In Bildung richtig investieren

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1.12.2010

Jeder fünfte Schulabgänger nach der Sekundarstufe I in Hessen hat keinen konkreten beruflichen Anschluss und wechselt daher in ein Übergangssystem. Dem Ausbildungsmarkt gehen dadurch dringend benötigte Nachwuchskräfte verloren. Vor diesem Hintergrund diskutierten Vertreter aus Bildung, Politik und Wirtschaft, wie Bildungsbudgets künftig gewinnbringender eingesetzt werden können, zum Beispiel indem Übergangssysteme zugunsten anderweitiger Maßnahmen zurückgefahren werden.


Matthias Gräßle, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft hessischer IHKs, machte darauf aufmerksam, dass sich die hessische Bildungspolitik fragen lassen müsse, ob angesichts enorm kostenintensiver Übergangssysteme und einer schulischen Bildung, die nicht das geforderte Ergebnis erbringt, richtig investiert werde. „Schätzungen zufolge kostet jeder Schüler, der im Übergangssystem verbleibt, den Steuerzahler jährlich 8.000 Euro. Hinzu kommen 210 Millionen Euro, die das Land Hessen für diese Reparaturmaßnahmen ausgibt“, sagte Gräßle. Dabei könnten diese Finanzmittel wesentlich sinnvoller eingesetzt werden, und zwar in individuellen Fördermaßnahmen während der Schulzeit. So könnte die Bildungspolitik dazu beitragen, dass künftig mehr Schulabgänger ausbildungsfähig seien und ein berufliches Ziel vor Augen hätten.

 

Die Hessische Kultusministerin Dorothea Henzler unterstrich in ihrer Rede, dass die Berufsorientierung im neuen Schulgesetz integriert werde. Das Land bemühe sich mit zahlreichen Initiativen, Jugendliche auf Ausbildung und Beruf vorzubereiten. Als positives Beispiel nannte sie unter anderem die Mittelstufenschule, in der die Berufsorientierung bereits sehr früh über eine Zusammenarbeit mit einer beruflichen Schule beginne. Die Ministerin warnte davor, eine Debatte „Bildung versus Berufsvorbereitung“ zu führen. Statt dessen sollten Politik und Wirtschaft weiterhin Hand in Hand zum Wohle der Schüler gehen.

 

Vor dem Hintergrund der Berufsorientierung wies Oliver Schröder, Leiter der Mathildenschule Offenbach, darauf hin, dass „jede Schule bislang ihr eigenes Süppchen kocht“. Erstrebenswert seien vielmehr Netzwerke, die Projekte und Fördertöpfe bündelten. Darüber hinaus dürften die Schulen bei der Umsetzung der Berufsorientierung nicht allein gelassen werden. „Die Lehrer brauchen ein Coaching. Erst dann können sie ihre Schüler fundiert über Berufsbilder informieren“, sagte Schröder.

 

Matthias Wilkes, Landrat des Kreises Bergstraße, forderte einen flächendeckenden Ausbau der SchuB-Klassen (Schule und Betrieb). Denn zwei Wochen Praktika seien für eine fundierte Berufsorientierung bei weitem nicht ausreichend. Benötigt würden daher mehr SchuB-Klassen, die einen intensiven Kontakt der Schüler mit der Berufswelt ermöglichten.

 

Kerstin Geis, Vorsitzende des Landeselternbeirats Hessen, sprach sich zudem für eine Stärkung der Schulsozialarbeit aus. Sie riet, die Fördertöpfe der Übergangssysteme aufzusplitten und so dafür zu sorgen, dass Schüler im Rahmen von ganztägigen Angeboten in der Schule gefördert werden.

 

Dr. Frank Martin, Vorsitzender Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, unterstrich zudem, dass die Politik Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht aus den Augen verlieren dürfe. Neben einer frühkindlichen Bildung sieht er in einer Angebotsverstärkung für Schulabgänger mit Migrationshintergrund einen Schwerpunkt der Bildungspolitik. Dazu zählten insbesondere Sprachfördermaßnahmen und Informationen über das duale System der Berufsausbildung in Deutschland.

 

 

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