IHK Frankfurt will Zusammenwachsen der Region fördern

21.08.2009

Das Präsidium der IHK Frankfurt am Main stellt das Zusammenwachsen der Region in den Mittelpunkt seiner Arbeit. „Die Stärkung der regionalen Zusammenarbeit ist der entscheidende strategische Baustein für den Wirtschaftsstandort FrankfurtRheinMain“, sagte IHK-Präsident Dr. Mathias Müller am Freitag in einer Pressekonferenz. Auf politischer Ebene strebt das IHK-Präsidium dabei eine engere Vernetzung und Kooperation zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft an, auf der wirtschaftlichen Ebene stehen die Sicherung des Fachkräfteangebots sowie die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen im Mittelpunkt. Darüber hinaus bleibt die Hilfe für die Mitgliedsunternehmen in der Wirtschaftskrise eine vorrangige Aufgabe.

Mit dieser Schwerpunktsetzung stellt die IHK Frankfurt ihre Arbeit auf die für den Wirtschaftsstandort FrankfurtRheinMain wesentlichen Herausforderungen ein. Bei der Stärkung der regionalen Zusammenarbeit fordert die Wirtschaft eine bessere Koordination u. a. hinsichtlich der Wirtschaftsförderung, der Außendarstellung der Region und der Verkehrsentwicklung. Die Wirtschaftsförderung in der Region FrankfurtRheinMain sei zu zergliedert. Neben der FRM Marketing GmbH gibt es die Wirtschaftsförderung Region Frankfurt/RheinMain (ein Zusammenschluss aus 203 Städten und Gemeinden sowie Landkreisen und fünf IHKs), und zudem hat fast jede Kommune ihre eigene Wirtschaftsförderung. „Hier halten wir eine stärkere Bündelung oder eine stärkere Kooperation für geboten“, sagte Dr. Müller.

Hinsichtlich der geforderten Vernetzung von Politik, Wirtschaft und Verwaltung bietet die IHK Frankfurt an, den Austausch zwischen den Akteuren anfänglich zu organisieren. „Um den Schwung aus der Diskussion um die Internationale Bau-Ausstellung aufzunehmen und Kooperationsprojekte zu identifizieren, werden wir voraussichtlich noch in diesem Jahr bei einem „Gipfel der Region“ alle relevanten Akteure zusammenführen“, kündigte Dr. Müller an. „Selten war in den letzten Jahrzehnten die Kooperationsbereitschaft auf kommunaler Ebene größer als heute.“ In dem Zusammenhang soll auch eine Position der regionalen Wirtschaft zur Novellierung des Ballungsraumgesetzes, das Ende 2011 ausläuft, formuliert werden.

Der drohende Fachkräftemangel ist nach Einschätzung der IHK Frankfurt die größte Gefahr für das wirtschaftliche Wachstum in der Region. Noch vor Ende des Jahres soll ein Fachkräftemonitor veröffentlicht werden, der eine angebots- und nachfrageseitige Betrachtung des Arbeitsmarktes erlaubt. Rund 80 Prozent der akademischen und nichtakademischen Fachkräfte werden darin abgebildet. Der Fachkräftemonitor wird eine Berechnung der demografiebedingten sowie der wachstums- und konjunkturbedingten Anforderungen ermöglichen und auch eine Prognose des Bedarfs bis 2020 und darüber hinaus erlauben. Die Ergebnisse des Monitors, der vom Lehrstuhl von Prof. Bert Rürup an der TU Darmstadt erstellt wird, werden sowohl für den IHK-Bezirk Frankfurt als auch für ganz Hessen verfügbar sein.

