3. Finanzplatztag: Finanzplatz Frankfurt hat sich in Krise behauptet

Im Rahmen des 3. Finanzplatztages in der IHK Frankfurt am Main diskutierten Experten der Finanzbranche die Auswirkungen der Krise auf den Finanzplatz Frankfurt und seine künftige Rolle im internationalen Wettbewerb.

Dr. Eugen Paravicini, Leiter der Abteilung Wirtschaftsordnung, Finanzdienstleistung, Börsen des Hessischen Wirtschaftsministeriums, forderte die Marktteilnehmer in Frankfurt auf, sich bei der Neugestaltung von Finanzaufsicht und Regulierungsinstrumenten stärker zu engagieren. „Der Standort Nummer Eins in Deutschland muss sich zu den Fragen der anstehenden Regulierung klar positionieren. Wenn man sich verkriecht, ist man auch nicht im Lead. Nur wer sich positioniert, gewinnt“, sagte Paravicini. Dazu müssten gemeinsame Positionen zu Risikounterlegung, Eigenkapitalausstattung und Liquiditätsmanagement erarbeitet werden. Paravicini sprach sich für eine mögliche Bündelung der deutschen Banken- und Finanzaufsicht bei der Bundesbank in Frankfurt am Main aus. Dies sei für den Standort „uneingeschränkt positiv“.

Dr. Ingrid Hengster, Country Executive Germany, Austria, Switzerland and Central Eastern Europe der Royal Bank of Scotland, sieht keinen Anlass zu Sorge, dass eine strengere Regulierung dem Finanzplatz Frankfurt schaden werde. Allerdings betonte sie, Regulierungsmaßnahmen müssten international abgestimmt sein. Das Vorgehen der Bundesregierung zur Bekämpfung der Finanzkrise bezeichnete sie als umsichtig und besonnen. Dies habe den Finanzplatz Frankfurt international gestärkt.

Herbert Hans Grüntker, Vorsitzender des Vorstandes der Frankfurter Sparkasse, warnte davor, die Auswirkungen der Krise für den Finanzplatz Frankfurt herunterzuspielen. „Der Standort Frankfurt ist nicht gut durch die Krise gekommen. Er ist nur vergleichsweise weniger schlecht als andere davongekommen“ so Grüntker. Das Dreisäulenmodell des deutschen Kreditgewerbes habe sich in der Krise als Stabilisator bewährt.

Dietmar Schmid, Mitglied des Vorstandes der BHF-Bank AG, sprach sich für Maßnahmen aus, die das Vertrauen von Kunden und Aktionären in die Finanzwirtschaft wieder stärken. „Wir können die Krise nicht schön reden und so tun, als wäre es ein Unfall. Es ist ein Fiasko.“ Er appellierte, die Ursachen der Finanzkrise gründlich zu analysieren und aufzuarbeiten. 

Bereits zuvor hatte Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, in einem Vortrag „Kasino-Kapitalismus: Wie es zur Finanzkrise kam und was jetzt zu tun ist“ gefordert, die Ursachen der Finanzkrise gründlich aufzuarbeiten. Als Auslöser der internationalen Finanzkrise sieht er vor allem die übermäßige Risikoneigung der Finanzinstitute sowie die Haftungsbegrenzung als Sicherheitselement der Banken. Zur Vermeidung weiterer Krisen fordert Sinn die Bilanzierung von Zweckgesellschaften, eine effektive internationale Finanzaufsicht sowie eine Reform der Rating-Agenturen.   

Der 3. Finanzplatztag der WM Gruppe und der IHK Frankfurt am Main ist Branchentreff und zentrales Kommunikationsforum für die deutsche Finanzbranche am Standort Frankfurt.

 

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