Einzelhandel im Hochtaunuskreis vor großen Herausforderungen

2006-04-06

Um den Einzelhandel im Hochtaunuskreis ist es nicht schlecht bestellt“, so bilanziert Horst Platz, Vizepräsident der IHK Frankfurt am Main, anlässlich des IHK-Branchenporträts „Einzelhandel im Hochtaunuskreis“. Vor allem zeichne sich der Hochtaunuskreis durch seine hohe Kaufkraft aus. Seit mehreren Jahren könne er die deutsche Spitzengruppe deutlich vor dem Landkreis Starnberg und der Stadt München anführen. Mit 142,6 Punkten liege die durchschnittliche regionale Kaufkraft je Einwohner 42,6 Prozent über dem Bundesdurchschnitt und sei mehr als doppelt so hoch wie in Uecker-Radow (Mecklenburg-Vorpommern), Deutschlands kaufkraftschwächstem Landkreis. Platz präzisiert: „Allerdings gibt es im Hochtaunuskreis ein gravierendes Süd-Nordgefälle. Königstein, Kronberg, Glashütten liegen bezogen auf die einzelhandelsrelevante Kaufkraft an der Spitze, gefolgt von Bad Homburg und Oberursel. In Grävenwiesbach und Weilrod entspricht die Kaufkraft hingegen ‚nur’ dem Bundesdurchschnitt.“ Zu beachten sei aber so Platz weiter, dass der Hochtaunuskreis zudem Kaufkraft speziell an die Stadt Frankfurt und den Main-Taunus-Kreis verliere. Bei keiner Stadt bzw. Gemeinde liege die Zentralitäts-Kennziffer über 100, das heißt, jede Gemeinde für sich sei nicht in der Lage, die vor Ort vorhandene Kaufkraft tatsächlich auch zu binden.

„Der wesentliche Standortvorteil Bad Homburgs, eine attraktive Fußgängerzone zu besitzen, muss gesichert und weiter ausgebaut werden“, fordert Platz. Daher begrüße er ausdrücklich das Festhalten der Stadt Bad Homburg an den Vorgaben des auch mit Hilfe der IHK Frankfurt erstellten Zentrenkonzeptes. Ferner begrüße die IHK Frankfurt die Aktivitäten der Stadt zur Sicherung der Nahversorgung in den Ortsteilen, zum Beispiel am Philipp-Schäfer-Platz in Ober-Eschbach. Allerdings wartet Horst Platz noch immer auf eine Lösung für das Alte Landratsamt: „Hier muss nun endlich eine Lösung gefunden werden, um zu einer nachhaltigen Attraktivitätssteigerung der unteren Louisenstraße zu gelangen. 

Momentan vollziehe sich in einer Reihe von Gemeinden im Hochtaunuskreis Stadtentwicklungs-Prozesse, durch welche die Attraktivität als Einzelhandelsstandort verstärkt werde. Das gelte etwa für die Bebauung des Milupa-Geländes in Friedrichsdorf, den Berliner Platz in Kronberg, oder die Bebauung des Neuen Marktplatzes in Usingen. Gerade das Beispiel Usingen zeige auch, dass die vielfältigen Maßnahmen des Gewerbevereins, der innenstädtischen Einzelhändler und der Wirtschaftsförderung allmählich Früchte tragen. Platz hob besonders die Aktivitäten der Stadt Oberursel im Rahmen ihres Stadtmarketings hervor: „Der Versuch, die Immobilienbesitzer stärker in den Stadtentwicklungs-Prozess mit einzubinden ist wichtig.

„Kaum eine andere Branche steht in einem umfassenderen strukturellen Wandlungsprozess als der Einzelhandel“, führt Platz aus und verweist auf die Bedeutung des Einzelhandels für die Belebung der Innenstädte und die Attraktivität einer gesamten Stadt. Einen weiteren wichtigen Aspekt für die Zukunft des Einzelhandels komme der demografischen Entwicklung zu. „Keine Gemeinde im Hochtaunuskreis verfügt über eine ausreichende Fertilitätsrate der weiblichen Bevölkerung, um von sich aus den Einwohnerstand in Zukunft halten zu können. Diese Entwicklung hat selbstverständlich unmittelbar auch Auswirkungen auf den Einzelhandel. In alternden Gesellschaften kommt einer guten zentralörtlichen Versorgung in der Nähe eine wachsende Bedeutung zu. In der Gemeinde Wehrheim sind diese Probleme erkannt, und die vorgesehenen Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt werden einen Beitrag zur Verbesserung der Nahversorgungs-Situation leisten“, umreißt Platz das Thema. Weitere Anstrengungen in der Region seien aber erforderlich.

Mit über 1,3 Milliarden Euro steuerbarem Umsatz im Einzelhandel hat der Hochtaunuskreis einen Anteil von 3,7 Prozent des gesamten Umsatzes im hessischen Einzelhandel. Zum Stand 1. Januar stieg die Zahl der Handelsregisterfirmen im Einzelhandel von 672 auf 714 sowie die Zahl der Kleingewerbetreibenden von 1.866 auf 2.101 zwischen dem Jahr 2002 und 2006. Allerdings sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 2001 und 2005 von 5.076 auf 4.551. Diese Abnahme wird allerdings teilweise kompensiert durch die Zunahme der selbständigen Unternehmer, die sich hinter der Zahl der Kleingewerbetreibenden verbirgt.
Das IHK-Branchenporträt Einzelhandel im Hoachtaunuskreis kann kostenfrei bei
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Informationen für die Presse: Annett Munterer
 

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