Frankfurter Hauptschulprojekt muss fortgeführt werden

18.06.2013

 

Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main (IHK) erwartet bei der 20. Berufsbildungsmesse Rhein-Main, die vom 20. bis zum 22. Juni 2013 auf dem Börsenplatz vor der IHK Frankfurt stattfindet, wieder 10.000 Jugendliche, die sich über duale Ausbildung oder duales Studium informieren wollen. „Das zeigt, dass viele Schülerinnen und Schüler ihren Berufseinstieg aktiv gestalten wollen und selbst den Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern suchen“, erläutert Prof. Dr. Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt am Main. Allerdings könne der große Zuspruch nicht über die Tatsache hinweg täuschen, dass noch immer viele Schulabgänger nicht ausbildungsreif seien. „An dieses Problem erinnert die Wirtschaft seit Jahren“, mahnt der IHK-Präsident. Die Betriebe im IHK-Bezirk könnten nicht dauerhaft auf dieses Fachkräftepotenzial verzichten, so Prof. Dr. Müller. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf.

Ein positives Beispiel für die Förderung von Hauptschülern sei das Frankfurter Hauptschulprojekt, das aktuell an 18 von 20 Hauptschulen im Frankfurter Stadtgebiet durchgeführt werde. „Bisher haben über 4.000 Schüler am Projekt teilgenommen und damit ihre Chancen für den beruflichen Einstieg erheblich verbessert. Über 1.000 Betriebe haben sich bisher engagiert“, berichtet Prof. Müller. Das Frankfurter Hauptschulprojekt habe sich als sehr guter Ansatz herausgestellt, die Ausbildungsreife von Hauptschülern zu fördern und ihnen gleichzeitig erste Kontakte zu Betrieben in der Region zu ermöglichen. „Angesichts des großen Erfolgs appelliere ich an die Verantwortlichen in den Frankfurter Schulen: Führen Sie das Frankfurter Hauptschulprojekt fort! Die Erfolgsgeschichten geben Ihnen Recht!“

Hintergrund dieser Forderung ist der Beschluss des Hessischen Kultusministeriums, Mittel in Höhe von 125.000 Euro nicht wie bisher direkt dem Projekt zur Verfügung zu stellen. Statt dessen soll nun jede Schule selbst entscheiden, ob sie dieses Geld für die Berufsorientierung der Schüler verwendet, oder ob sie es beispielsweise für den Sportunterricht ausgibt. Beim Frankfurter Hauptschulprojekt können Hauptschüler durch Einzelgespräche mit Sozialpädagogen, Bewerbungstrainings, Informationsveranstaltungen und Praktika ihre Stärken und Interessen finden und einen sinnvollen Schulabschluss erreichen. Die IHK Frankfurt, die Handwerkskammer FrankfurtRheinMain und der Verband der Metall- und Elektrounternehmen Hessen fördern das Projekt. Finanziert wird es vom Staatlichen Schulamt, dem Stadtschulamt der Stadt Frankfurt und der Agentur für Arbeit.

„Die Entscheidung, Schulen mehr Entscheidungsfreiheit zu geben, ist grundsätzlich richtig“, bewertet Prof. Dr. Müller den Vorstoß. „Aus Sicht der Wirtschaft ist aber zu befürchten, dass viele Schulen die Mittel für andere Zwecke verwenden und sich aus dem Hauptschulprojekt zurückziehen werden. Außerdem arbeiten viele Unternehmen nicht direkt mit einer Partnerschule, sondern mit Projektkoordinatoren zusammen“, so der IHK-Präsident weiter. „Wenn nun jede Schule für sich selbst entscheidet, in welcher Form und ob überhaupt sie sich an dem Projekt beteiligt, wird die Lage für die Unternehmen unübersichtlich. Von einer systematischen Berufsorientierung kann dann keine Rede mehr sein.“ Auch im Hinblick auf die Chancengleichheit der Schülerinnen und Schüler sollten alle Schulen am Projekt festhalten.

„Angesichts des Fachkräftemangels machen die Unternehmen mehr Werbung für ihren Betrieb und geben auch weniger leistungsfähigen Bewerbern eine Chance“, betont Prof. Dr. Müller. „Dafür bedarf es einer gezielten Förderung von leistungsschwächeren Schülern in der Schulphase. Diesen Projekten darf nicht die finanzielle Grundlage entzogen werden“, so der IHK-Präsident. Das Frankfurter Hauptschulprojekt solle deshalb eher ausgeweitet als eingedämmt werden, bis wirklich alle Schulabgänger in den Arbeitsmarkt integriert worden sind“, führt Prof. Dr. Müller weiter aus.

Das Frankfurter Hauptschulprojekt wird auch bei der Eröffnungsfeier der 20. Berufsbildungsmesse Rhein-Main zur Sprache kommen, die am Donnerstag, dem 20. Juni 2013, um 10 Uhr in der IHK Frankfurt stattfinden wird. An der Diskussionsrunde nehmen die Vertreter der beteiligten Organisationen teil. Neben dem IHK-Präsidenten sind dies: Peter Feldmann (Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main), Bernd Ehinger (Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main), Karl-Heinz Huth (Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Frankfurt) und Silvia Bouffier-Spindler (Amtsleiterin des Staatlichen Schulamts für die Stadt Frankfurt am Main).

 

Ansprechpartner

Telefon:

Ansprechpartner

Pressestelle IHK Frankfurt am Main Unternehmenskommunikation
Telefon: 069 2197-1201 Fax: 069 2197-1488