Bekämpfung der Wohnungsnot zusammen mit der Region

20.11.2012

„Nur mit vereinten Kräften und unter Beteiligung der gesamten Region kann die drohende Wohnungsnot in Frankfurt am Main gelöst werden.“ Das brachte am Dienstag Dr. Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, auf den Punkt. Die IHK Frankfurt hatte über 300 Experten zum Immobilien-Kolloquium eingeladen, um über Entwicklungen auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt, Logistik, Immobilieninvestments und Energieeffizienz beim Bauen und Sanieren zu diskutieren.

Dabei wurde deutlich: Die Spannung auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt nimmt zu. Während die Stadt in den 90er Jahren zahlreiche Einwohner ans Umland verlor, hat sich der Trend in den letzten Jahren umgekehrt. Heute zählt Frankfurt über 700.000 Einwohner – Tendenz steigend. Da in den 90er Jahren vor allem in Büroimmobilien investiert wurde, hat der Leerstand an Büros 15 Prozent erreicht. Gleichzeitig kommen jährlich ca. 12.000 Neubürger nach Frankfurt, für die nicht genügend Wohnraum zur Verfügung steht. Die Preise für die Miete oder den Neubau von Wohnungen erreichen daher regelmäßig neue Spitzenwerte und liegen mittlerweile höher als die Quadratmeterpreise für Büros. Der Trend zu immer mehr Single-Haushalten verschärft das Problem zusätzlich.

„Es ist in den letzten Jahren einiges geschehen, um das Wohnangebot zu erweitern“, betonte Dr. Müller. Als Beispiele nannte er Projekte wie den Westhafen, das Europaviertel, den Frankfurter Bogen sowie geplante Vorhaben wie die Einhausung des Riederwalds. Auch sei das Programm der ABG gut und sinnvoll, bis 2017 etwa 4.000 neue Wohnungen zu bauen. „Doch selbst wenn noch zusätzliche Nachverdichtung stattfindet, werden diese Maßnahmen nicht reichen. Wir müssen insbesondere darauf achten, dass auch Fachkräfte mit niedrigem und mittlerem Einkommen sich Wohnungen leisten können“, mahnte der IHK-Präsident. Immerhin verdiene der durchschnittliche Arbeitnehmer in Deutschland gut 28.000 Euro im Jahr. „Da kann es schon schwierig werden, hier eine Wohnung zu finden.“

„In Zukunft werden Kommunen viel stärker als bisher zusammenarbeiten müssen“, prognostizierte der Immobilienexperte Prof. Dr. Hanspeter Gondring von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart. Dies betreffe bereits die gemeinsame Müllentsorgung oder Infrastrukturprojekte. „Warum also nicht auch im Bereich Wohnen?“ Wie Dr. Müller erklärte, könnte es sich dabei um eine „win-win-Situation“ handeln: Kommunen, die verstärkt in Wohngebiete investierten, profitierten beispielsweise von den Lohnsteuereinnahmen ihrer Neubürger. Und auch der Einzelhandel in den jeweiligen Kommunen würde zusätzliche Kunden begrüßen.

„Der Flächennutzungsplan des Regionalverbandes weist bereits jetzt 2.350 Hektar Wohnfläche bis zum Jahr 2030 aus. Die verstärkte interkommunale Zusammenarbeit ist also schon Strategie des Regionalverbandes. In der konkreten Umsetzung gibt es aber sicherlich noch viel Optimierungsbedarf“, erläuterte der IHK-Präsident. „Wir müssen alle Akteure an einem runden Tisch versammeln, um zum Beispiel zu schauen, wie viel Prozent der ausgewiesenen Wohnfläche sich an der Nähe von S- oder U-Bahn-Stationen befindet. Auch die geplante RTW spielt bei der Erreichbarkeit der Kernstadt Frankfurt als Arbeitsplatz für die meisten Fachkräfte eine wichtige Rolle“. Denn wie auch eine Blitzumfrage unter den Teilnehmern des Immobilien-Kolloquiums zeigt: Die gute Erreichbarkeit Frankfurts ist nach wie vor der wichtigste Standortfaktor für FrankfurtRheinMain.

 

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