Wandgrafik erinnert an Ursprung der Sozialen Marktwirtschaft

5.11.09

Am Ort ihres Entstehens ist der Sozialen Marktwirtschaft seit heute eine künstlerische Erinnerung gewidmet. Im Gebäude der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main erinnert eine Wandgrafik an die Ursprünge der Sozialen Marktwirtschaft. „Das Tor zur Sozialen Marktwirtschaft wurde im Gebäude der IHK Frankfurt am Main aufgestoßen. An diese Erfolgsgeschichte, die mit unserem Gebäude und mit dem Wirken der Industrie- und Handelskammern aufs Engste verbunden ist, wollen wir mit einem Bilderreigen erinnern“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Matthias Gräßle im Rahmen einer Veranstaltung anlässlich der feierlichen Einweihung der Grafik. Das dreiteilige Bild, das im Treppenaufgang des Westflügels des IHK-Gebäudes hängt, erinnere an den „Geburtsort jener Wirtschaftsordnung, die Wohlstand und Fortschritt in Deutschland möglich machte.“

Die Grafik aus gefrästem Aluminium zeigt Motive aus der Entstehungszeit der Sozialen Marktwirtschaft: Die zerbombte Stadt mit Trümmerfrauen, Ludwig Erhard und General Lucius Clay, die Deutsche Mark und Hochhäuser als Ausdruck des Wirtschaftswunders. In der IHK waren in den Nachkriegsjahren die grundlegenden Entscheidungen für die Soziale Marktwirtschaft getroffen worden. 1947 und 1948 fanden im Westflügel des IHK-Gebäudes die Sitzungen des bizonalen Wirtschaftsrates statt, dort wurde über das neue Wirtschaftssystem für die Westzonen beraten. Ludwig Erhard, der damalige Direktor für Wirtschaft der bizonalen Verwaltung und spätere Bundeskanzler, trug in diesem Gremium seine ordnungspolitischen Überlegungen für einen freien unternehmerischen Wettbewerb und für das System der gemeinsamen sozialen Verantwortung von Staat und Wirtschaft vor. Im Gebäude der IHK wurde in den Morgenstunden des 18. Juni 1948 die Währungsreform und damit verbundene Einführung der Deutschen Mark beschlossen.

Zur Enthüllung der Wandgrafik fand in der IHK ein Gesprächsabend mit Zeitzeugen und Wirtschaftsvertretern statt. Dr. Lutz Raettig, Vizepräsident der IHK Frankfurt am Main, bezeichnete die Soziale Marktwirtschaft als ein Modell für die globale Welt. „Es gibt keine erfolgreichere Wirtschaftsordnung. Soziale Marktwirtschaft ist keine Veranstaltung zur bloßen Gewinnmaximierung. Sie ist auch keine kollektive Hängematte. Sie ist die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung der Freiheit.“
Prof. Dr. Norbert Walter, Chief Economist Deutsche Bank Group, hob ebenso die internationale Dimension der Sozialen Marktwirtschaft hervor. „Europa wurde zu dem, was es heute ist, weil es das deutsche Erfolgsmodell der Sozialen Marktwirtschaft gab.“
Der Historiker Prof. Dr. Herbert Alsheimer verdeutlichte die schwierige Lage, in der die Soziale Marktwirtschaft entstand. „Der Schwarzmarkt war eine Triebfeder für Ludwig Erhard, die Situation der Bevölkerung grundlegend zu ändern. Erhard wusste, Rationierungen rufen kriminelle Energien hervor. Mit der Währungsreform gelang es ihm, den Schwarzmarktgeschäften das Wasser abzugraben.“
Laut Jürgen Hettinger, Präsident, Hauptverwaltung Frankfurt am Main, Deutsche Bundesbank, ist es den Amerikanern und dem Verhandlungsgeschick von Ludwig Erhard zu verdanken, dass die Bank deutscher Länder, aus der die Deutsche Bundesbank hervorging, in Frankfurt am Main angesiedelt wurde. „Damit wurde der Grundstein für den internationalen Finanzplatz Frankfurt am Main gelegt.“
Dr. Hellmut Kachel, Geschäftsführender Gesellschafter, Vario BüroEinrichtungen GmbH & Co.KG, appellierte, die Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft zu bewahren. „Die Soziale Marktwirtschaft hat unzähligen Menschen die Chance gegeben, am Wohlstand zu partizipieren. Wir müssen diese Prinzipien verteidigen und wieder für mehr Leistungsbereitschaft und Verantwortung des Einzelnen werben.“

Gabriele Müller, Landesvorsitzende des Liberalen Mittelstands Hessen (LMH) und stellvertretende Vorsitzende der Bundesvereinigung Liberaler Mittelstand (BLM), bekannte sich in ihrer Einführung für ihren Verband deutlich zur Marktwirtschaft und zum Mittelstand als deren tragender Säule. Sie zitierte Ludwig Erhard mit den Worten: "Je freier die Wirtschaft, umso sozialer ist sie auch." Dieser Satz habe heute unverändert Geltung. Marktwirtschaft sei untrennbar mit sozialer Verantwortung verbunden – eine Überzeugung, die gerade vom Mittelstand ständig vorgelebt werde. Müller wertete das Ergebnis der Bundestagswahl als hoffnungsvolles Zeichen dafür, "dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer sozialverträglichen Marktwirtschaft in einem großen Teil der Bevölkerung noch oder wieder vorhanden ist."

Die Konzeption der Wandgrafik stammt vom Kommunikationsdesigner Sebastian Schramm, die Illustration wurde realisiert von der Grafikerin Andrea Ruhland.



 

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