Erstausgabe des „Industrie-Journals“ vorgestellt –
IHK kritisiert die „Hightech-Strategie“ der Bundesregierung

19.07.2012

 

Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main stellte heute im Rahmen eines Pressegesprächs die Erstausgabe ihres „Industrie-Journals“ vor.
Dabei setzte sich die IHK unter anderem kritisch mit der „Hightech-Strategie“ der Bundesregierung auseinander. „Diese Strategie zur Förderung von Innovationen geht von einem überholten und zu sehr technologiezentrierten Innovationsverständnis aus. Nicht nur neue Produkte, sondern auch Geschäftsmodelle, die Optimierung betrieblicher Prozesse sowie Dienstleistungen stehen im Blickpunkt von Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen der Unternehmen“, sagte Matthias Gräßle, Hauptgeschäftsführer der IHK Frankfurt am Main. Als Beispiel nannte er die so genannte Energiewende: Deutschland benötige vor allem sichere und auch bezahlbare Versorgungslösungen. Neue Technologien seien dabei die eine Seite, Geschäfts- und Kooperationsmodelle sowie innovative Dienstleistungen die andere. Zudem müsse die Innovationspolitik – weniger die Forschungspolitik – in Deutschland sehr viel technologieoffener und stärker Hand in Hand mit der Wirtschaft weiterentwickelt werden, wolle man vor allem mittelständische Unternehmen in die Innovationspolitik mit einbeziehen. „Innovative Lösungen entstehen hier nicht durch sektorale Auswahl von oben, sondern in einem von Kundenwünschen getriebenen technologieoffenen Such- und Entdeckungsverfahren. Eine Festlegung auf ‚Schlüsseltechnologien‘ und ‚Zukunftsprojekte‘ ist somit immer kritisch zu sehen, da sie den Kunden als wichtigsten Innovationstreiber in einer Marktwirtschaft ausblendet. Deswegen fordern wir eine Erweiterung der Strategie ‚Innovation‘ um Entwicklungs-, Prozess- und Vertriebsinnovation“, so Gräßle.

„Wir gehen derzeit für das Jahr 2013 davon aus, dass sowohl die Industrieproduktion als auch die Kapazitätsauslastung der Industriebetriebe im IHK-Bezirk geringfügig höher ausfallen werden als im vergangenen Jahr“, sagte Detlev Osterloh, Geschäftsführer der Abteilung Innovation und Umwelt der IHK Frankfurt am Main. Es dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass die verhalten positive Situation der deutschen Industrie gefährdet sei. Neben der europäischen Finanz- und Schuldenkrise wirke vor allem die Umsetzung der Energiewende als Investitionsbremse. „Die Politik ist dabei nicht nur gefordert, die Kostenbelastung für die Unternehmen in Grenzen zu halten. Wichtiger noch sind verlässliche Rahmenbedingungen, die auch mal länger als eine Wahlperiode Bestand haben. Gift für den Industriestandort ist es, wenn die Unternehmen sich alle 4 Jahre oder noch öfter auf neue Regeln in der Energiepolitik, Steuerpolitik, Umweltpolitik etc. einstellen müssen“, so Osterloh.

Der IHK-Bezirk Frankfurt am Main ist nicht nur Finanzplatz, sondern auch ein bedeutender Industriestandort und – gemessen am Anteil an der gesamten Bruttowertschöpfung des Produzierenden Gewerbes sowie den Beschäftigtenzahlen –sogar der Bedeutendste in Hessen. 90.000 Menschen finden in den Betrieben des produzierenden Gewerbes in der Stadt Frankfurt am Main, im Hochtaunuskreis und dem Main-Taunus-Kreis eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das sind mehr als im Finanzsektor. In den Industrieunternehmen werden jährlich 15 Prozent des gesamten Bruttoinlandsproduktes der Region – rund 10 Milliarden Euro – erwirtschaftet. Die Industrie trägt auch einen wesentlichen Anteil am Gewerbesteueraufkommen. Der Industrie komme somit eine Schlüsselrolle für Wachstum, Beschäftigung und materiellen Wohlstand im IHK-Bezirk Frankfurt am Main und der gesamten Metropolregion FrankfurtRheinMain zu, erläuterte Gräßle. „Daher ist es aus unserer Sicht besonders wichtig, noch viel stärker als bisher das Augenmerk auf die wirtschaftliche Entwicklung der Industrie und die Standortbedingungen für die Unternehmen zu legen“, so Gräßle.

Das Industrie-Journal wird künftig zweimal im Jahr erscheinen. Sie finden es online unter: www.frankfurt-main.ihk.de/industrie-journal

 

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