Erste ausländische Berufsabschlüsse anerkannt

30.11.2012

 

Die ersten hessischen Fachkräfte mit Migrationshintergrund haben jetzt eine Bescheinigung zur Anerkennung ihrer im Heimatland erworbenen beruflichen Qualifikation erhalten. Die Bescheinigungen, die der Hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch und der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, Dr. Norbert Reichhold, als Vertreter der IHK Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern am Freitag im hessischen Wirtschaftsministerium in Wiesbaden überreichten, schaffen eine Vergleichbarkeit von ausländischen und inländischen Qualifikationen.


Die Feststellung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsabschlüsse ist erst seit 1. April dieses Jahres möglich. „Die neuen Anerkennungsverfahren funktionieren gut und unterstützen die Zuwanderung von Fachkräften“, sagte Dr. Reichhold. Während jetzt jede Person mit ausländischem Berufsabschluss ein Anrecht auf ein Gleichstellungsverfahren hat, gab es zuvor je nach Beruf und Herkunftsland  unterschiedliche Verfahren und häufig keinen Rechtsanspruch. Für die IHK-Berufe wurden bisher deutschlandweit rund 1.700 Anträge gestellt, darunter 208 aus Hessen. Von den aus Hessen gestellten Anträgen wurden 28 bereits positiv beschieden. 32 Anträge auf Gleichstellung ausländischer Abschlüsse sind direkt aus dem Ausland gestellt worden.


Die ersten Hessen mit anerkannten Berufsabschlüssen aus dem Ausland sind Mehmet Deniz Avsar und Galina Eger. Beide haben ihre Abschlüsse bei der IHK FOSA bewerten lassen und eine völlige Gleichwertigkeit  erhalten. Eger hatte in der Russischen Föderation einen Abschluss erlangt, der dem deutschen IHK-Abschluss Bürokauffrau gleichgestellt wurde. Avsar wurde mit einen Abschluss aus der Türkei dem deutschen IHK-Referenzberuf  Elektroniker für Betriebstechnik gleichgestellt. „Ich gratuliere Frau Eger und Herrn Avsar zu dieser Anerkennung. Hessen braucht qualifizierte Fachkräfte. Deshalb müssen im Inland vorhandene Qualifikationspotenziale besser genutzt und im Ausland erworbene berufliche Qualifikationen gezielter aktiviert werden“, sagte Wirtschaftsminister Rentsch. Er äußerte sich zufrieden,  dass das neue Verfahren auch in Hessen gut angenommen wird. Es sei wichtig, bei der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen sorgfältig deren Gleichwertigkeit zu prüfen, ohne dabei bürokratische Hürden zu errichten. Die IHK-FOSA als zentrale Anlaufstelle sei hier beispielhaft. „Im Ausland erworbene Qualifikationen müssen für den Einzelnen und den Arbeitgeber besser verwertbar gemacht werden. Dies fördert ausbildungsnahe Beschäftigung und trägt zur Sicherung der Fachkräfteversorgung bei“, sagte Rentsch.


Die neu geschaffene zentrale Stelle IHK FOSA (Foreign Skills Approval) in Nürnberg prüft, inwieweit ausländische Qualifikationen als gleichwertig mit entsprechenden deutschen Qualifikationen eingestuft werden können. Bisher sind Anträge zu Berufsabschlüssen aus über 91 Ländern eingegangen, darunter aus Polen, der Türkei, Russland, Kasachstan, Rumänien und Bosnien-Herzegowina. Die Anträge beziehen sich auf derzeit 130 deutsche IHK-Referenzberufe. Die neue Möglichkeit zur Anerkennung des ausländischen Berufsabschlusses erreicht vor allem Jüngere und Migranten, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland sind.


Von den bereits 380 positiven Anerkennungsbescheiden deutschlandweit wurden fast zwei Drittel als voll gleichwertig anerkannt. „Ein Anerkennungsverfahren lohnt auch dann, wenn am Ende keine volle Gleichwertigkeit herauskommt – weil Arbeitgeber und Betriebe auch bei teilweiser Gleichwertigkeit die vorhandenen Qualifikationen leichter einordnen können", sagte Dr. Reichhold. „Das erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, der auf die Zuwanderung qualifizierter ausländischer Arbeitnehmer angewiesen ist." Laut Dr. Reichhold brauche Hessen qualifizierte Zuwanderer mit Eigeninitiative und Eigenverantwortung. Wichtig sei, dass die Menschen, die in Deutschland ihre berufliche und private Zukunft sehen, eine Willkommenskultur erfahren. „Wir möchten, dass Sie sich in unserem Land nicht als Gäste fühlen, sondern wir wollen Sie einladen in unserem Land zu bleiben, um hier ihre Zukunft aufzubauen“, sagte der IHK-Präsident.

 

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