Frankfurts Wirtschaft ist in guter Kondition

13.12.2012

Frankfurts Wirtschaft befindet sich zum Jahreswechsel 2012/13 in guter Kondition. Trotz einer aktuell spürbaren Konjunkturdelle werde sich im kommenden Jahr wieder ein positiver Wachstumstrend ergeben, erklärten die Vertreter von Industrie- und Handelskammer und Stadt Frankfurt, IHK-Präsident Dr. Mathias Müller und Wirtschaftsdezernent Markus Frank, am Donnerstag in einem Pressegespräch in der IHK. 

 

„2012 wird das Wachstum in der Metropolregion FrankfurtRheinMain mit knapp einem Prozent weitaus höher ausgefallen sein als in den meisten anderen Metropolregionen Europas“, sagte IHK-Präsident Dr. Müller. Damit setze sich der positive Trend der vergangenen Jahre weiter fort. Für die 27 EU-Länder insgesamt rechnet die EU-Kommission mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent. Auch für 2013 werde sich ein ähnliches Bild ergeben. Die Wachstumsrate für die Region prognostiziert die IHK erneut auf ein Prozent.

 

„FrankfurtRheinMain hat im Olympiajahr 2012 seine gute Fitness unter Beweis gestellt“, sagte Dr. Müller. „Beim Wettlauf der Metropolregionen haben wir es um ein paar kleine, aber am Ende wichtige Schritte weiter als andere geschafft. Frankfurt konnte seine Position im Standortwettbewerb verbessern, und diese gute Performance zu wiederholen muss unser Ansporn für das nächste Jahr sein!“ Dr. Müller stellte heraus, dass es sich nicht nur um eine Momentaufnahme handele. Schon im Jahr 2011 hatte Hessen (mit plus 3,3 Prozent) etwas besser als die deutsche Wirtschaft insgesamt abgeschlossen (3,0 Prozent).

 

Die Standortpolitik sei in den vergangenen Jahren von der Stadt gut gemanaget worden, sagte Dr. Müller. Im nächsten Jahr müssten die Verantwortlichen mit großem Nachdruck für die Verbesserung der Standortbedingungen für die Industrie, für eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt und für die Sicherung der Rahmenbedingungen am Finanzplatz Frankfurt sorgen. Bei der Industrie müsse der Masterplan, der im kommenden Jahr von der Stadt und zahlreichen Wirtschaftsorganisationen fertig gestellt werden soll, eine Botschaft vermitteln, dass FrankfurtRheinMain einer der wichtigen modernen Industriestandorte ist. „Wir wollen eine Zukunft der Industrie zeichnen. Dazu gehören mehr Vertrauen für die Industrie und mehr Wachstum in der Industrie. Wenn beides gelingt, sind wir auf gutem Weg, den Industriestandort wieder zu einem Aushängeschild für FrankfurtRheinMain zu machen!“ Der Masterplan solle auch Antworten aufzeigen für die Konflikte zwischen Wohnen und Arbeiten. Stadtrat Markus Frank unterstrich die Ausführungen von Dr. Müller. „Das industriepolitische Leitbild für einen modernen Industriestandort Frankfurt werden wir im nächsten Jahr finalisieren. Mit dem Masterplan werden wir dann ein zukunftsweisendes Stadtplanungsinstrument für die nächste Dekade der Frankfurter Wirtschaft haben", sagte der Stadtrat. Vor dem Hintergrund der Frankfurter Standortpolitik ergänzte Frank, dass die städtische Wirtschaftsförderung in diesem Jahr in ihrer Erfolgsbilanz 26 Neuansiedlungen von Unternehmen verbuchen könne. Dazu zählten beispielsweise die Styrolution Group im Westend und Orion Engineered Carbons in Niederrad.

 

Die wachsende Nachfrage nach Wohnraum verschärft die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt vor allem für Bezieher niedriger und mittlerer Einkommen. „Daher muss Frankfurt bauen, und zugleich müssen wir ein Ventil für attraktive Wohnungsangebote in der Region finden“, sagte Dr. Müller. Das Programm der ABG für 1,4 Mrd. Euro und 4000 neue Wohnungen bis 2017 sei „gut und sinnvoll, aber es wird eben nicht ausreichen“.

