Gemeinden schaffen mehr Angebote zur Kinderbetreuung

28-09-2007


Die Betreuungssituation im IHK-Bezirk Frankfurt am Main hat sich gegenüber der Vorjahresanalyse verbessert. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung im Rahmen des Familienatlasses der IHK Frankfurt am Main. Grundlage der Untersuchung bilden die amtlichen Zahlen des Hessischen Statistischen Landesamtes über die Kinder in Krippen, Kindergärten und Horten (Stichtag: 15.03.2006). Außerdem wurden die jüngsten Entwicklungen in der Stadt Frankfurt und den beiden Landkreisen berücksichtigt. „Aufgrund unterschiedlicher Stichtage der jeweiligen Daten haben wir auf ein Ranking verzichtet und uns auf Tendenzaussagen beschränkt“ erklärt IHK-Chef-Volkswirt Dr. Rainer Behrend. Für 2009 sei mit der Neuauflage des Familienatlasses wieder ein umfassender interkommunaler Vergleich vorgesehen.

„Der Ausbau der Krippenplätze geht voran“, stellt IHK-Vizepräsidentin Dagmar Bollin-Flade fest. „21 der 25 Gemeinden des IHK-Bezirkes haben ihr Angebot an Krippenplätzen für unter 3-jährige spürbar erweitert.“ Besonders hervorzuheben sind hierbei die Gemeinden des Main-Taunus-Kreises, die ihre Krippenplätze insgesamt nahezu verdreifacht haben. Positive Beispiele gibt es aber im gesamten IHK-Bezirk. So haben z.B. die Gemeinden Oberursel, Kelkheim, Schwalbach, aber auch die Stadt Frankfurt den Ausbau von Krippen besonders vorangetrieben.

Aber die Gemeinden haben nicht nur die Zahl der Krippenplätze erhöht; auch andere Betreuungsformen werden zunehmend zur Verfügung gestellt. So ist die Zahl der Tagesmütter in den Gemeinden des IHK-Bezirks stark angestiegen. Alleine in der Stadt Frankfurt gibt es derzeit über 300 erlaubnispflichtige Tagesmütter, die rund 700 Kinder betreuen. Im Main-Taunus-Kreis werden rund 290 Kinder durch eine Tagesmutter betreut. Diese Form der Betreuung wird vor allem für die unter 3jährigen gewählt. Über 80 Prozent der Kinder in Kindertagespflege in den Kreisen sind jünger als 3 Jahren. Tagesmütter sind mittlerweile fester Bestandteil der Stadt und der Kreise bei der Planung des Betreuungsbedarfs und auch deswegen achten die Gemeinden im IHK-Bezirk und die Stadt Frankfurt auf die Qualifizierung der Tagesmütter. Dennoch bleibt weiterhin viel zu tun.

Die Steigerung der Versorgungsquote der unter 3jährigen sei zwar erfreulich, eine Quote von 20 Prozent aber bisher lediglich von Kronberg erreicht, so die IHK-Vizepräsidentin. „Ein bedarfsgerechtes Angebot insbesondere für Kleinkinder ist eine wesentliche Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und damit ein bedeutender Standortfaktor für die Region“, erläutert Dagmar Bollin-Flade. „Gerade unter ökonomischen Gesichtspunkten ist es für die Gemeinden sinnvoll, Eltern durch das Bereitstellen geeigneter Betreuungsmöglichkeiten einen raschen Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Vor dem Hintergrund des bereits heute existierenden Fachkräftemangels in der Region hat dieser Aspekt eine wachsende Bedeutung.“ Eine klare Absage erteilt die IHK-Vizepräsidentin damit auch dem Betreuungsgeld. „Schließlich werden Betreuungsplätze nicht kostenlos angeboten. Zudem werden dadurch gerade in so genannten bildungsfernen Haushalten Anreize geschaffen, auf eine frühkindliche Förderung zu verzichten.“

Auch die Hortbetreuung der Schulkinder von 5 - 14 Jahren ist in den meisten Gemeinden weiter ausgebaut worden. In 16 Gemeinden sowie der Stadt Frankfurt am Main wurden zusätzliche Plätze geschaffen. Spitzenreiter ist die Stadt Schwalbach am Taunus, die ihr Angebot vervierfacht hat. Aber auch die Gemeinden Eppstein und Oberursel haben ihr Angebot deutlich ausgebaut.

Im Gegensatz zu den Krippen- und Hortplätzen ist die Anzahl der Kindergartenplätze (Betreuung der über 3jährigen) rückläufig. Lediglich die Stadt Frankfurt am Main sowie 3 Gemeinden des Hochtaunuskreises – Glashütten, Oberursel, Steinbach - und 2 Gemeinden des Main-Taunus-Kreises – Liederbach und Schwalbach - haben ihre Kindergartenplätze erweitert. Während die Stadt Frankfurt rund 1.000 neue Kindergartenplätze geschaffen hat, sind in den Gemeinden des Hochtaunus- und des Main-Taunus-Kreises insgesamt knapp 1.000 Plätze weniger vorhanden als noch bei der Vorjahresanalyse.

„Hier ist Vorsicht geboten“, mahnt Vizepräsidentin Bollin-Flade. „Allein mit geburtenschwachen Jahrgängen ist dieser Abbau nicht zu erklären!“ Zu vermuten sei, dass Kindergartenplätze zugunsten des Ausbaus der Kinderkrippen geschlossen würden, um Kosten zu sparen. „Dies wäre eine fatale Entwicklung, denn das gesamte Betreuungsangebot von der Krippe bis zum Hort ist erforderlich, um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erzielen.“

Zum Hintergrund:
Im April 2006 veröffentlichte die IHK Frankfurt am Main den Familienatlas 2006 – eine vergleichende Analyse der Familienfreundlichkeit auf Gemeindeebene in der Region. In den vier Themenfeldern Beruf & Familie, Betreuung, Demografie und Zukunft wurden unterschiedliche Dimensionen der Familienfreundlichkeit beschrieben, Problembereiche benannt und Best Practice-Ansätze dargestellt. Der Familienatlas 2006 hatte ergeben, dass im Bereich der Kinderbetreuung massiver Handlungsbedarf auf Seiten der Gemeinden besteht. Die mangelhafte Betreuungssituation gerade für Kinder unter 3 Jahren war kritisiert und die Gemeinden zum Ausbau aufgefordert worden.


Informationen für die Presse: Annett Munterer
 

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