IHK Frankfurt: Konjunkturentwicklung im Main-Taunus-Kreis weiter positiv

2006-02-22

Anlässlich der Pressekonferenz zur Konjunkturentwicklung im Main-Taunus-Kreis erklärte Hort Platz, Vizepräsident der IHK Frankfurt am Main:

Das vergangene Jahr verlief längst nicht so positiv, wie wir es noch zu Jahresbeginn erwartet hatten. Neben dem drastischen Anstieg der Energiepreise und der anhaltend schwierigen Situation auf dem Arbeitsmarkt führte auch die politische Unsicherheit als Folge der angekündigten Neuwahl zu einer insgesamt unbefriedigenden Konsum- und Investitionsgüternachfrage. Der private Konsum sank nach bisherigen Schätzungen des Hessischen Statistischen Landesamtes um 0,5 Prozent, die Anlageinvestitionen gingen um 0,9 Prozent zurück und die Bauinvestitionen verringerten sich gegenüber dem Vorjahr sogar um real 4,9 Prozent. Ohne den Exportüberschuss in Höhe von 1,7 Prozent wäre die deutsche Wirtschaft in die Rezession geraten. So wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent. Im Jahr 2004 hatte das Wirtschaftswachstum noch 1,6 Prozent betragen.

Auch der Main-Taunus-Kreis konnte sich der mäßigen bundesweiten Entwicklung nicht entziehen. Das wirtschaftliche Wachstum dürfte mit 1,0 Prozent (endgültige Zahlen auf Kreisebenen liegen noch nicht vor) aber leicht höher als im Bundesdurchschnitt liegen. Auf dem Arbeitsmarkt stieg die Zahl der Arbeitslosen im Januar im Verhältnis zum Vergleichsmonat des Vorjahres um 5 Prozent auf 6963 Personen. Die Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen beträgt zurzeit 6 Prozent.

Geschäftsklima im Main-Taunus-Kreis

Zum Jahresbeginn 2006 zeigt sich inzwischen eine spürbare konjunkturelle Belebung. Das Geschäftsklima bei den Unternehmen hat sich deutlich verbessert.
Insgesamt wurden im Januar 2006 innerhalb des IHK-Bezirks Frankfurt 1.200 Unternehmen nach der Einschätzung der gegenwärtigen Lange und den Zukunftserwartungen befragt, darunter 300 Unternehmen aus dem Main-Taunus-Kreis.

Der IHK-Geschäftsklimaindikator ist um 11,8 Punkte gegenüber Herbst 2005 gestiegen. Mit 113,8 Punkte liegt der Indikator aktuell auf einem Niveau wie zuletzt im Jahr 2000. 30,8 Prozent der Unternehmen bezeichnen die gegenwärtige Lage als „gut“, 52,7 Prozent als „befriedigend“ und lediglich 16,5 Prozent als „schlecht“. Bezüglich der Erwartungen für das laufende Jahr überwiegt der Optimismus. 29,4 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage, 16,1 Prozent eine Verschlechterung.

Das Geschäftsklima hat sich in allen Branchen verbessert. Allerdings lassen sich bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage deutliche Unterschiede je nach Betriebsgröße feststellen. Allgemein wird die Situation um so besser eingeschätzt, je größer das Unternehmen ist. Hinzu kommt, dass vor allem exportorientierte Unternehmen besonders zuversichtlich sind, während stärker binnenmarktorientierte Unternehmen nur sehr verhalten optimistisch sind.

Im Vergleich zum gesamten IHK-Bezirk Frankfurt ist die Stimmungslage bei den Unternehmen im Main-Taunus-Kreis etwas schlechter. Der Gesamtindikator für den IHK-Bezirk liegt mit 119,5 Punkten um 5,7 Zähler über dem Niveau im Main-Taunus-Kreis. Dies lässt sich zu einem Teil auf die entsprechend der Wirtschaftsstruktur unterschiedliche Zusammensetzung der Befragungs-Panels in den beiden Landkreisen und der Stadt Frankfurt erklären. In Frankfurt etwa ist der Anteil großer Unternehmen höher und der hier stark vertretene Bankensektor schaut ausgesprochen optimistisch in die Zukunft. Dennoch fällt auf, dass auch bei vergleichbaren Branchen und Betriebsgrößen die wirtschaftlichen Perspektiven im Main-Taunus-Kreis etwas schlechter beurteilt werden als in der Stadt Frankfurt.

