„Jedes vierte innovative Unternehmen in Hessen beklagt Finanzierungsschwierigkeiten“
Aktuelle Studie der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern: „Innovationsfinanzierung in Hessen“

27.11.2012

 

Die hessischen Unternehmen gehören zu den innovationsstärksten in Deutschland. Über 5,2 Milliarden Euro wendet die hessische Wirtschaft jährlich für Forschung und Entwicklung auf. Das entspricht 2,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Damit liegt Hessen nach Baden-Württemberg auf dem zweiten Platz im Vergleich der Bundesländer.

„Die Innovationsaktivitäten hessischer Unternehmen könnten jedoch noch weitaus höher ausfallen, wenn die innovativen Unternehmen nicht auf Schwierigkeiten bei der Finanzierung stoßen würden“, sagt Detlev Osterloh, Federführer für den Bereich Innovation und Forschung der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern. Immerhin jedes vierte innovative Unternehmen in Hessen klagt derzeit über Finanzierungsschwierigkeiten, wie eine aktuelle Untersuchung im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern zeigt. Von diesen Problemen betroffen sind in erster Linie junge Unternehmen sowie Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten. „Die Gründe hierfür sind vielfältig. Eine zu geringe Innenfinanzierungskraft oder Eigenkapitalquote spielt ebenso eine Rolle wie aus Sicht der Kapitalgeber unzureichende materielle Sicherheiten. Eine geringe Unternehmensgröße erschwert zudem den Zugang zu Beteiligungskapital, da für institutionelle Investoren erst ab einem höheren Investitionsvolumen ein angemessenes Verhältnis zwischen Aufwand und möglichem Ertrag besteht“, führt Osterloh aus.

Die Beurteilung der Finanzierungssituation hängt in starkem Maße auch von der jeweiligen Branchenzugehörigkeit des Unternehmens ab. So sind tendenziell innovative Dienstleistungsunternehmen stärker von Finanzierungsschwierigkeiten  betroffen als Unternehmen des Produzierenden Gewerbes. Besonders problematisch erweist sich derzeit die Situation in besonders wachstumsintensiven Bereichen wie der Biotechnologie und der Softwareentwicklung.

Wie die Untersuchung verdeutlicht, beruhen die Finanzierungsschwierigkeiten jedoch gegenwärtig nicht auf einer übermäßigen Rationierung der kreditsuchenden Unternehmen durch die Kreditmärkte. „Eine etwaige Kreditklemme ist nicht erkennbar. Allerdings wünschen sich die kreditsuchenden Unternehmen vielfach besser qualifizierte Kreditsachbearbeiter in den Banken, die neuen technologischen Trends gegenüber aufgeschlossen sind und mögliche Marktchancen von Produktneuheiten auch angemessen beurteilen können“, so Osterloh. Beim Zugang zu Beteiligungskapital trügen bestehende Rechtsunsicherheiten und restriktive Regelungen im Steuerrecht dazu bei, dass institutionelle Kapitalgeber bevorzugt Anlagemöglichkeiten im Ausland suchen. „Diese finanziellen Mittel fehlen speziell den hochinnovativen, wachstumsintensiven Unternehmen in Hessen.“

Große Defizite zeigen sich bei der Kenntnis der hessischen Unternehmen über die bestehenden öffentlichen Programme zur Innovationsförderung. So ist beispielsweise nicht einmal jedem vierten innovativen Unternehmen in Hessen die „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ (LOEWE) ein Begriff. Zudem äußern die Unternehmen Kritik an der Intransparenz des bestehenden Fördersystems aus finanziellen Mitteln des EU-Haushalts, Bundes- und Landesmitteln. Die Bezeichnung des Systems als „Förderdschungel“ hält eine große Mehrheit der befragten Unternehmen für zutreffend. „Die Landesregierung sollte daher eine klare, konsistente Innovationsstrategie verfolgen, die keine Doppelförderung von gleichen oder ähnlichen Projekten in den Regionen zulässt, sondern ein System sich ergänzender Förderung beinhaltet“, fordert Detlev Osterloh.

Die Studie verdeutlicht aber auch: Der weitaus größte Teil der innovativen Unternehmen in Hessen steht finanziell auf soliden Füßen. Innovationen werden überwiegend aus internen Mitteln getätigt. Nahezu 90 Prozent der  Unternehmen greifen zur Finanzierung von Innovationen zunächst vorrangig auf Mittel zurück, die aus dem betrieblichen Umsatzprozess heraus durch das Zurückbehalten von Gewinnen (Selbstfinanzierung), durch die Bildung von langfristigen Rückstellungen oder aus der Freisetzung von Abschreibungsgegenwerten resultieren.

„Der Zugang zu privaten Finanzmitteln ist eine Grundvoraussetzung für die Aufrechterhaltung der Innovationsfähigkeit hessischer Unternehmen. Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, sind vor allem die Bildung interner Finanzmittel für die Unternehmen zu erleichtern sowie Rechtsunsicherheiten und steuerliche Nachteile bei der Wagniskapitalfinanzierung zu beseitigen“, fordert Osterloh.

Die Studie kann bezogen werden über:

Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main
Geschäftsfeld Innovation und Umwelt
Dr. Thomas Steigleder
Börsenplatz 4
60313 Frankfurt am Main
Tel.: 069 2197 1219

 

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