Touristische Potenziale von Rhein-Main noch nicht ausgeschöpft<br>Tourismusstudie der IHKs Wiesbaden, Mainz und Frankfurt vorgestellt

2005-12-07

Die touristischen Potentiale der Rhein-Main-Region seien bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Besonders im Geschäfts- und Städtereisetourismus stehe die Region trotz bereits beachtlicher Gästezahlen noch am Anfang. Allerdings sei es schwierig das gesamte Rhein-Main-Gebiet in dieser Hinsicht einheitlich zu vermarkten. Der Kernbereich für den aktuellen wie zukünftigen Geschäfts- und Städtereisetourismus liege in den Städten Frankfurt, Wiesbaden und Mainz – ohne jedoch auf dieses Gebiet begrenzt zu sein. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Tourismusstudie, welche die drei Industrie- und Handelskammern Wiesbaden, Rheinhessen und Frankfurt heute anlässlich ihres ersten gemeinsamen Tourismusforums in der IHK Wiesbaden präsentierten. Die Studie mit dem Titel „Analyse der touristischen Vermarktung der Region Rhein-Main“ wurde vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr e.V. an der Universität München (dwif) erstellt.

Der Wiesbadener IHK-Präsident Dr. Gerd Eckelmann sagte in seiner Ansprache, dass das gemeinsame Tourismusforum für einen Neubeginn in der Zusammenarbeit der drei Städte auf touristischem Gebiet stehe. „Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, das touristische Image der Region Rhein-Main aufzupolieren. Eine Region wie Rhein-Main darf im Wettbewerb nationaler und internationaler Tourismusregionen nicht immer weiter abfallen, nur weil die Standortvorteile nicht hinreichend bekannt sind. Nein, eine solche Region muss es schaffen, einen Platz unter den Besten auch im internationalen Ranking der Regionen einzunehmen“, betonte Eckelmann. Die drei IHKs wollten dabei keinesfalls bei Null beginnen, sondern vor allem dafür sorgen, dass die bereits geleistete wertvolle Vorarbeit vieler Organisationen nicht im Sande verlaufe und alle Interessen zusammengeführt werden. Orientierung gebe unter anderem auch die gemeinsame Tourismusstudie.

Der Präsident der IHK für Rheinhessen, Dr. Harald Augter, empfahl die Industrie- und Handelskammern als ideale Plattform für länderübergreifende Kooperationen bei der touristischen Vermarktung des Rhein-Main-Gebietes: „Dem Rhein als Trennungslinie zwischen Bundesländern haftet etwas Archaisches an in einer europäischen Wachstumsregion, die sich mit Wettbewerbern wie den Großräumen London, Paris und Mailand oder mit Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München messen muss. In dieser Konkurrenz vergeben wir viele Chancen, wenn wir uns den Blick durch Ländergrenzen verstellen lassen.“ Augter nannte die gute Zusammenarbeit zwischen Mainz und Wiesbaden. Er zitierte die Wiesbadener Offerte, auf Kasteler Gebiet eine gemeinsame Fußball-Arena zu errichten oder an den gemeinsamen Einsatz beider IHKs für eine Rheinbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim. Augter sagte: „Es liegt im Interesse der Industrie- und Handelskammern diese gemeinsame Basis zu stärken und über die Grenzen der Bundesländer hinweg die Möglichkeiten der Vermarktung des Geschäftstourismus in der Rhein-Main-Region weiter voran zu treiben.“

Dr. Joachim v. Harbou, Präsident der IHK Frankfurt am Main, sagte: „Der zunehmende Globalisierungsprozess verschärft den Wettbewerb zwischen dem touristischen Angebot des Reiselandes Deutschland mit anderen Destinationen weltweit. Natürliche Stärke der Metropolregion FrankfurtRheinMain als Finanz-, Messe-, Handels- und Verkehrszentrum ist der Geschäftsreiseverkehr, der weiterentwickelt werden muss. Es müssen zielgruppenspezifische Produkte für den Geschäftstourismus, den Messe- und Kongresstourismus, selbstverständlich auch für Städtereisen, entwickelt werden. Dieses Angebot muss geschärft und abgegrenzt werden, und zwar über Verwaltungs- und Kammergrenzen hinaus für die gesamte Region FrankfurtRheinMain.“ Der Begriff „RheinMain“ verfüge weder im touristischen noch im Sektor der Geschäftsreisen über eine Markenkraft, eventuell ansatzweise mit Blick auf den internationalen Verkehr der Begriff „FrankfurtRheinMain“. Deshalb müsse zwingend eine solche „Marke“ entwickelt werden. „Dabei ist es allerdings von überragender Bedeutung, dass sich die Marke und die daraus entwickelten Angebote nicht nur auf das Abwickeln der Geschäfte beschränken, sondern dass auch die Rahmenangebote im Sinne weicher Marketingfaktoren auf den Gebieten von Sport, Freizeit und Kultur attraktiv sind“, unterstrich v. Harbou.

Mit Blick auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft hoben alle drei IHK-Präsidenten die hervorragenden Möglichkeit für die Region hervor, sich im besten Licht zu präsentieren und die gemeinsame Identität nach innen zu stärken. Als eines der ersten gemeinsamen Projekte werden die drei IHKs daher im nächsten Halbjahr die heute Nachmittag in Berlin vorgestellte „Freundlichkeitskampagne“ der Bundesregierung aufgreifen. Dieses Konzept will alle Dienstleister ansprechen, um den WM-Gästen in Deutschland optimalen Empfang, Orientierung und Aufenthalt zu ermöglichen. Die drei IHKs wollen es übernehmen, Schnittstellen zu Verbänden und anderen Multiplikatoren herzustellen bei Bedarf zu koordinieren. Interessant wäre es, wenn daraus ein Freundlichkeits-Wettbewerb der Regionen entstünde und der Erfolg im Rahmen einer bundesweit durchgeführten Befragung der WM-Gäste gemessen würde.

Zum Hintergrund:

Mit jährlich mehr als neun Millionen Übernachtungen und gut 70.000 Hotelbetten gehört das Rhein-Main-Gebiet zu den führenden Tourismusregionen in Deutschland. Den Schwerpunkt bilden Tagungen, Kongresse und Geschäftsreisen. Zwar engagieren sich 13 verschiedene Organisationen dafür, die Rhein-Main-Region als Ganzes voranzubringen, allerdings fehlt es nach wie vor an einem einheitlichen Selbstverständnis der Region und an einer engen Verzahnung auf dem Gebiet des Tourismus.

Die Studie „Analyse der touristischen Vermarktung der Region Rhein-Main“ vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr e.V. an der Universität München (dwif) liegt bislang leider noch nicht in gedruckter oder digitaler Form vor. Die Ergebnisse wurden erstmals in dem IHK-Tourismusforum am 6. Dezember 2005 in der IHK Wiesbaden präsentiert.


Informationen für die Presse: Annett Munterer
 

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