Der Fachkräftemangel wird immer deutlicher:
In den nächsten fünf Jahren fehlen in Hessen jährlich mehr als 220.000 Fachkräfte

6.12.2010

In Hessen werden in den nächsten fünf Jahren jährlich durchschnittlich mehr als 220.000 Fachkräfte fehlen. Dies ist das Ergebnis des IHK-Fachkräftemonitors, der seit heute die neuesten Zahlen beinhaltet. Die Berechnungen zeigen, dass die Fachkräftelücke größer wird. Grund: Der starke konjunkturelle Aufschwung verbunden mit sinkender Arbeitslosigkeit. „Unsere Unternehmen haben sich von der Krise erholt. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Die Nachfrage nach Fachkräften ist schneller angestiegen, als erwartet. Folglich kommt das Problem des Fachkräftemangels auch schneller auf die Betriebe zu, als gedacht", sind sich die Präsidenten der IHKs Frankfurt am Main und Darmstadt Rhein Main Neckar, Dr. Mathias Müller und Dr. Hans-Peter Bach, einig.

Der IHK-Fachkräftemonitor ist ein gemeinsames Projekt der IHKs Darm-stadt Rhein Main Neckar und Frankfurt am Main. Das Online-Informationssystem macht deutlich: Nicht nur die hochqualifizierten Akademiker werden in naher Zukunft knapp. Auch die nichtakademischen Fachkräfte mit Berufsausbildung werden rar. In Hessen werden in den kommenden fünf Jahren zwar rund 13.000 Akademiker durchschnittlich pro Jahr fehlen. Allerdings wird die Lücke bei den nichtakademischen Fachkräften sogar rund 210.000 durchschnittlich pro Jahr betragen.

Besonders die Branche der unternehmensnahen Dienstleistungen wird vom Fachkräftemangel betroffen sein. Hier werden bis zum Jahr 2016 jährlich rund 4.000 Akademiker und etwa 60.000 Nichtakademiker fehlen. Darüber hinaus sind die Bereiche Elektrotechnik sowie der Maschinenbau besonders betroffen.

Der IHK-Fachkräftemonitor wurde unter der Leitung von Dr. Dennis Ostwald von der WifOR GmbH an der TU Darmstadt mit den aktuellsten Zahlen und Daten gefüttert und neu berechnet. Die aktuellen Ergebnisse stehen seit heute unter www.fachkraefte-hessen.de kostenlos zur Verfügung.

Für die Unternehmen wird der Fachkräftemangel immer deutlicher. Rund die Hälfte aller Betriebe sieht im Fachkräftemangel auch die größte Auswirkung des demografischen Wandels auf sich zukommen. Auf dem Ausbildungsmarkt ist dies bereits unübersehbar. Jedes vierte Unternehmen gibt an, nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen zu können. Oftmals auch deshalb, weil die Bewerber nicht ausbildungsreif sind. „Mit Blick auf die vielen nichtakademischen Fachkräfte, die in naher Zukunft fehlen werden, können wir uns dies nicht mehr leisten. Jeder Schulabgänger sollte die Fähigkeiten mitbringen, die für eine Ausbildung notwendig sind", benennt Dr. Müller in der besseren Schulbildung einen Ansatzpunkt gegen den zukünftigen Fachkräftemangel.

Allerdings wird dies allein nicht ausreichen. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen muss an vielen Stellschrauben gedreht werden. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie damit einhergehend die Kinderbetreuungsmöglichkeiten müssen verbessert werden. Die Erwerbsbeteiligung älterer Mitarbeiter muss erhöht werden. Und die Wirtschaft braucht auch mehr qualifizierte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt", appelliert Dr. Bach.

„Die Rezepte sind bekannt, jetzt darf bei der Umsetzung keine Zeit verloren werden. Denn eines ist klar: Die Zahlen unseres IHK-Fachkräftemonitors sind nicht in Stein gemeißelt. Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Politik und Gesellschaft – alle müssen ihren Beitrag leisten, damit der Fachkräftemangel beherrschbar wird", resümiert Dr. Müller.

 

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