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssen aus Sicht der IHK Frankfurt auch die Potenziale von Schulabgängern, Migranten und älteren Mitarbeitern stärker als bisher gehoben werden. Der Ansprache der Schulabgänger dient u.a. das Projekt „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit“ (OLOV) unter Mitwirkung der IHK Frankfurt. Bei dem hessenweiten Projekt geht es darum, für Schüler rechtzeitig vor dem Schulabschluss den Bezug zur Arbeits- und Berufswelt herzustellen und sie auf die Berufswahl angemessen vorzubereiten. Jungen Migranten fällt es offenbar besonders schwer, einen erfolgreichen Schulabschluss zu erreichen. Um dem entgegen zu wirken, wird die IHK Informationsabende durchführen und fremdsprachiges Informationsmaterial für die Eltern einsetzen. Darüber hinaus unterstützt die IHK Frankfurt eine Initiative, die die Beteiligung von Migranten an der dualen Ausbildung steigern soll. Das Projekt „Internationale Unternehmen bilden aus“ (IUBA) läuft ausgesprochen erfolgreich und hat jüngst den 3333. Auszubildungsplätzen ausgezeichnet.

Ältere Beschäftigte, die künftig länger arbeiten, werden auch einen Teil des wachsenden Fachkräfte-Bedarfs der Unternehmen decken müssen. Im Fokus der IHK steht dabei, dass ältere Beschäftigte eine fortgesetzte Qualifizierung benötigen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Daher wird die IHK ihre Weiterbildungsprogramme künftig stärker auf ältere Beschäftigte ausrichten und zugleich die Mitgliedsunternehmen für die Potenziale von gut qualifizierten älteren Beschäftigten sensibilisieren.

Eine Erkenntnis aus dem jüngst vorgestellten Familien- und Demographieatlas ist, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch flexiblere Arbeitsmodelle und ausreichende Kinderbetreuungseinrichtungen gefördert werden muss. Im IHK-Bezirk Frankfurt hat sich dabei in den vergangenen drei Jahren vieles verbessert. Allerdings gibt es weiteren Verbesserungsbedarf, etwa bei der Nachmittagsbetreuung von Schulkindern und im Sinne von arbeitnehmerfreundlichen Öffnungszeiten der Kindertagesstätten. Da die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mittlerweile zu den wesentlichen Standortfaktoren gehört, sind die Kommunen aufgerufen, die hierfür notwendigen Investitionen nicht zu vernachlässigen.

Kleine und mittlere Unternehmen stellen 99 Prozent der Mitglieder der IHK und sollen in Zukunft  in besonderer Weise unterstützt werden. Dafür sind insbesondere Hilfestellungen in der Gründungsphase, Unterstützung bei Geschäftstreffen und zielgruppenspezifische Veranstaltungen geplant. Über den IHK-Ausschuss für Kleine und Mittlere Unternehmen wird eine enge personelle Verzahnung mit den Mitgliedsunternehmen sichergestellt.

Hinsichtlich der Konjunkturkrise sieht die IHK Frankfurt die Talsohle als weitgehend durchschritten an. Allerdings ist die Krise damit noch nicht ausgestanden, die Lage macht weiterhin die intensive Beratung und Unterstützung von Unternehmen im Kammerbezirk erforderlich. Nachdem die Informationen über IHK-Hilfsprogramme inzwischen weit verbreitet sind, stehen vor allem Beratungen einzelner Unternehmen und Vermittlungsgespräche zwischen Unternehmen und Hausbanken im Vordergrund der Arbeit der IHK.

Insgesamt zog das im April neu gewählte IHK-Präsidium eine positive Bilanz der Arbeit in den ersten vier Monaten. Neben der krisenbedingten Unterstützung der Mitgliedsunternehmen hat das Präsidium neue Impulse in der Kommunikation der IHK nach innen und außen gesetzt. So wurden branchenspezifische Themenportale auf der IHK-Homepage eingerichtet, ein neuer elektronischer Newsletter entwickelt und ein Wissensmanagement für die Mitglieder im Ehrenamt initiiert. Inhaltliche Akzente hat die IHK vor allem mit dem Familien- und Demographieatlas, mit dem Symposium „Wirtschaftsstandort FrankfurtRheinMain“, der Diskussion um die Internationale Bau-Ausstellung sowie den regionalen Konjunkturberichten gesetzt. Zahlreiche Gespräche mit den Spitzen aus Politik und Verwaltung haben zudem die Voraussetzung für eine konstruktive Zusammenarbeit mit diesen Institutionen geschaffen.
 

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