Erneut wagen mehr Hessen den Schritt in die Selbstständigkeit

29.11.2012

 

Im Jahr 2011 haben sich erneut mehr Menschen in Hessen dafür entschieden, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Das ist ein Ergebnis des Gründerreports 2011 der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (ARGE). Allerdings fiel die Zunahme weniger stark aus als in den Jahren zuvor. „Existenzgründungen sind wichtig für die anhaltend nachhaltige Erneuerung der Volkswirtschaft“, betont Ulrich Spengler, Federführer der IHK-Arbeitsgemeinschaft im Bereich Existenzgründungen. „Jungunternehmer setzen neue Ideen um, schließen Marktlücken, führen eingesessene Unternehmen fort und schaffen Arbeitsplätze.“

Der Saldo aus Gewerbean- und -abmeldungen in Hessen betrug im vergangenen Jahr 10.659. Die Anmeldungen gingen zwar um 2,3 Prozent zurück, das Minus fiel jedoch deutlich schwächer aus als im gesamten Bundesgebiet. Deutschlandweit sank der Wert um 4,8 Prozent.

Das Gründungsgeschehen konzentriert sich weiterhin vor allem auf Ballungszentren und Städte. In Hessen konnte die IHK Frankfurt am Main die meisten Neuanmeldungen für sich verbuchen. Nur geringfügig weniger Neuanmeldungen hat – auch dank ihrer großen Fläche – die Kammer in Kassel zu verzeichnen. Gründungsschwerpunkte bilden vor allem der Bereich der Dienstleistungen, der Handel, aber auch Tätigkeiten im Baugewerbe.

Einzelunternehmen dominieren mit über 80 Prozent der Neuanmeldungen. „Dies ist für kleine Unternehmen die einfachste und günstigste Form einer Gründung“, erläutert Spengler. „Eine GmbH wird oft aufgrund der Haftungsbeschränkung gewählt; dies bedeutet aber auch deutlich mehr formalen Aufwand und damit höhere Kosten.“

Unter den Einzelunternehmern zeigen sich Menschen mit Migrationshintergrund als besonders gründungsfreudig. Der Ausländeranteil unter neu eingetragenen Einzelunternehmern ist mit 21,4 Prozent etwa doppelt so hoch wie der landesweite Ausländeranteil in der Bevölkerung. „Diese Quote ist auch ein Indiz für eine andere kulturelle Haltung, eine größere Offenheit für die unternehmerische Selbstständigkeit, eine größere Experimentierfreude und einen anderen Umgang mit dem Thema des Scheiterns“, schildert ARGE-Federführer Spengler. Der Anteil der weiblichen Gründerinnen entspricht mit 34 Prozent in etwa den deutschlandweiten Zahlen.

„Das Thema Selbstständigkeit gehört in die Lehrpläne und Lehrerausbildung – von der Schule bis zur Universität“, fordert Spengler. „Know-how und Begeisterung verbessern Gründungschancen, sichern Fachkräftenachwuchs, sind Basis für Gründungen mit hohem Innovationspotenzial und unabdingbar für Unternehmensnachfolgen.“ Hochschulen sollten Ausgründungen auch mit Partnern aus der Wirtschaft systematisch begleiten.

Außerdem kann das Gründungsgeschehen durch flächendeckende Breitbandversorgung mit schnellem Internet, aber auch passenden Gewerbeflächen und einem gut ausgebauten Straßennetz gefördert werden. Spengler: „Für hessische Unternehmen ist es unerlässlich, dass strukturell schwächere Räume durch geeignete, bedarfsorientierte Infrastrukturräume weiterentwickelt werden.“ Auch aus diesem Grund habe die IHK-Organisation „Infrastruktur – Wege von morgen“ zum Jahresthema 2013 erklärt.

Der Gründerreport 2011 steht unter www.ihk-hessen.de kostenlos zur Verfügung.


Hintergrund: IHKs leisten wertvolle Unterstützung bei Existenzgründungen
 

Auf dem Weg in die Selbstständigkeit leisten die Industrie- und Handelskammern vor Ort eine wichtige, kostenlose Unterstützung. Gegenläufig zum bundesweiten Trend haben in Hessen die Zahl der Erstinformationen und auch die Anzahl der Gründungsberatungen im Vergleich zu 2010 zugenommen. Die hessischen Industrie- und Handelskammern haben sich mit ihrer gemeinsamen Starter-Center-Initiative und neuen Online-Beratungsinstrumenten wie der Gründungswerkstatt als erster Ansprechpartner für Gründer positioniert.

Die Zahl der Teilnehmer an Informationsveranstaltungen ist annähernd konstant hoch. Die Gründungen aus der Arbeitslosigkeit in Hessen spielen nicht die gleiche Rolle, wie im bundesdeutschen Durchschnitt. Der Anteil der Gründer, die aus einer ungekündigten Position ihre Chance nutzen, war signifikant höher.

Neben der Beratung der Existenzgründer stehen die Kammern den Förderbanken und Arbeitsagenturen mit ihren fachlichen Beurteilungen zur Tragfähigkeit von Gründungsvorhaben zur Seite. Außerdem unterstützen sie mit zahlreichen Stellungnahmen die Existenzgründer beim Erhalt von Fördergeldern. Die Zahl der Stellungnahmen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen, in Hessen jedoch deutlich moderater als im gesamten Bundesgebiet. Zugenommen haben jedoch die Stellungnahmen zum Einstiegsgeld für Arbeitslosengeld II-Empfänger.

 

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