„Der Kapitalverkehr wird stärker reguliert werden“

10-09-2008

ZEIT-Konferenz diskutiert Konsequenzen aus der Subprime-Krise – Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt: Wir brauchen Finanzinstitut mit globalem Standing!

Die seit gut einem Jahr andauernde Krise an den internationalen Kapitalmärkten ist noch nicht ausgestanden, und sie wird den gesamten Finanzsektor nachhaltiger verändern, als es mancher heute wahrhaben will. Vor allem wird der Kapitalverkehr global einer stärkeren Regulierung unterzogen werden. Das sind die Kernbotschaften der zweitägigen ZEIT KONFERENZ zum Thema „Finanzplatz: Menschen und Entscheidungen“ am 8. und 9. September in Frankfurt am Main. In den Räumen der Industrie- und Handelskammer der Bankenmetropole diskutierte ein hochrangig besetztes Podium aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vor mehr als 300 Entscheidern der privaten Geldwirtschaft sowie Vertretern nationaler und europäischer Finanzinstitutionen die Folgen der aktuellen Kapitalmarktkrise.

„Ich bin optimistisch, dass wir in den kommenden drei bis sechs Monaten den Wendepunkt sehen, aber die Erholung wird nicht den Druck vom Finanzsektor nehmen, sich strukturell zu reorganisieren“, erklärte John Lipsky, Vize-Direktor des Internationalen Währungsfonds. Er plädierte zugleich für eine Stärkung der multilateralen Zusammenarbeit bei Früherkennung, Management und Lösung internationaler Finanzkrisen. Zuvor hatte bereits Jochen Sanio als Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine weitergehende staatliche Regulierung angemahnt. Auf europäischer Ebene sollen noch in diesem Herbst entsprechende Vorschläge unterbreitet werden, kündigte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquin Almunia auf der ZEIT KONFERENZ an.

„Das Defizit an Transparenz, Aufsicht und Regulierung ist offenbar geworden“, sekundierte Hessens Finanzminister Karlheinz Weimar, der gleichwohl zu Augenmaß riet: „Trotz aller notwendigen Eingriffe muss der Markt offen bleiben für Kreativität und Innovation.“ Einen Höhepunkt der Veranstaltung bot der Auftritt von Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der vor allem mit den deutschen Banken ins Gericht ging: „Als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt haben wir kein einziges Geldinstitut mit wirklich globalem Standing – das ist grotesk!“ Mit Blick auf die „kapitalistischen Entartungen“ der vergangenen Jahre sprach sich Schmidt für eine stärkere Einbindung des Internationalen Währungsfonds bei der Ausarbeitung eines neuen Regelwerks für innovative Finanzinstrumente aus.

Hans-Joachim Tonnellier, Präsident der IHK Frankfurt am Main, hob die Notwendigkeit hervor, gerade jetzt ein koordiniertes, selbstbewusstes Marketing für das deutsche Finanzzentrum zu betreiben. Dafür sei vor kurzem mit Unterstützung der IHK Frankfurt die Initiative „Frankfurt Main Finance“ gegründet worden, die den Finanzplatz im globalen Wettbewerb künftig klarer positionieren soll.

Die ZEIT KONFERENZ „Finanzplatz: Menschen und Entscheidungen“ war die bereits fünfte ihrer Art. Sie fand statt in Kooperation mit der IHK Frankfurt am Main, der Deutsche Börse AG, Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers, der vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste AG und dem Kongressveranstalter ConVent. DIE ZEIT hat die ZEIT KONFERENZEN 2006 mit dem Ziel ins Leben gerufen, Eliten zu gesellschaftlich und wirtschaftlich relevanten Themen zusammenzuführen, in aktuelle Diskussionen einzugreifen und Impulse zu setzen. 2008 sind weitere ZEIT KONFERENZEN zu den Themen „Zukunft“ und „Energie“ geplant.
 

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