2. Frankfurter Industriedialog: Intensiver Austausch über den „Motor der Region“

22.08.2012

 

FrankfurtRheinMain gehört zu den bedeutendsten Industriestandorten Deutschlands. Die Industrie ist damit für einen erheblichen Teil des Wohlstands in der Region verantwortlich. Doch häufig entsteht in der öffentlichen Debatte der Eindruck, die Interessen der Industrie seien nicht mit denen der Gesellschaft in Einklang zu bringen. Um diesen Konflikt zu hinterfragen und Lösungsansätze zu entwickeln, hatten Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main (IHK) und Infraserv Höchst am vergangenen Dienstag Vertreter aus Politik und Wirtschaft zu einem konstruktiven Meinungsaustausch eingeladen.

„Mit dem Frankfurter Industriedialog wollen wir einen offenen, aber vor allem ergebnisorientierten Austausch darüber anstoßen, wie wir den Industriestandort Frankfurt bewahren und weiterentwickeln können“, erklärte Jürgen Vormann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Infraserv Höchst, zu Beginn der Veranstaltung. „Wir wollen ein gemeinsames Problembewusstsein für die Branche schaffen“, betonte auch Dr. Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt. „Fast alle politischen Parteien beschäftigen sich schon jetzt mit der Industrie. Im kommenden Wahljahr wird das Thema weiter an Bedeutung gewinnen.“

Die über hundert Politik- und Wirtschaftsvertreter diskutierten in Arbeitsgruppen über die Top-3-Themen aus Sicht der Industrie: Akzeptanz, Energiewende sowie Flächen und Logistik. Um das Verständnis für die Industrie zu erhöhen, müsse das Image der vermeintlich schmutzigen Berufe aufgewertet und ihre Bedeutung für die Wertschöpfung besser kommuniziert werden. Gleichzeitig solle die Industrie selbst sensibler auf die Anliegen der Öffentlichkeit reagieren, so das Fazit der ersten Ar-beitsgruppe. Die Experten des zweiten Workshops identifizierten die Versorgungssicherheit sowie steigende Energiepreise als zentrale Themen der Energiewende. Zwar traten unterschiedliche Ansichten zutage, wie mit diesen Herausforderungen umzugehen sei. Einig waren sich die Experten jedoch in der Forderung nach einer ideologiefreien Diskussion über die Energiewende. Außerdem schlugen sie die Benennung eines zentralen Ansprechpartners zur Organisation der Energiewende vor, der für Transparenz sorgen und Etappenziele vorgeben müsse. Die dritte Arbeitsgruppe thematisierte die Problematik Wohn- und Industrieflächen in FrankfurtRheinMain. Sie schlug vor, den Masterplan Industrie zu nutzen, um mit allen beteiligten Akteuren und Gruppen eine Priorisierung bei Zielen und Maßnahmen zur Stärkung des Industriestandorts zu erreichen. Der Masterplan Industrie geht unter anderem auf einen Vorschlag des letztjährigen Industriedialogs zurück und wird zur Zeit unter der Federführung der Wirtschaftsförderung Frankfurt erarbeitet.

Die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen dienten als Grundlage für die folgende Podiumsdiskussion. Welche Rahmenbedingungen sind erforderlich, um den Wirtschafts- und Industriestandort Frankfurt erfolgreich weiterzuentwickeln? Dieser Frage nahmen sich im Anschluss politische Entscheider aus dem Hessischen Land- und dem Deutschen Bundestag an. Angesichts des Zielkonflikts zwischen der Ausweisung von Wohn- und Industrieflächen sprach sich Tarek Al-Wazir, Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag, für mehr Flächenrecycling aus: „Der Trend ‚raus aus dem Ballungsraum‘ kehrt sich allmählich um. Nun müssen wir Konzepte entwickeln, wie Flächen neu genutzt werden können und ein Nebeneinander ermöglichen, damit die Industrie nicht auf die Grüne Wiese zieht“, so der Landespolitiker.

„Gewisse Belastungen lassen sich leider nicht vermeiden. Das müssen sich Menschen, die in die Nähe von Industriebetrieben ziehen, bewusst machen“, stellte Jürgen Lenders, Wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, fest. Die Forderung nach einem Masterplan Industrie unterstütze er. „Ein solcher Masterplan sollte ein Stück weit in die Zukunft blicken und uns dabei helfen, Konfliktpotenziale rechtzeitig zu erkennen und zu entschärfen“.

„Angesichts der Energiewende lässt sich die bisherige Trennung von Arbeit und Wohnen nicht aufrecht erhalten“, stimmte der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Thorsten Schäfer-Gümbel, zu. Dies habe aber auch Vorteile: „Zum Beispiel kann die von der Industrie produzierte Wärme von Wohnhäusern genutzt werden. Außerdem verkürzen sich die Wege zur Arbeit.“ Schäfer-Gümbel kritisierte außerdem, bei der Umsetzung der Energiewende sei weder auf Bundes- noch auf Landesebene eine Strategie zu erkennen. „Der Netzausbau kann nicht beschleunigt werden, wenn die Erzeugerstruktur nicht bekannt ist. Soll die Energie künftig aus Offshore-Anlagen oder der Sahara kommen oder doch dezentral vor Ort erzeugt werden? Das muss vorher entschieden werden.“

Als Vertreter der Regierungskoalition im Hessischen Landtag betonte Ulrich Caspar, Verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, dass der Ausbau der Wind- und Solarenergie in Hessen voran komme. „Die schlechteste Ausweichmöglichkeit bei teuren Energiepreisen ist die Verlagerung der Produktion ins Ausland“, stellte Caspar fest. „Daher müssen in der Übergangsphase der Energiewende energieintensive Betriebe vor allzu großen Preiserhöhungen geschützt werden.“

Dr. Georg Nüßlein, Wirtschafts- und Energiepolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, hob hervor, dass mittelständische Unter-nehmen besonders flexibel auf äußere Entwicklungen reagieren könnten. „Der Mittelstand kann überdurchschnittlich effizient sein. Dieser Wettbewerbsvorteil macht sich insbesondere vor dem Hintergrund steigender Energiepreise bezahlt.“

 

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