Wirtschaft nimmt trotz Optimismus nur langsam Fahrt auf

03.05.2013

„Trotz positiver Erwartungen ist der Konjunkturmotor zum Frühsommer noch nicht in Schwung gekommen. Die lange Kälteperiode zum Jahresbeginn hat die Geschäftslage insbesondere in der Bauwirtschaft und im Einzelhandel eingetrübt. So hat sich der Anteil der Bauunternehmen, die von einer schlechten Geschäftslage berichten, trotz insgesamt positivem Geschäftsklima auf zwölf Prozent verdoppelt. Bei den Einzelhändlern dreht sich die Stimmung: Zum ersten Mal seit drei Jahren berichten mehr Einzelhändler von schlechten als von guten Geschäften (31 Prozent gegenüber 18 Prozent). Zugpferd für die Konjunktur ist aktuell die Industrie: Fast jedes zweite Unternehmen berichtet von guten Geschäften. Das ist eine glatte Verdopplung im Vergleich zur Vorumfrage“, kommentiert Dr. Ralf Geruschkat, Chefvolkswirt der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, die Konjunkturumfrage zum Frühsommer 2013 der IHK Frankfurt unter mehr als 2.500 Mitgliedsunternehmen im Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis sowie der Stadt Frankfurt am Main. „Die stabilen Erwartungen der Unternehmen sollten die wirtschaftliche Dynamik in der zweiten Jahreshälfte beflügeln. Dafür bieten die konstanten Beschäftigungs- und Investitionspläne ein solides Fundament. Voraussetzung ist, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht weiter eskaliert“, so Dr. Geruschkat weiter.

 

Geschäftsklima: Das IHK-Geschäftsklima sinkt um drei Zähler auf 115 Punkte (ein Wert von 100 Zählern bildet die Grenze zwischen positiver und negativer Grundstimmung). Dieser Rückgang ist vor allem auf die eingetrübte aktuelle Geschäftslage zurückzuführen. Der Anteil der Unternehmen, die von einer guten Geschäftslage berichten, hat um fünf Prozentpunkte auf nur noch 36 Prozent abgenommen. Die Erwartungen für die zukünftige Geschäftsentwicklung bewegen sich dagegen auf stabilem Niveau. Nach wie vor gehen 84 Prozent der Betriebe von einer besseren oder gleichbleibenden Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten aus.

 

Beschäftigte: Der Arbeitsmarkt folgt in den nächsten Monaten weiterhin der zu Jahresbeginn eingeschlagenen stabilen Seitwärtsbewegung. 85 Prozent der Unternehmen planen, ihre Beschäftigtenzahlen konstant zu halten oder neue Mitarbeiter einzustellen. Das lässt eine leichte Zunahme der Beschäftigungsverhältnisse erwarten, insbesondere Investitionsgüterproduzenten und personenbezogene Dienstleister planen zusätzliches Personal.

 

Investitionen: Die Investitionspläne der Unternehmen haben sich stabilisiert. Jeder fünfte Betrieb plant, seine Investitionsausgaben zu erhöhen. Das ist eine Zunahme um einen Prozentpunkt im Vergleich zur Vorumfrage. Nach wie vor wollen 19 Prozent weniger investieren. Mit höheren Investitionsausgaben planen vor allem die Industrieunternehmen (31 Prozent).

 

Exporte: Positiv entwickeln sich die Ausfuhren der Industrie. 52 Prozent der exportierenden Industriebetriebe erwarten steigende Ausfuhren; ein Plus von 17 Prozentpunkten im Vergleich zur Vorumfrage. Den Betrieben kommt vor allem ihre globale Ausrichtung zugute, die sie von der stabilen Konjunkturlage der Weltwirtschaft profitieren lässt. Unternehmen mit hohem Exportanteil in die Eurozone kalkulieren dagegen deutlich vorsichtiger. Über alle exportorientierten Branchen hinweg erwarten 30 Prozent der Unternehmen steigende Ausfuhren: ein Plus von fünf Prozentpunkten. Mit sinkenden Exporterlösen rechnen 14 Prozent: eine Zunahme um neun Prozentpunkte.

 

Branchen: Die Stimmung der Industrieunternehmen hat sich insgesamt deutlich verbessert. Der Geschäftsklimaindex für die Industrie ist um 22 Zähler auf 128 Punkte gestiegen. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen an die zukünftige Geschäftsentwicklung haben sich stark verbessert. Aktuell berichten 48 Prozent der Betriebe von guten Geschäften. Eine Verdopplung im Vergleich zur Vorumfrage. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Erwartungen: Hier berichten 29 Prozent der Unternehmen, dass sie bessere Geschäfte in den nächsten Monaten erwarten. Zuvor waren es nur 15 Prozent.

 

Nach wie vor stabil ist das Geschäftsklima im Baugewerbe, auch wenn es auf 115 Punkte zurückgegangen ist. Die aktuellen Geschäfte werden von 39 Prozent der Unternehmen als gut beurteilt – in der Vorumfrage waren es noch 48 Prozent. Die lang anhaltende Kälteperiode zum Jahresbeginn hat vor allem bei den Tiefbauunternehmen Spuren hinterlassen. Der Blick in die Zukunft fällt jedoch weiterhin positiv aus: So rechnen 84 Prozent der Unternehmen mit besseren oder gleichbleibenden Geschäften in den nächsten Monaten.

 

Auch die Einzelhändler haben die Auswirkungen des langen Winters zu spüren bekommen. Dementsprechend hat sich der Anteil der Unternehmen, die aktuell von guten Geschäften berichten, fast halbiert und liegt bei nur noch 18 Prozent. Ein Fünftel der Einzelhändler erwartet schlechtere Geschäfte in den kommenden Monaten, gerade noch elf Prozent rechnen mit besseren Geschäften. Der IHK-Geschäftsklimaindex für den Einzelhandel ist deutlich zurückgegangen und liegt aktuell bei nur noch 89 Punkten: eine Abnahme um 19 Zähler.

 

Jedes zweite Unternehmen der Finanz-, Kredit- und Versicherungswirtschaft berichtet von guten Geschäften. Nur vier Prozent bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht. Auch bei den Erwartungen für die Zukunft überwiegen die Optimisten. Fast jedes fünfte Unternehmen erwartet bessere Geschäfte, wohingegen nur 14 Prozent mit schlechteren Geschäften rechnen. Die Beschäftigungspläne am Bankenplatz Frankfurt sehen positiver aus als zu Jahresbeginn. 81 Prozent der Unternehmen wollen ihre Belegschaften halten oder ausbauen (plus sieben Prozentpunkte).

 

Der IHK-Geschäftsklimaindex für die unternehmensbezogenen Dienstleister sinkt zwar um sieben Punkte, verbleibt mit 120 Zählern aber auf immer noch gutem Niveau. 89 Prozent der Unternehmen berichten von guten oder befriedigenden Geschäften. 86 Prozent gehen von besseren oder gleichbleibenden Geschäften in den kommenden Monaten aus.

 

Auch die Stimmung unter den personenbezogenen Dienstleistern sinkt und der Geschäftsklimaindex fällt um zehn Punkte auf 108 Zähler. Nur noch 22 Prozent der Unternehmen berichten von guten Geschäften. Das ist ein Rückgang um 14 Prozentpunkte. Zudem haben sich die Erwartungen eingetrübt. Mehr als jedes fünfte Unternehmen geht von einer schlechteren Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten aus (plus 13 Prozentpunkte).

 

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