 

Für den Finanzplatz gehe es im kommenden Jahr um die Verhinderung der Finanztransaktionssteuer. „Hier ziehen erfreulicherweise alle heimischen Akteure an einem Strang. Bundesbank, Landesregierung und IHK haben sich deutlich positioniert, dass die Einführung der Finanztransaktionssteuer eine schwere Behinderung des Finanzplatzes Frankfurt und eine Verteuerung für eine Reihe von Finanzprodukten nach sich ziehen würde. Was immer mit der Finanztransaktionssteuer intendiert wurde – es wird einen völlig anderen und volkswirtschaftlich gegenteiligen Effekt haben.“

 

Zu den Erfolgen des zu Ende gehenden Jahres zählte der IHK-Präsident auch die gute Bilanz des Ausbildungsjahrgangs im IHK-Bezirk Frankfurt. Die Mitgliedsunternehmen bilden deutlich mehr aus als im Vorjahr: Die Verträge liegen mit knapp 6000 Verträgen fast zwei Prozent über dem Vorjahreswert. Damit stiegen die Ausbildungszahlen auf den höchsten Stand seit der Wirtschaftskrise 2008.

 

Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist die Betreuungsquote der unter Dreijährigen in der Metropolregion FrankfurtRheinMain weiter gestiegen. Sie lag zuletzt bei 22,7 Prozent und damit um 2,5 Prozentpunkte höher als im Jahr zuvor! In den Kommunen des IHK-Bezirks Frankfurt wurden sogar noch bessere Werte erreicht. In Frankfurt gab es Ende 2011 für 25,9 Prozent der unter Dreijährigen einen Platz, im Main-Taunus-Kreis für 25,8 Prozent und im Hochtaunuskreis sogar für 28,7 Prozent. Allerdings ist damit überall noch ein langer Weg zu gehen bis zur Zielquote von 35 Prozent bis 1. August 2013.

 

Die Frauenerwerbsquote ist in Hessen in den letzten vier Jahren weiter gestiegen. Ende 2011 waren 47 Prozent der Frauen erwerbstätig, das sind zwei Prozentpunkte mehr als 2008 und sieben Prozentpunkte mehr als vor zwanzig Jahren. Damit haben Frauen deutlich aufgeholt. Bei den Männern beträgt die Erwerbsquote 57 Prozent und ist über die vergangenen Jahre praktisch gleich geblieben. „Die Geschlechterlücke schließt sich  schneller. Für die Behebung des Fachkräftemangels ist dies eine gute Nachricht.“

 

Bei der städtischen Haushaltspolitik ist nach Ansicht des IHK-Präsidenten eine Kehrtwende nötig. Momentan hat Frankfurt Schulden von 1,3 Milliarden, aber im Jahr 2016 werden es Frankfurt laut Prognose der Stadtkämmerei 2,9 Milliarden Euro sein. „Frankfurt lebt offenbar über seine Verhältnisse Nirgendwo gibt es aber bessere Verhältnisse gibt als in Frankfurt. Keine vergleichbare Großstadt hat so hohe Steuereinnahmen pro Kopf der Bevölkerung (1938 Euro in 2010). Es seien also deutlich mehr Einsparungen nötig, als dies bisher im politischen Raum diskutiert werde.

 

Zugleich sprach sich Dr. Müller gegen eine erneute Diskussion um eine Anhebung des Gewerbesteuerhebesatzes aus. „Wer die Lasten für Unternehmen, die gute Steuern zahlen, erhöht, verstärkt zugleich das Bedürfnis nach Entlastung, und das würde den Wegzug von Betreiben aus Frankfurt bedeuten. Ich bin sehr froh über die Zusage des Stadtkämmerers, der sein entschiedenes Nein zur Anhebung des Gewerbesteuerhebesatzes und ein Nein zur Einführung der Bettensteuer in der vorigen Woche wiederholt hat.“

 

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