Die Unterschiede innerhalb des IHK-Bezirks zeigen sich insbesondere in der Investitions- und Beschäftigungsbereitschaft der Unternehmen. Der IHK-Investitionsindikator liegt im Main-Taunus-Kreis mit -5,8 Punkten im negativen, in der Stadt Frankfurt mit +12,3 Punkten hingegen deutlich im positiven Bereich. Während im Main-Taunus-Kreis lediglich jedes 12. Unternehmen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen möchte, trifft dies in Frankfurt für jedes 8. Unternehmen zu.

Geschäftsklima nach Wirtschaftszweigen

Industrie:

Das nach wie vor hohe weltwirtschaftliche Wachstum und die langsam sich verbessernde Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen wirkt sich positiv auf die Investitionsgüterproduzenten im Main-Taunus-Kreis aus. Immerhin 64,3 Prozent dieser Unternehmen beurteilen ihre Lage als „gut“. Für die kommenden Monate erwarten die Unternehmen kein Ende der insgesamt positiven Geschäftssituation. Optimistisch blicken auch die Ge- und Verbrauchsgüterproduzenten in das laufende Geschäftsjahr und selbst im Baugewerbe hat sich die Auftragssituation verbessert. Vor allem das Ausbaugewerbe erwartet durch veränderte steuerliche Regelungen positive Impulse. Trotz der positiven Erwartungen der Unternehmen ist im Produzierenden Gewerbe auch 2006 mit einem Beschäftigungsrückgang zu rechnen.
Press Release / Pressemeldung

Handel:

Die Konsumbereitschaft der privaten Haushalte hat sich zum Jahresbeginn 2006 leicht verbessert. Der private Verbrauch verbleibt aber auf niedrigem Niveau. Während Einzelhandels-Geschäfte in sehr guten Innenstadtlagen sowie in nicht-integrierter Lage am Stadtrand eine leichte Belebung verzeichnen können, konstatieren Facheinzelhändler in kleineren Gemeinden ein weiterhin stagnierendes bis rückläufiges Geschäft. Zum Jahresende wird die angekündigte Mehrwertsteuer-Erhöhung um 3 Prozentpunkte zum 1. Januar 2007 zu vorgezogenen Käufen führen. Für 2007 wird sich die höhere steuerliche Gesamtbelastung der privaten Haushalte jedoch als massive Konjunkturbremse auswirken.

Dienstleistungen:

Die Dienstleistungswirtschaft ist und bleibt Wachstums- und Beschäftigungsmotor im Main-Taunus-Kreis. Immerhin jeder fünfte unternehmensbezogene Dienstleister möchte im laufenden Jahr neue Stellen schaffen, lediglich 7,3 Prozent abbauen. Besondere Impulse sind dabei von Wirtschafts- und Unternehmensberatungsgesellschaften sowie vom Informations- und Kommunikationssektor zu erwarten.

Konjunkturelle Perspektiven für 2006

Im Jahr 2006 sind im Main-Taunus-Kreis wieder zufrieden stellende Wachstumsraten zu erwarten. Wir gehen von einem realen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,7 – 2,0 Prozent aus. Der Main-Taunus-Kreis wird sich auf Grund der insgesamt günstigen Standortbedingungen besser entwickeln als der westdeutsche Durchschnitt. Allerdings lassen unsere Umfrageergebnisse erwarten, dass in diesem Jahr der Main-Taunus-Kreis innerhalb der Gesamtregion FrankfurtRheinMain nicht zu den Wachstumsführern zählen wird. Die Arbeitsmarktsituation wird gemessen an der Arbeitslosenquote vergleichsweise günstig bleiben, ein deutlicher Zuwachs an Beschäftigten ist jedoch nicht zu erwarten.

Ansprechpartner: Dr. Rainer Behrend

Informationen für die Presse: Annett Munterer
 

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