein deutschlandweit einmaliges Modellvorhaben, das Jugendlichen mit schlechten Startchancen den Berufseinstieg erleichtern soll.  Mit einer Förderung in Höhe von rund 529.000 Euro, hiervon 422.000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds und 107.000 Euro aus Mitteln des Landes Hessen, übernimmt das Land rund 55 Prozent der entstehenden Kosten.

Abeln: „Schulabgänger mit schlechten Startchancen haben es in Zeiten mit engen Ausbildungsplatzangeboten besonders schwer einen Ausbildungsplatz zu finden. Um die beruflichen Einstiegsmöglichkeiten dieser Jugendlichen zu verbessern, ermöglicht das Berufsbildungsgesetz der Wirtschaft seit Mitte 2003 Berufsausbildungsvorbereitungen durchzuführen. Die hierfür erforderlichen Voraussetzungen und Strukturen sind im Entstehen. Aber gerade kleine und mittlere Unternehmen haben Probleme die vorhandenen Strukturen zu erkennen und anzuwenden. Es fällt ihnen schwer, die erforderlichen Voraussetzungen, wie zum Beispiel das Sicherstellen einer sozialpädagogischen Betreuung, zu erfüllen. Hier soll das von INBAS vor dem Hintergrund des nationalen Ausbildungspaktes ins Leben gerufene Projekt „QuiB“ unterstützend eingreifen“.

Die QuiB-Idee: Die Zeit bis zur nächsten Ausbildungsrunde 2006 soll über „Qualifizierungsbausteine im Betrieb“ sinnvoll genutzt werden. An einer betrieblichen Ausbildung interessierte Jugendliche mit schlechten Startchancen werden dort, wo es am sinnvollsten ist, nämlich im Betrieb selbst auf eine Ausbildung vorbereitet, so Abeln. Das Modell sieht vor, dass in der Projektlaufzeit bis Ende 2007 insgesamt 120 Jugendliche zwischen sechs und maximal zwölf Monate lang über Qualifizierungsbausteine gezielt in einem Beruf eine Teilqualifikation erwerben. Sind benötigte Qualifizierungsbausteine noch nicht vorhanden, werden passende entwickelt. Die Qualifizierungsbausteine sind aus Teilen eines anerkannten Ausbildungsberufes zusammenzusetzen und decken ein genau definiertes berufsbezogenes Aufgabenfeld ab. Ein solcher Baustein, bewusst kleinteilig angelegt, könnte im Hotel- und Gaststättengewerbe zum Beispiel sein: „Das Frühstücksbuffet – Organisation und Abwicklung“. Am Ende eines jeden Bausteins wird das Gelernte überprüft und die Leistung mit einem Zertifikat bestätigt. Die Jugendlichen können praktisch ausprobieren, ob ihr „Traumberuf“ hält, was er verspricht. „Schließlich brechen viele Jugendliche eine gerade begonnene Ausbildung deshalb ab“, so Abeln, „weil sich ihre Erwartungen an den Beruf oft als falsch erweisen.“  Mit der Teilnahme an einer Berufsausbildungsvorbereitungsmaßnahme  erwerben die teilnehmenden jungen Menschen eine „Eintrittskarte“ für eine Ausbildung in einem Vollberuf.

Jugendliche, die von QuiB profitieren wollen, können sich bei der Agentur für Arbeit bewerben. Zu interessierten Unternehmen nimmt die IHK Frankfurt Kontakt auf. Dr. Joachim v. Harbou, Präsident der IHK Frankfurt: „Für die Unternehmen bietet sich die Chance Jugendliche intensiv kennen zu lernen, und so auch Stellen besetzen zu können, für die bisher keine passenden Bewerber gefunden wurden. Die IHK setzt sich dafür ein, dass alle suchenden Jugendlichen einen Platz finden und will über das Modellprojekt auch Unternehmen für das Thema Ausbildung gewinnen, die bisher nicht ausgebildet haben.“

Auch für Betriebe lohnt sich der sanfte Einstieg in die Ausbildung über die Einstiegsqualifizierung. Die Agentur für Arbeit übernimmt nicht nur die Auswahl der Jugendlichen, sondern auf Antrag auch deren Vergütung: mindestens 192 Euro pro Monat sowie 102 Euro Sozialversicherungsbeiträge. Den Betrieben, die bisher nicht ausgebildet haben, so der Staatssekretär über das Ziel des Projekts, wird dadurch der Einstieg in die Ausbildung erleichtert. Sie können die jungen Leute kennen lernen, sie auf ihre betrieblichen Bedürfnisse einstellen, sich aber auch wieder von ihnen trennen, wenn sie ihre Chance, die der Betrieb ihnen mit dieser Vorbereitung gibt, nicht nutzen.

Constanze Brucker, bei INBAS für das Projekt QuiB verantwortlich: „Die Jugendlichen haben danach bei Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz viel bessere Chancen. Sie können nicht nur sagen: `Ich hab das schon mal gemacht!´, sondern mit dem Zertifikat auch erste fachliche Kompetenz vorweisen.“

Um die kleinen und mittleren Betriebe für diese Idee zu begeistern, ist eine tragfähige Unterstützungsstruktur herzustellen. Dazu gehört ebenso die Entwicklung und Erprobung von Arbeitshilfen für die Betriebe und von Wegweisern sowie Arbeits- und Lernhilfen für die teilnehmenden Jugendlichen sowie Hinweise und Handreichungen für die sozialpädagogische Betreuung, die während der Laufzeit des Modells vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft erarbeitet werden. Die Qualifizierungsbausteine selbst sind flexibel angelegt und sollen genau auf die betrieblichen Bedürfnisse angepasst werden. Dafür stehen QuiB - Mitarbeiter parat, die helfen, den Ablauf im Betrieb für alle Beteiligten möglichst ohne Reibungsverluste zu gestalten. Abeln erhofft sich mit der Fertigstellung der Unterstützungsstruktur einen großen Schritt hin zur besseren und vermehrten Nutzung des Instrumentes der betrieblichen Berufsausbildungsvorbereitung, auch ohne staatliche Förderung.

Die Erprobung der neuen Arbeitsmittel und Hinführung der Teilnehmerbetriebe zur Ausbildungsvorbereitung soll im Sommer 2007 abgeschlossen sein. Die erstellten Handlungsanleitungen stehen dann allen interessierten Ausbildungsbetrieben  zur Verfügung. Nach Ablauf des Modellprojektes muss es den kleinen und mittleren Betrieben gelingen, Maßnahmen der Ausbildungsvorbereitung alleine, unter Zuhilfenahme der Handlungsanleitung, zu organisieren. Hierbei hofft Abeln auch auf die Multiplikatorenfunktion der Modellprojektteilnehmer. „Ich danke den das Projekt unterstützenden Institutionen IHK Frankfurt, Agentur für Arbeit und dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft sowie den Fachverbänden des Hotel- und Gaststättenverbandes und dem Einzelhandelsverband in Frankfurt für die konstruktive Zusammenarbeit. Ohne die Unterstützung dieser Akteure ist ein Projekt wie QuiB nicht denkbar“, so Abeln abschließend.

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