Sustainable Finance Forum: Durch Staatsverschuldung aus der Krise?

7.09.2012

 

Während in Frankfurt der Rat der Europäischen Zentralbank tagte, um über den Kauf von Staatsanleihen europäischer Krisenstaaten zu entscheiden, beherrschte auch in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main (IHK) die Finanzkrise die Gespräche. Gemeinsam mit der Convent Kongresse GmbH brachte die IHK Frankfurt gestern führende Vertreter aus Finanzwirtschaft, Wissenschaft und Politik zu einem bundesweiten Dialogforum zusammen, um über Wege zu einer nachhaltigen Finanzarchitektur zu diskutieren. „Unter dem Rettungsschirm wird es immer enger. Wir erleben derzeit eine Zäsur von historischer Dimension, an deren Ende vieles in Europa und der Welt anders sein wird, ja, anders sein muss“, stimmte Karen Hoyndorf, stellvertretende Präsidentin der IHK Frankfurt, die Gäste auf die folgenden Debatten ein. „Der Zusammenbruch der Eurozone wäre ohne Zweifel ein Desaster“, betonte Hoyndorf.

Vor einem Fachpublikum von über 180 Experten aus der Finanzwirtschaft, Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstituten zeigte der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Richard Koo vom Nomura Research Institute in Tokio einen Weg auf, wie Europa seine Finanzkrise in den Griff bekommen könne - insbesondere durch eine Steigerung der öffentlichen Investitionen. Mit Blick auf die Krise in der EU diagnostizierte Koo primär zwei Probleme der Eurozone: „Erstens verhindert der Maastricht-Vertrag, der das Defizit der EU-Mitgliedsstaaten auf maximal drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts beschränkt, dass öffentliche Investitionen die heimische Privatwirtschaft in den Krisenstaaten ankurbeln. Zweitens erschwert das Anlegerverhalten die Lage: Wenn jedes Land Staatsanleihen nur noch an die eigenen Bürger verkaufen dürfte, würde zum Beispiel spanisches Kapital in Spanien bleiben und die Rendite von spanischen Anleihen auf ein vernünftiges Maß sinken“, erklärte Koo.

In der folgenden Diskussionsrunde traten Wirtschaft und Wissenschaft in den Dialog. Dr. Getrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, widersprach Koos Ansicht, Staaten sollten sich notfalls auch mit dem doppelten ihres Bruttoinlandsprodukts verschulden dürfen. „Aber damit lösen sich die Probleme nicht!“ Einig waren sich die Gäste – neben Koo und Dr. Traud waren dies Dr. Heiner Flassbeck, (UNCTAD), Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard H. Schmidt (House of Finance, Goethe-Universität Frankfurt) und Christine Novakovic (UBS Schweiz) – hingegen in der Feststellung, dass trotz aller Regulierungsversuche die Banken nach wie vor in der Lage sein müssen, ihre gerade in der Krise wichtigste Funktion zu erfüllen: nämlich die finanzielle Unterstützung der so genannten Realwirtschaft.

 

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