4. Jahrestagung Personal: Talent Management ist ein Muss

28.08.2012

Mehr als jedes dritte Unternehmen kann offene Stellen zwei Monate oder länger nicht besetzen. Bundesweit fehlen passende Bewerber für 1,3 Millionen Arbeitsplätze. Der Mangel an Fach- und Führungskräften ist längst Realität – und insbesondere wissensbasierte Regionen wie FrankfurtRheinMain sind hiervon betroffen. Über 300 Entscheider und Experten von Unternehmensberatungen, Recruitingunternehmen, Finanzdienstleistern, aus dem Gesundheitssektor und der Wissenschaft diskutierten am heutigen Dienstag in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main (IHK) über die Frage, wie diese Herausforderung bewältigt werden kann. Die 4. Jahrestagung Personal, die die IHK Frankfurt gemeinsam mit der Convent Kongresse GmbH organisiert hat, dreht sich in diesem Jahr um die Themenschwerpunkte Talent Management, Zukunft der Arbeit und Gesundheitsmanagement.

Die Bedeutung dieser Querschnittsthemen strich Karen Hoyndorf, stellvertretende Präsidentin der IHK Frankfurt am Main, in ihrem Grußwort heraus: „Das Fehlen von Fachkräften gefährdet nicht nur die Entwicklung der betroffenen Unternehmen, wenn Aufträge mangels Personals nicht angenommen werden können“, erläuterte Hoyndorf. „Letztlich verringern sich in der Folge auch Beschäftigungschancen auf den nachgelagerten Qualifikationsstufen.“ Hinzu kämen immer kürzere Innovationszyklen und steigende Qualitätsanforderungen. „Gut qualifizierte und motivierte Mitarbeiter sind also mehr denn je eine entscheidende Ressource – sowohl für Unternehmen als auch für die Volkswirtschaft als Ganze“, betonte die Unternehmerin.

Im Eröffnungsplenum beschäftigten sich drei Expertinnen mit der Frage, wie „Talent Management“ – also personalpolitische Maßnahmen, die sich insbesondere auf die langfristige Besetzung von wichtigen Funktionen richten – im demografischen Wandel aussieht. Nach Ansicht von Silke Jensen, Präsidiumsmitglied des Bundesverbands der Personalmanager (BPM), hat sich durch den demografischen Wandel die Rolle des Personalmanagers grundlegend gewandelt: „vom Verwalter zum Gestalter“. Wichtige Stellschrauben im Talent Management, an denen Personalverantwortliche verstärkt drehten, seien zum Beispiel Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Frauenförderung.

Wenn man keine Talente gewinnt, kann man Talente auch nicht qualifizieren. „Es ist deshalb wichtig, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren – nach außen ebenso wie nach innen“, berichtete Sirka Laudon von ihren Erfahrungen als Leiterin Personalentwicklung bei der Axel Springer AG. Das Unternehmen hat deshalb unter öffentlicher Beteiligung seiner Mitarbeiter eine groß angelegte Kampagne gestartet, die Axel Springer als Marke mit Wiedererkennungswert etabliert. „Sowohl potentielle Bewerber als auch unsere Mitarbeiter sollten das Gefühl bekommen, ‚hier geht noch mehr‘“, stellte Laudon den Slogan der Kampagne vor. Denn solange der Arbeitgeber sich gegenüber anderen abgrenze und ein Gefühl der Einzigartigkeit vermittele, halte es auch seine Mitarbeiter bei der Stange.

Auch traditionelle Industriebetriebe können dem demografischen Wandel durch Talent Management begegnen. Dies wurde im Vortrag von Martina Neuhäuser deutlich. Die Leiterin Führungskräfte der Salzgitter AG stellte das Programm „Generationen-Offensive 2025“ vor: Dabei wurden die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Betrieb analysiert und Problemfelder identifiziert. Von diesen Erkenntnissen – etwa in den Bereichen Gesundheitsmanagement oder Arbeitszeit – profitierten sowohl Führungskräfte als auch das tariflich angestellte Personal. „Als neue Aufgaben im Rahmen des Programms haben wir nun die Themen Integration von Migranten, Gleichstellung von Frauen sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgemacht“, berichtete Neuhäuser. Die Personalpolitik des Unternehmens werde sich künftig insbesondere auf die Frauenförderung konzentrieren und dafür zum Beispiel ein Mentorenprogramm für weibliche Führungskräfte ins Leben rufen.

Die Expertinnen waren sich einig: Talent Management im demografischen Wandel muss sowohl bei Mitarbeitern als auch bei Bewerbern ansetzen – und nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ auch entsprechend kommuniziert werden. Außerdem kann Talent Management nur funktionieren, wenn es vom Unternehmen und seinen Führungskräften gelebt wird.

 

Ansprechpartner

Anfragen aus dem IHK-Bezirk beantwortet:
Telefon:

Ansprechpartner

Pressestelle IHK Frankfurt am Main Unternehmenskommunikation
Telefon: 069 2197-1201 Fax: 069 2197-1488